Neues Konzept: Apotheke mit Autoschalter

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Berchtesgaden - Der Berchtesgadener Apotheker Florian Schmidt begeistert mit der Umsetzung seiner Idee eines Autoschalters in der neu gebauten Antonius Apotheke.

McDonald's hat es erfolgreich vorgemacht. Vorfahren, bestellen, wegfahren: der Drive In. Der Berchtesgadener Apotheker Florian Schmidt hat das gleiche Konzept nun in seiner neu gebauten Antonius Apotheke umgesetzt. Ein Autoschalter. Einer von wenigen in ganz Deutschland. Gleich der erste Besuch dort zeigt: Auch Fahrradfahrer sind von der Idee begeistert.

Rechts neben dem Gebäude liegt die Einfahrt. Ein bisschen unscheinbar. Ein Schild weist darauf hin. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Apotheker Schmidt. Von seiner Idee ist er überzeugt. In der Vergangenheit war er häufig darauf angesprochen worden, dass es doch so umständlich sei, zu ihm in die Apotheke zu kommen – wegen der Parkplätze. Und trotz der Tatsache, dass die naheliegende Tiefgarage der Gemeinde 20 Minuten kostenfreies Parken anbietet. Dann kam der Neubau. Und damit die Umsetzung einer Idee, die er zwar schon kannte, die in der Gegend aber einmalig ist. Mit dem Auto während regulärer Öffnungszeiten und Notdienste Medikamente abholen. Ohne auszusteigen. Ob mit Rezept oder ohne. „Am Mondsee gibt es einen Autoschalter“, sagt er.

Erst in München folgen drei weitere. Das gesamte Wohn- und Geschäftshaus, das im Herzen Berchtesgadens errichtet wurde, ist auf den Autoschalter hin ausgerichtet. Maximal sechs Fahrzeuge können hintereinander warten, erst dann würde die Fahrzeugschlange auf die Hauptstraße hinausreichen. Unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintritt, sagt Florian Schmidt. Seine Erwartungshaltung an den Autoschalter? Schwer in Worte zu fassen. Natürlich wolle er dadurch einige Neukunden gewinnen. Eben jene, die früher bei der Konkurrenz Halt machten, dort, wo man parken konnte. Außerdem müsse sich das Konzept sowieso erst einmal rumsprechen. Am heutigen Vormittag sei schon eine ganze Menge los gewesen. Zehn Autos in wenigen Stunden – „für den Anfang nicht schlecht“, so das Fazit des Apothekers.

Vorfahren, bestellen, wegfahren

Eine Berchtesgadenerin mit Sohn biegt in die Einfahrt, klingelt am Autoschalter. Die beiden sind nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad samt Anhänger unterwegs. „Premiere“, sagt Apotheker Schmidt und freut sich. Ein Fahrradfahrer im Drive In. Seltener Anblick. Aber warum auch nicht? Die Idee ist einfach und praktisch zugleich: Vorfahren, klingeln. Und schon öffnet sich die Tür und eine der Apotheken-Damen erscheint. „Bei uns wird persönlich bedient“, sagt Schmidt mit einem Lächeln. Keine Gegensprechanlage wie beim Fast-Food-Konzern. Dafür modernste Technik, die dafür sorgt, dass der Kunde schon nach wenigen Sekunden sein gewünschtes Medikament ausgehändigt bekommt. Sorge dafür trägt eine computergestützte Anlage. Über einen Bildschirm erkennen die Mitarbeiter, welche Produkte auf Lager sind.

Ein Knopfdruck auf die Maus genügt, im Hintergrund ertönen ein paar Geräusche – und schwupps purzelt das Medikament eine Wendelrutsche nach unten. Zukunftsorientiert möchte man meinen. Florian Schmidt beschwichtigt: In großen Städten sei die moderne Lagerhalterung ganz normal. Alltag sozusagen. Ein Blick hinter die Kulissen ist erlaubt. Ein riesiger, in Glas eingebundener Lagerautomat sorgt dafür, dass bis zu 19.000 Medikamenten-Schachteln vorrätig sind. 13.000 Plätze sind belegt, 6.000 noch frei. Spielraum nach oben also. Durch ein Förderband werden aktuell in der Apotheke eingetroffene Medikamenten in den wenige Quadratmeter großen, dafür umso höheren Lager-Kubus geschoben und registriert. Ein Roboterarm sorgt dafür, dass jeder Schachtel ein Platz zugewiesen wird. Ein Blick in das Innere des Automaten verrät: Keine nach Medikamenten geordnete Lagerhaltung, vielmehr: scheinbar willkürliches Durcheinander.

„Der Computer merkt sich, wo die einzelnen Schachteln liegen“, sagt Schmidt. Bis zu drei Packungen hintereinander. Und das, was der Kunde am Autoschalter wünscht, wird vom Roboterarm besorgt. In Sekundenschnelle. Probe aufs Exempel. Wie wär‘s mit einer Packung Spezial-Pflaster? Gesagt, getan: „Eine Packung Pflaster, bitte“. Schmidt tippt. Einige Surrgeräusche später ist das Produkt da. Gezahlt wird direkt am Fenster. Dann ist der Einkauf beendet. Der Motor startet. Der nächste Kunde wartet schon.

kp

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