Alpine Böden als Klimawächter

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Peter Spörlein vom Landesamt für Umwelt (LfU) bringt im Nationalpark Berchtesgaden Messinstrumente für Bodenfeuchte an. Das LfU betreut bayernweit insgesamt 60 solcher Dauerbeobachtungsflächen.

Berchtesgaden - Wie wirkt sich der Klimawandel in der Region aus? Antworten darauf suchen Forscher jetzt im Nationalpark Berchtesgaden mit Hilfe neuester Messinstrumente.

Einen Meter Tiefe und rund 50 Zentimeter im Durchmesser misst das Bodenprofil, das Peter Spörlein und Friedhelm Vieten vom Landesamt für Umwelt (LfU) gegraben haben. Neben der Klimastation nahe der Schapbachalm im Nationalpark Berchtesgaden haben die beiden Wissenschaftler mehrere Messfühler im verschiedenen Bodentiefen angebracht. Diese ermitteln Temperatur- und Feuchtegehalt und lassen damit Rückschlüsse auf die Auswirkungen des Klimawandels zu.

„Der fortschreitende Klimawandel wird insbesondere auf den Alpenraum deutliche

Auswirkungen haben“, betont Dr. Richard Fackler, Vizepräsident des Landesamtes für Umwelt. „Studien belegen, dass der Anstieg der Jahresmitteltemperatur in den Alpen in den vergangenen Jahrzehnten etwa doppelt so hoch ausgefallen ist, wie im globalen Durchschnitt“. Dort lag er bei rund 0,8 Grad Celsius. Für die nächsten Jahrzehnte zeigen aktuelle Klimamodelle eine weitere Erwärmung um etwa 1,5 Grad Celsius, begleitet von zunehmend trockeneren Sommern und nassen Wintern in den Bergregionen.

Forschungsziel der Bodenkundler am LfU ist es, die seit 1985 regelmäßig gemessenen Kohlenstoffgehalte an den Boden-Dauerbeobachtungsflächen durch die Messung von Bodentemperatur und Bodenfeuchte zu ergänzen. „Damit möchten wir genauere Aussagen zur Auswirkung des Klimawandels auf den Kohlenstoffhaushalt von Böden treffen“, erklärt LfU-Mitarbeiter Peter Spörlein, der die Forschungen im Nationalpark Berchtesgaden koordiniert.

An drei verschiedenen Messpunkten in 800, 1.300 und 1.700 Metern Höhe wurden alpine Böden mit Sensoren ausgestattet. „Wenn sich die Temperaturen ändern, bekommen dies die Bergregionen als erstes zu spüren. Daher ist die Forschung hier besonders wichtig“, erläutert der Ingenieur. Die Daten der Stationen werden per Datenfernübertragung (DFÜ) direkt an das LfU übertragen und nach einem bundesweit einheitlichen Schema ausgewertet. Aktuelle Rückschlüsse können die Forscher bereits ziehen.

Spörlein erklärt die aktuelle Situation im Klausbachtal anhand einer Tabelle: „Anfang Juni zur Zeit des Hochwassers in Bayern betrug der Wassergehalt der Böden in zehn Zentimetern Tiefe rund 50 Prozent, in einem Meter Tiefe waren es noch rund zehn Prozent. Mit Beginn der Hitzewelle Anfang Juli nahm der Wassergehalt ständig ab. Heute sind es in einem Meter Tiefe nur noch rund vier Prozent. Die stärkeren Niederschläge Ende Juli haben tiefere Bodenschichten und damit auch das Grundwasser kaum erreicht. Nahezu das gesamte Wasser wurde in oberen Schichten bis zehn Zentimetern gespeichert. Hier stieg der Wassergehalt von rund 22 auf über 40 Prozent, seitdem fällt der Wert tendenziell deutlich ab.“

Seit über 25 Jahren läuft unter der Federführung des LfU ein bayernweites Bodenmonitoring. Die Forscher finden damit heraus, wie sich die Böden Bayerns im Laufe der Zeit verändern. Dazu wurden an insgesamt 60 möglichst unbeeinflussten Standorten wie im Nationalpark Berchtesgaden Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet, die in regelmäßigen Abständen beprobt werden. Eine Übersicht gibt es unter www.lfu.bayern.de/boden/bodendauerbeobachtung.

Carolin Scheiter/Leiterin der Stabsstelle Kommunikation

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