Altenheime vor Bewährungsprobe

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Das Altenheim "Bürgerheim"

Berchtesgaden - Hohe Investitionen kommen in naher Zukunft auf die Bruderhausstiftung Berchtesgaden zu. Die Bedenken sind groß, da die finanzielle Situation dramatisch ist.

Über den Haushaltsplan der Bruderhausstiftung Berchtesgaden für das Jahr 2011 hatte kürzlich der Gemeinderat in Berchtesgaden zu entscheiden. Aufgabe der Bruderhausstiftung ist die Altersfürsorge durch den Betrieb und die Unterhaltung des Altenheims „Bürgerheim“ und des Altenwohnheims „Martin-Beer-Haus“. Trotz großer allgemeiner Bedenken – „die Situation ist finanziell dramatisch“, so Dr. Bartl Wimmer (Die Grünen) - winkten die Mitglieder des Gremiums die Haushaltssatzung einstimmig durch. Laut Grobkostenschätzung betragen die Sanierungskosten für das Altenwohnheim, die in naher Zukunft notwendig sein werden, 3,7 Millionen Euro.

Der von Marktkämmerer Richard Beer vorgestellte Haushaltsplan für das Jahr 2011, zeige, dass alleine die Personalkosten schon jetzt die Einnahmen überschreiten werden. Grünen- Mitglied Wimmer erkannte darin ein deutliches „Alarmsignal“. Der voraussichtliche Schuldenstand zum Ende des Jahres beträgt für Altenheim und Altenwohnheim 1,03 Millionen Euro.

Ein großes Problem: Das Bürgerheim ist mit seinen 37 Heimplätzen laut Haushaltsplan „nicht voll belegt.“ Neue Pflegesatzverhandlungen werden in den kommenden Monaten geführt, eine Erhöhung der Heimgebühren im „Bürgerheim“ ist für Oktober 2011 respektive Januar 2012 anberaumt. Man müsse endlich zur Erkenntnis kommen, zu handeln, forderte Wimmer. Da schon zum jetzigen Zeitpunkt die Heimgebühren auf einem abfallenden Ast sind, müsse zunächst die Attraktivität des Heimes durch Investitionsmaßnahmen gesteigert werden. Lagen die Heimgebühren im Jahr 2009 noch bei 1,068 Millionen Euro, liegt der Einnahmeansatz nunmehr bei 942.000 Euro. 26 Arbeitnehmer verursachen im laufenden Jahr Personalkosten in Höhe von 983.000 Euro. Das Altenwohnheim „Martin-Beer- Haus“ erwirtschaftet voraussichtlich einen Überschuss von 46.300 Euro. Derzeit sind von insgesamt 52 zur Verfügung stehenden Appartements sieben Wohnungen nicht vermietet. Verschiedene Posten sind im Jahr 2011 für Bürgerheim und „Martin-Beer-Haus“ vorgesehen. 25.000 Euro veranschlagt die Bruderhausstiftung für die Anschaffung von Rollstuhlwagen, Badelifte, Pflegebetten und Kleiderschränke. Weil das Bürgerheim ab Oktober an das Fernwärmenetz angeschlossen wird, sind für Umbau- und Anschlusskosten weitere 26.500 Euro notwendig. Den größten Posten stellt der neue Personen- und Krankenaufzug dar. 700.000 Euro kostet dieser. Ein Gros der Kosten (670.000 Euro) ist für das Jahr 2012 geplant. 50.000 Euro kostet der Anschluss des Altenwohnheims „Martin-Beer-Haus“ an das Fernwärmenetz.

Unausweichlich sei hier eine Sanierungsmaßnahme, die mit 3,7 Millionen Euro veranschlagt wird. Allerdings seien gemäß Hauptausschussbeschluss zunächst Möglichkeiten für Zuwendungen und zinsverbilligte Darlehen zu prüfen, bevor eine Entscheidung bezüglich einer konkreten Baumaßnahme erfolgt. Gemeinderat Hans-Jürgen Kortenacker (Berchtesgadener Bürgergruppe) stellte zur aktuellen Einnahmesituation fest, dass „das so nicht mehr lange gutgehen kann.“ Es könne doch nicht sein, dass 100 Prozent der Einnahmen direkt in Personalausgaben flössen, so Kortenacker. Auch Bürgermeister Franz Rasp pflichtete ihm bei: „Es muss unser Anspruch sein, dass sich hier was ändert. So geht es nicht weiter.“ Auf einem langen Weg sieht Dr. Bartl Wimmer den Markt Berchtesgaden. Änderte man nichts, könne man die Uhr danach stellen, bis die Bruderhausstiftung Berchtesgaden handlungsunfähig sei. Investitionen, um eine Vollbelegung zu erreichen, forderte Gemeinderat Michael Koller (Parteilose Gruppe). Die Einnahmen steigern könne man auch, indem man zusätzliche Heimplätze schaffe, sagte Bartl Mittner (SPD). Ob dies möglich sei, gelte es zu prüfen.

kp

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