Bayerischer Naturschutz als internationales Vorbild

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Yong Sok Lee, stellvertretender Direktor des koreanischen Nationalpark-Service (2.v.r.), begleitete den Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Dr. Michael Vogel (2.v.l.), zusammen mit Dolmetscher Piyul Lee (l.) und einem Ranger in den südkoreanischen Nationalpark Bukhansan.

Berchtesgadener Land - Naturschutz, Forschung und Management im Nationalpark Berchtesgaden sind weit über die Grenzen des Schutzgebietes hinaus gefragt, sogar in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Auf Einladung der Universität Seoul und des koreanischen Umweltministeriums reiste Dr. Michael Vogel, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, kürzlich zu einer Vortragveranstaltung nach Ostasien. Bei dem international besetzten Symposium informierte Dr. Vogel über die Aufgaben und Funktionen des Nationalparks Berchtesgaden ebenso wie über aktuelle Forschungsprojekte und Managementstrategien.

In den vergangenen Jahren hatten bereits mehrere Delegationen aus Südkorea den Nationalpark Berchtesgaden besucht und sich Anregungen für ihre praktische Naturschutzarbeit geben lassen. Nun folgte Dr. Vogel einer Einladung des koreanischen Umweltministeriums, der Universität Seoul sowie des koreanischen Nationalpark-Service zu einem Symposium zum Thema „Nachhaltige Entwicklung von Nationalparks im Zeitalter von Energie- und Klimawandel“.

Hier stellte der Wissenschaftler aktuelle Projekte und Forschungsfelder aus Berchtesgaden vor. Neben den Aufgaben und Zielen des Nationalparks Berchtesgaden zeigten sich die rund 250 geladenen Gäste aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik sowie von Naturschutzverbänden interessiert am neuen Bundesnaturschutzgesetz mit der Verpflichtung zu einer flächendeckenden Landschaftsplanung und einem Biotopverbundssystem, das zehn Prozent der Landesfläche umfassen muss.

Kultureller Höhepunkt der Studienreise von Nationalpark-Leiter Dr. Michael Vogel (3.v.r.) nach Südkorea war die Einladung des Meistermönchs (l.) des HwaEom-Sa Tempels.

Darüber hinaus informierten sich die südkoreanischen Naturschutz-Experten über die Vorgehensweise des Freistaats Bayern zur Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. „Der Stellenwert der Nationalparke in Südkorea ist enorm hoch“, unterstreicht Dr. Vogel die hohe Akzeptanz der Schutzgebiete in der lokalen Bevölkerung. „Unsere Schutzgebietskategorien wie Naturparke, Natur- oder Landschaftsschutzgebiete sind in Korea nicht bekannt. Dort gibt es ausschließlich 20 Nationalparks mit zum Teil sehr streng geschützten Lebensräumen.“ In den Nationalparks befinden sich außerdem national bedeutende Natur- und Kulturdenkmale als Einzelschutzobjekte.

Dementsprechend hoch sind auch die Besucherzahlen in den südkoreanischen Nationalparks: Die vom Berchtesgadener Nationalpark-Leiter besuchten Nationalparke Bukhansan und Jirisan verzeichnen zehn beziehungsweise acht Millionen Gäste pro Jahr. Dr. Vogel sieht darin eine große Herausforderung für das Besuchermanagement: „Es ist sicher eine gewaltige Aufgabe, diese Besucherströme zu regulieren und zu kanalisieren, um den übergeordneten Schutzzweck erfüllen zu können.“

Überrascht und erfreut zeigte sich Dr. Vogel über die Umsetzung verschiedener Konzepte und Ansätze aus Berchtesgaden in südkoreanischen Nationalparks. So wurden im Jahre 2007 die Eintrittsgebühren zu den Nationalparks abgeschafft, es wurden neue Wegekonzepte mit Wegekategorien nach Berchtesgadener Vorbild entwickelt, ein neues Beschilderungssystem wird derzeit umgesetzt und auch der Berchtesgadener Mustermanagementplan für Barrierefreiheit wird als Planungsgrundlage herangezogen.

So baut die südkoreanische Regierung derzeit für rund 20 Millionen Euro im Bukhansan Nationalpark einen 68 Kilometer langen, barrierefreien Rundwanderweg. Auch im Jirisan Nationalpark ist ein Großprojekt angelaufen, um auf freiwilliger Basis den bebauten Privatgrund im Nationalpark zu erwerben und den Besitzern außerhalb des Parks attraktive Alternativen zur Verfügung zu stellen. Das Gesamtvolumen des Projektes beläuft sich auf 48 Millionen Euro und ist von der koreanischen Regierung bereits bewilligt.

Ein Schwerpunkt der südkoreanischen Nationalparkverwaltungen für die kommenden Jahre ist die Verbesserung des Umweltbildungsangebotes. Dr. Vogel zieht nach seiner Reise ein positives Resümee: „Die Arbeit für die Natur und für leistungsfähige Nationalparke bringt Menschen aus den unterschiedlichen Kulturkreisen zusammen. Nationalparke sind überall auf der Welt immer auch Heimat von Menschen und wichtige Schnittpunkte zwischen Natur und Kultur. Dies zu erkennen und zu bewahren ist Aufgabe der Nationalparks rund um den Globus.“

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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