Wasserretter bereit für den Ernstfall

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Berchtesgaden - Die BRK-Wasserwacht hat im Juli umfangreiche Fortbildungen absolviert. Simuliert wurden unter anderem ein schwerer Kajak-Unfall und ein Auto-Absturz.

Einsatzkräfte der BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Berchtesgaden haben im Juli in mehreren Modulen eine vertiefte Fließgewässer-Fortbildung durchlaufen und sich dabei intensiv in Theorie und Praxis mit der Menschenrettung und Sachbergung aus den heimischen Flüssen beschäftigt. Bei insgesamt vier realistisch inszenierten Übungen in der Ache mussten die ehrenamtlichen Wasserretter des Roten Kreuzes all ihr Könnten unter Beweis stellen. Szenarien waren unter anderem ein schwerer Kajak-Unfall und ein ins Wasser gestürztes Auto, wobei die Wasserretter Hand in Hand mit der Freiwilligen Feuerwehr Marktschellenberg zusammenarbeiten mussten, die sich um die technische Rettung des eingeklemmten Insassen kümmerte. Die Freiwillige Feuerwehr Marktschellenberg war mit 25 Mann im Einsatz.

Arbeit in der Strömung ist gefährlich

„Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, Verunfallte aus den Flüssen und Bächen rund um Berchtesgaden zu retten und entsprechend auch Bergungen von Tieren, Fahrzeugen oder Gegenständen durchzuführen. Obwohl wir durch Einsätze und Übungen viel Praxis haben, bleibt die Arbeit im der Strömung immer gefährlich; jeder Handgriff muss sitzen, damit keinem was passiert. Deshalb haben wir im Juli die Fließwasser-Rettung als Schwerpunkt-Fortbildungsthema ausgesucht“, erklärt die neue Ortsgruppenvorsitzende Elke Schneider, die ihrem Kameraden Jürgen Klapfenberger dankte, der sich als Fließwasser-Ausbilder sehr viel Zeit genommen hatte und gleich an mehreren Tagen Wissen und Können der Wasserretter vertiefte. Am Anfang stand ein Theorie-Abend, bei dem er alle Grundsätze wie Kommunikation, Seil- und Knotenkunde, Rettungsmethoden und Gefahren an Fließgewässern wieder in Erinnerung rief. „Jürgen hatte sehr viel Geduld und ging auf alle gestellten Fragen tiefgründig ein“, freut sich Teilnehmerin Christl Wagner.

Seilbahnbau oberhalb der Schwöbbrücke

Danach fand einen ganzen Samstag lang in der Königsseer Ache kurz oberhalb der Schwöbbrücke eine Praxisübung statt. Bei sportlichen drei Metern pro Sekunde Fließgeschwindigkeit mussten die Wasserretter nicht nur all ihr Können, sondern auch ihre körperliche Fitness unter Beweis stellen. Schwerpunkt war der Aufbau einer so genannten Tyrolienne – einer speziellen Seilbahn, die die Retter sicher und schnell von der einen auf die andere Uferseite transportieren kann, um hier Patienten zu versorgen oder Gegenstände zu sichern oder zu bergen. Nach der Mittagspause wartete dann ein konkrete Herausforderung: Ein Patient musste möglichst schonend vom anderen Ufer gerettet werden, das nur über den Wasserweg erreichbar ist. Die Wasserretter errichteten dazu eine Seilbahn, mit der ein Boot samt Patient und Ausrüstung gezogen werden konnte. Nach verschiedenen Variationen mit internen oder externen Flaschenzügen sowie mehrerer Aufbauten der Tyroliennen waren die Retter gegen 18 Uhr fertig und durch die starke Strömung auch körperlich ziemlich geschafft.

Schwerer Kajakunfall in der Ache

Martin Planegger, der stellvertretende Technische Leiter der Ortsgruppe und Benedikt Schuster, Geschäftsführer von Adventure Elements hatten dann für den Freitag eine weitere, schwierige Einsatzübung ausgearbeitet und vorbereitet. Bei der Alarmierung hörten die Wasserretter nur die Durchsage „Unklarer Unfall Berchtesgadener Ache - Höhe Flusskilometer 11,6“, aus ihren Funkgeräten. Insgesamt 15 Einsatzkräfte rückten aus, um den verunfallten Kajakfahrer zu retten und sein Boot zu bergen. „Wir legten besonderen Wert auf die korrekte Handhabung von Seil und Knoten sowie die möglichst schonende Rettung des Verunfallten, da in Wirklichkeit vor Ort ohne bildgebende Verfahren wie Röntgen keiner genau weiß, in wie weit zum Beispiel die Wirbelsäule verletzt ist“, erklärt Planegger. Nach der Rettung des Patienten stand noch eine Vermisstensuche an. Zwei Wasserretter besetzten sofort das Schnell-Einsatz-Boot der Ortsgruppe und suchten die Ache flussabwärtes ab. Unterstützt wurden sie durch zwei Fußtrupps an jeder Uferseite. Die vielen wachsamen Augen fanden die ausgelegte Puppe dann auch sehr rasch. Sie wurde gesichert und für die Wasserwacht ging ein weiterer, zweieinhalbstündiger, spannender Übungsabend zu Ende.#

Die Fließgewässer-Fortbildung

Auto stürzt zur Ache ab

Die letzte Übung in der Fließwasser-Ausbildungsreihe hatte Jürgen Klapfenberger zusammen mit Volkhard Geiger von der Freiwilligen Feuerwehr Marktschellenberg ausgearbeitet und vorbereitet. Am Montagabend mussten Feuerwehr und BRK-Wasserwacht gemeinsam Hand in Hand ein fast in der Ache liegendes Auto sichern, den eingeklemmten und die beiden weggetriebenen Insassen retten und versorgen sowie die Unfallstelle absichern. „Nach der langwierigen Bergung des abgestürzten Traktors am Sonntag waren wir alle sehr gut auf dieses doch ähnliche Szenario vorbereitet“, erklärt Vorsitzende Elke Schneider, die selbst in Marktschellenberg zu Hause ist. Die Feuerwehr sicherte das Auto gegen weiteres Abrutschen, stellte den Brandschutz sicher und begann mit der technischen Rettung des eingeschlossenen Fahrers. Die BRK-Wasserwacht sicherte zeitgleich die Unfallstelle im Wasser und die Arbeiten am Auto ab und baute eine Seilbahn auf, um die beiden abgetriebenen Verletzten an die andere Uferseite retten zu können. Nachdem beide Mimen versorgt waren, wurden sie mit dem Schnell-Einsatz-Boot zum Ufer unterhalb der Bundesstraße gefahren, wo sie mit vereinten Kräften über Steckleitern hoch zu den Fahrzeugen gebracht werden mussten.

„Auch diese Aufgaben wurden von allen Beteiligten bestens gemeistert“, freut sich Feuerwehr-Einsatzleiter Volkhard Geiger, der zusammen mit Wasserwacht-Einsatzleiter Franz Kurz eine durchwegs positive Bilanz ziehen konnte. „Das Übungsziel wurde erreicht und die enge Zusammenarbeit der Wehr mit den Wasserettern war ausgezeichnet! Vielen Dank an alle Beteiligten der insgesamt vier Übungen, an die Ausarbeitenden, an Adventure Elements und an die Feuerwehr Marktschellenberg sowie an unseren Fließwasser-Spezialisten Jürgen Klapfenberger“, lobte Kurz.

BRK Kreisverband BGL

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