Rock am Rathaus: Bedenken beim Alkohol

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Berchtesgaden - Bürgermeister Franz Rasp hat Bedenken bei der Veranstaltung "Rock am Rathaus" Alkohol auszuschenken. Die Verantwortlichen sprachen sich nun über dieses Thema aus.

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Alkohol bei Rock am Rathaus“? Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp war nach einem Vorfall im vergangenen Jahr überzeugt davon, ab sofort keinen Alkohol mehr anzubieten. Nach einem ausführlichen Gespräch mit Polizeihauptkommissar Günther Adolph, dem Jugendrichter Winfried Köpnick aus Laufen und weiteren Vertretern von Jugend AG und solchen mit Jugendanliegen ist das Fazit nun ein anderes: Bier wird es bei Rock am Rathaus nun doch geben, Alkopops bleiben weiterhin tabu.

Bürgermeister Franz Rasp hat bedenken zum Alkoholausschank für "Rock am Rathaus". Grund seien Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr.

Bürgermeister Rasp war etwas verunsichert. Für ihn war klar: „Rock am Rathaus“ soll weiterhin friedlich verlaufen. Am besten ohne alkoholhaltige Getränke. Bislang hatte er als Veranstalter penibel darauf achten lassen, dass Bier erst ab 16 Jahren verkauft werden darf. Hinter dem Tresen stehen Jahr für Jahr Mitglieder des Gemeinderats, die ein Auge darauf werfen und bei Unklarheiten schon mal den Ausweis vorzeigen lassen. Bislang hat auch immer alles gut geklappt, Alkohol-Eskapaden gab es keine. Bis zum letzten Jahr. Ein Mädchen, 14 Jahre alt, war bei der Veranstaltung erschienen und schon betrunken, bevor diese überhaupt begonnen hatte. „Sie hatte ihren Schnaps selbst dabei“, erinnert sich Rasp. Die Frage für Berchtesgadens Jugendreferentin Sabine Wimmer und den Bürgermeister war also, wie man mit Alkohol zukünftig umgehen müsse. „Soll es erneut einen Alkoholausschank geben“? Eine juristische Klärung war vonnöten. Und deshalb war zu dem Gespräch in der Polizeiinspektion Berchtesgaden auch der Jugendrichter Winfried Köpnick erschienen, der mit solchen Fällen viel Erfahrung gesammelt hat und weiß: Wer als Veranstalter die Regeln befolgt, ist auf der sicheren Seite.

Saufen für den Regenwald? Polizeihauptkommissar Günther Adolph kann über solche Motto-Partys nur den Kopf schütteln.

Auch, wenn er Alkohol ausschenkt. Und so haben sich die Bürgermeister der Landkreis-Gemeinden auf Initiative von Franz Rasp zusammengesetzt und eine Selbstverpflichtung für Veranstaltungen mit dem Titel „5von10“ entworfen. Zur Eindämmung des Alkoholmissbrauchs. In der gemeinsamen Erklärung verpflichten sich die Bürgermeister der Landkreis-Gemeinden als Veranstalter einen Jugendschutzbeauftragten zu benennen, der während des jeweiligen Events die gesetzlichen Bestimmungen kontrolliert und sich „aktiv um die Umsetzung der „5von10“-Vereinbarungen kümmert. Darin finden sich etwa Punkte wie: „Kein Alkohol an Betrunkene und unter 16-Jährige“. Oder, dass es mindestens zwei alkoholfreie Getränke gibt, die deutlich günstiger als Bier sind. Bürgermeister Rasp ist sich sicher, acht der zehn Punkte realisieren zu können. Macht jemand den Eindruck, für den Bierkonsum noch zu jung zu sein, wird seit Jahren der Ausweis gefordert, so Rasp. Ohne Ausweis kein Bier.

Jugendrichter Winfried Köpnick: „Ein verantwortungsvoller Ausschank ist deutlich besser als wenn man den Alkohol weglässt“.

Kaum in den Griff zu kriegen sei das sogenannte „Vorglühen“, bei dem man im Privaten Alkohol konsumiert und erst auf die Veranstaltung geht. Sozialpädagoge Simon Scharf aus Bad Reichenhall bestätigt das. Deutlich abgenommen haben laut Polizeihauptkommissar Günther Adolph Alkoholpartys mit Motto: „Saufen für den Regenwald“ – so lautete etwa eine Veranstaltung, die 2008 von den Engedeyer Buttnmandl ins Leben gerufen wurde. Adolph hat sich das damalige Werbeplakat aufgehoben: Als „Irrsinn“ beschreibt er solche Auswüchse. Sagt aber trotzdem ganz klar: „Ich würde Rock am Rathaus aber nicht resolut ohne Alkohol machen“. Und auch Jugendrichter Köpnick unterstützt ihn: „Jugendliche kommen auch anders an den Alkohol.“

Die Gefahr bestünde, dass der Konsum bei einem generellen Verbot deutlich höher ausfallen würde. „Ein verantwortungsvoller Ausschank ist deutlich besser als wenn man den Alkohol weglässt“. Überhaupt zeige sich, so Polizeichef Adolph, dass der Alkoholkonsum insgesamt zurückgehe. Es gebe zwar noch so manchen „Vollabsturz“, jedoch in weit geringerem Maße als noch vor ein paar Jahren. Vor allem beim Lenken des eigenen Fahrzeugs herrsche weitläufige Einigkeit: Autofahren ja, aber nur ohne Alkohol.

kp

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