Ausstellung von Krippen-Unikaten in Unterstein

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Eine traditionelle Krippe mit grobgeschnitzten Figuren im Stile der Berchtesgadener Handwerkskunst. Der Individualität seien keine Grenzen gesetzt, weiß Willi Meilinger.

Schönau am Königssee – Oben, im Sitzungssaal des Gemeinderates, standen die Schmuckstücke, 22 an der Zahl. Alle stammten aus privater Hand, größtenteils von Schönauer Bürgern.

„Einmal Krippenbauer, immer Krippenbauer“, sagt Willi Meilinger, der mitverantwortlich zeichnet für jene zwei Tage andauernde Ausstellung, die parallel zum Untersteiner Adventsmarkt läuft. Zum dritten Mal fand die Schau statt und lockte jedes Mal aufs Neue zahlreiche Besucher, die sich einen Eindruck darüber verschaffen möchten, welch vielfältige Architektur möglich erscheint. „Beim Krippenbau sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Meilinger, „jede Krippe ist individuell“ - ein Kunstwerk für sich.

Ein Berchtesgadener Feldkasten als Herberge: Kleine Veränderungen gibt es jedes Jahr.

Vor Jahren sei die Idee geboren, eine Krippenausstellung zu machen, sagt Willi Meilinger, selbst Krippenbauer, zwei Exemplare hatte er mitgebracht. In Oval-Anordnung standen die Machwerke im Gemeinde-Sitzungssaal, unterschiedlicher könnten sie nicht sein. „Jede Krippe ist ein Unikat“. Und in der Tat: Ein kurzer Blick reicht aus, um festzustellen, dass Krippe nicht gleich Krippe ist. Alle Objekte haben gemein, dass sie selbst gebastelt sind, gebaut, teils über Jahre, viel Herzblut ist in die Projekte geflossen, von Jahr zu Jahr wurden sie erweitert, abgeändert, hier ein bisschen Moos zur Zierde, dort ein kleiner Unterstand für den Hirten, ein weiteres Lamm, der Stern von Bethlehem. Die Krippe ist also selbstgebastelt – und die Figuren? „Zum Teil“, sagt Meilinger, nicht alle Figuren seien aus eigenen Handwerkskünsten entstanden, viele dazugekauft worden. Franz Walch, bereits in Rente, ist einer, der seine Krippenfiguren selbst herstellt (siehe eigene Berichterstattung). Aus persönlicher Leidenschaft heraus betreibt er die Grobschnitzerei, im Auftrag arbeitet er für die Berchtesgadener Handwerkskunst. Auch Willi Meilinger fertigt seine Figuren eigenständig, „jedes Jahr kommt eine Figur neu hinzu“, sagt er. Eine Krippe lebt, Stillstand gibt es nicht.

Bei einem Rundgang öffnet Meilinger des Betrachters Auge – eine Horizonterweiterung der etwas anderen Art. Man muss nur hinschauen, um mehr zu sehen: Eine Spanschachtel dient als Krippenkörper, in dieser ist eine Kulisse aufgebaut. Es ist eine sehr kleine Krippe, ein Einzelstück. Gleich daneben eine weitere Spanschachtel, innen drin erkennt man getöpferte Figuren, Maria und Josef, das Jesus-Kind. „Hier haben wir ein besonders altes Stück“, sagt Meilinger, eine Laubsägearbeit, etwas, „das man um nichts in der Welt wegschmeißen würde“, betont er. Nicht nur eine Krippe, die den größten handwerklichen Aufwand erfahren habe, sei das Besondere, sondern eben auch jene schlichten, der Einfachheit zugewandten Arbeiten riefen Freude im Hobby-Künstler hervor. „Jedes Machwerk ist wertvoll“, sagt der Leiter der Volkshochschule Berchtesgaden. Bernhard Lochner, ein weiterer Initiator der Ausstellung, ist auch mit einem Eigenbau vertreten, eine Wurzelkrippe, deren Form einmalig passend erscheint. „Man gibt das Geschehen in die Natur rein“, sagt Meilinger. Die Ausgestaltung der Wurzel erfolgte dann nach eigener Vorstellung. „Ich habe viel Moos verwendet“, sagt Lochner, die Figuren wurden hinzugekauft.

Zeichnen für die Krippen-Ausstellung verantwortlich (v. l.): Wolfgang Grassl, Richard Lenz und Bernhard Lochner. Auf dem Bild fehlt Willi Meilinger.

Dass die Krippenarbeit oft ins kleinste Detail gehen kann, wird während des Rundgangs offensichtlich: Liebevoll zusammengeleimte Holzstöße, geschindelte Dächer, teilweise mit Stroh belegt, ein Gebäude gar weist eine Nussschalen-Überdachung auf. Ein Berchtesgadener Feldkasten dient als Herberge, in eine Krippen-Außenwand wurden Steine in den Putz gedrückt. Ganz dem Bau verpflichtet, hat ein jeder der Hobby-Werksmeister einzigartige Arbeit geleistet, Liebe zum Detail bewiesen. Meilingers Krippe wurde eine Kulisse spendiert, gefertigt aus Leintuch, in Leim getränkt, später zum Berg modelliert, dann mit Dispersionsfarbe bemalt. Perspektivisch geschnitzt und in das Gesamtbild integriert wurde die Kapelle am Weinfeld, viele Details sind weniger traditionell, vielmehr mit deutlichem Lokal-Kolorit versehen. So spielt, unweit der Krippe, die Musikkapelle, von rechts erscheint Anton Adner mit seiner Kraxn, ein paar Schritte weiter die Heiligen Drei Könige mit einer Gruppe von Kamelen - in einer anderen Ausführung wartet der Eingang zum Bergwerksstollen. „Der Individualität sind keine Grenzen gesetzt“, weiß Meilinger. Das Einzige, was es mitzubringen gelte, sei die Begeisterung für den Krippenbau. „Viele hier sind Krippen-Narren“. Jedes Jahr aufs Neue freue man sich auf die Weihnachtszeit, auf den Aufbau, die Ausgestaltung, mögliche Veränderungen, die man sich mal wieder in den Kopf gesetzt hat. Für gewöhnlich mache man das nur für sich, seine Familie, in den eigenen vier Wänden. An diesem Wochenende darf ein jeder einen Blick auf die selbstgebauten Kunstwerke werfen.

Kilian Pfeiffer

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