Wohin steuert die Wasserkraft?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Wasserkraftwerk

Berchtesgaden - Die Diskussion über den Ausbau von Wasserkraftwerken geriet zu einem harten Schlagabtausch. Zahlreiche Interessen prallten dabei aufeinander:

„Sie haben sich auf einer fremden Veranstaltung zu benehmen“, befiehlt der 2. Vorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern und ausgewiesener Wasserexperte, Sebastian Schönauer, in Richtung eines Besuchers im Saal des Hotel Vierjahreszeiten. Die Diskussion ist hitzig. Der eine droht zu gehen, er möchte sich nicht das Wort verbieten lassen, der andere krächzt: „Sie lügen!“ Es geht um Gewässer, um Fische, um Auf- und Abstiegshilfen für die Tierwelt. Das Thema Wasserkraft ist ein emotionales Thema mit viel Zündstoff. Und ein Politikum der besonderen Art. Der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee, der geladen und erwartet worden war, ist erst gar nicht gekommen.

Sebastian Schönauer hält den Bau von Kleinstwasserkraftanlagen für unverantwortlich

Geladen hatte Rita Poser, Vorsitzende des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Berchtesgadener Land. Und erschienen waren viele. Betreiber von Kleinstwasserkraftanlagen aus dem Berchtesgadener Land und aus Traunstein, die sich die Ausführungen von Schönauer anhören wollten. Denn der ist sich sicher: Ein Neubau von Kleinwasserkraftanlagen sei sowieso unverantwortlich. Mit dem „derzeit verfügbaren Know-how“ sei das ökologisch nicht vertretbar. Geplante Projekte, wie etwa am Hintersee, müssten gestoppt werden. „Das wird nichts. Ich bin mir sicher, dass eine Umsetzung nicht machbar ist“, sagte Schönauer bereits im Vorfeld der Veranstaltung und gab sich kämpferisch. So auch während der Abendveranstaltung.

„Bayerns Flüsse stehen vor dem Kollaps“, sagte er. Und die Wasserkraft sei dafür mitverantwortlich, trage zu einem „ökologischen Desaster“ bei. 4.250 Anlagen gibt es in Bayern, viele davon „zerstückeln die Gewässer“. Lebendige Gewässer würden zerstört. Die Gründe dafür seien vielfältig: Der Einsatz von Turbinen, die schnell rotieren, führe immer wieder zu tödlichen Verletzungen bei Fischen. Mortalitätsraten von bis zu 80 Prozent seien belegbar. „Das Umwelt- und das Tierschutzgesetz verbieten so etwas“. Und deshalb möchte Schönauer, dass bestehende Kraftwerke umgestaltet und optimiert und die Förderung von Kleinwasserkraftanlagen gestoppt wird. „Eine Durchgängigkeit und ein Fischaufstieg und –abstieg sind notwendig – und gesetzlich gefordert“.

Franz Dieterich wehrt sich dagegen, dass die Wasserkraft verunglimpft wird.

Der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee sieht das zwar ähnlich, wie Vorsitzender Siegfried Lenz auf Anfrage bestätigt. Und trotz Einladung zur Veranstaltung ist die Vorstandschaft ferngeblieben. „Das ist alles nicht so einfach“, sagt Lenz. „Ein Politikum“. Bei jedem Kleinwasserkraftwerk müsse man im Einzelfall entscheiden – zahlreiche Institutionen würden da mitreden. „Die vom Fischereiverein haben doch nur Schiss“, sagt ein Veranstaltungsbesucher. „Da könnten sie etwas Wichtiges zum Thema beitragen und tun es einfach nicht“, so die Meinung des verwunderten Berchtesgadeners.

Während der Veranstaltung regte sich bei den Besuchern immer wieder Widerstand. Das Thema Wasserkraft wurde hochemotional geführt. Franz Dieterich, der in der Ramsau ein Säge- und Hobelwerk betreibt, sprach mit deutlichen Worten. Er sieht eine jahrhundertealte Tradition in Gefahr, die Existenz der Kraftwerke, die so manchen Familienbetrieb am Leben halten. „Sie verunglimpfen die Wasserkraft mit Ihren Aussagen und dem Pamphlet“, schmetterte Dieterich in Richtung des Vortragenden. Nur mit der Wasserkraft konnte der Fortschritt in der Gegend Einzug halten.

„Wir wollen doch nicht alles sprengen und wir wollen die Wasserkraft auch nicht verbieten“, entgegnete ihm Sebastian Schönauer. Er fordere aber die Umsetzung der gesetzlichen Notwendigkeiten. Dass eine Einzelfallbeurteilung her müsse, das bestätigte Schönauer. Enteignungen? Ein Wort, das niemand im Kreis der Kraftwerkseigentümer gerne hört. Vielmehr sprach der stellvertretende Bund Naturschutz-Vorsitzende von staatlichen Ausgleichen im Fall der Fälle.

Bauunternehmer und Antragsteller des Wasserkraftwerks am Ramsauer Felsentor, Josef Kollmer, sagte, er werde von der Unteren Naturschutzbehörde regelrecht „bekämpft“. Im Landratsamt Berchtesgadener Land „möchte man das Projekt verhindern“, weil der bearbeitende Sachverständige sich selbst nicht möge. Gelächter und beiläufiger Applaus in den Reihen der Zuhörer. Schönauer bekräftigte, dass er in einem Punkt „eisenhart“ bleibe: „Wir müssen eine Durchgängigkeit garantieren können“. In jeder anderen Hinsicht könne man miteinander sprechen.

kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser