Barrierefreiheit im „Haus der Berge“

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Wie sehbehinderte Menschen die einzelnen Elemente der Ausstellung im „Haus der Berge“ erleben können, erfuhr Projektleiter Uli Brendel im Rahmen des Workshops zum Thema „Barrierefreiheit“.

Berchtesgaden - Während die Bauarbeiten auf dem Gelände des „Haus der Berge“ in Berchtesgaden zügig voranschreiten, laufen auch die Detailplanungen für die Ausstellung auf Hochtouren.

Eine große planerische Herausforderung für das Team um Projektleiter und Nationalpark-Mitarbeiter Ulrich Brendel ist die möglichst barrierearme Gestaltung. Rollstuhlfahrer, Blinde oder Sehbehinderte, Gehörlose oder Personen mit Lernschwierigkeiten sowie Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollen das „Haus der Berge“ gleichermaßen intensiv erleben können. Um diesen Personengruppen einen problemlosen Besuch zu ermöglichen, wird bereits in der Planungsphase für das neue Informations- und Umweltbildungszentrum des Nationalparks Berchtesgaden darauf geachtet, Hindernisse gar nicht erst entstehen zu lassen.

Experten zum Thema Barrierefreiheit erarbeiteten kürzlich bei einem Workshop Vorschläge und Maßnahmen zur Gestaltung der Ausstellung. Christian Grassl, Behindertenbeauftragter im Nationalpark Berchtesgaden, betont: „Die Besucher unserer neuen Bildungseinrichtung lassen sich nicht vereinheitlichen, jeder Gast hat individuelle intellektuelle, physische und psychische Bedürfnisse, die berücksichtigt werden müssen. Die Berücksichtigung dieser Individualität und eine persönliche Beratung sind daher absolut notwendig und sinnvoll.“

Die Zahlen gesundheitlich beeinträchtigter Personen in Deutschland lassen erahnen, dass diese große, potentielle Gästegruppe nicht vernachlässigt werden darf: So sind bundesweit rund 500.000 Menschen sehbehindert, rund 100.000 gehörlos, sieben Millionen Seniorinnen und Senioren sind hörgeschädigt. Die Zahl der Analphabeten beläuft sich auf vier Millionen Menschen, rund 500.000 sind auf den Rollstuhl angewiesen. Für all diese Gäste soll das „Haus der Berge“ ein Naturerleben möglich machen.

Ein Expertenteam mit Vertretern aus der Region entwickelte kürzlich für das „Haus der Berge“ in Berchtesgaden verschiedene Maßnahmen zur barrierearmen Gestaltung der Ausstellung. Rollstuhlfahrer, seh- und hörbehinderte Menschen sowie Fachleute verschiedener Organisationen brachten eigenen Erfahrungen ein und erstellten ein Konzept.

Christian Grassl betont in diesem Zusammenhang auch die touristische Bedeutung des Großprojekts: „Insbesondere für Besucher mit Behinderungen und sonstigen Einschränkungen ist das Naturerlebnis eine wichtige Urlausentscheidung“. Projektleiter Uli Brendel ergänzt: „Mit einer barrierefreien Umsetzung wird mehr als nur eine Sonderlösung für eine kleine Gruppe von Menschen mit Handicap realisiert. Barrierefreiheit gilt immer für alle Besucher, also auch für Familien mit Kinderwägen und für Menschen mit verschiedenen Formen von Behinderungen.“

Zahlreiche konkrete Maßnahmen hat die Arbeitsgruppe des Nationalparks bereits zusammen gestellt. So wird ein spezielles Farb-Leitsystem die Besucher durch die Ausstellungsbereiche führen. Die ersten drei Lebensräume der Ausstellung (Wasser, Wald, Almwiesen) sind über ein rollstuhlgerechtes Rampensystem mit einer maximalen Steigung von sechs Prozent und 120 Zentimeter Gangbreite miteinander verbunden. Der vierte Ausstellungsbereich, die sogenannte „Bergvitrine“, ist mit einem Aufzug erreichbar. Der neu entwickelte Audioguide wird mit den gängigsten Hörgeräte-Modellen kompatibel sein, in mehrere Sprachen übersetzt und auch für Sehbehinderte geeignet sein. Darüber hinaus sollen für Hörgeschädigte an den Medienstationen mehrsprachige Untertitel eingeblendet werden.

Projektleiter Uli Brendel betont, dass die heimische Bevölkerung, die unterschiedlichen Zielgruppen sowie Kooperationspartner aktiv in den Planungsprozess eingebunden werden. Damit kommt die Nationalparkverwaltung auch dem Versprechen von Politik und Verwaltung nach, das Großprojekt „Haus der Berge“ in enger Zusammenarbeit mit der regionalen Bevölkerung zu realisieren.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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