Almbauern: „Größte Bedenken in Sachen Wolf“

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Viele Almbauern und Sennerinnen waren gekommen, um sich die Problematik in Sachen Wolf genau anzuhören.

Berchtesgaden – Im Berchtesgadener Bräustüberl kamen die Almbauern der Region zusammen, um über das Thema Wolf zu reden.  Viele Aspekte wurden bei dem Treffen angesprochen.

Dr. Roland Baier vom Nationalpark und Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger – eine gute Zusammenarbeit wird angestrebt.

„Richtig zu schaffen macht uns das Thema Wolf“, so Kaspar Stanggassinger, Bezirksalmbauer der Bezirksalmbauernschaft Berchtesgaden, während der Almbauern- und Sennerinnenversammlung, die kürzlich im Bräustüberl stattfand. Der Wolf war dann auch den Nachmittag über das bestimmende Thema. Rudolf Schaupp, stellvertretende Landrat, sieht vergangene Brennpunkt-Themen der Almbauern größtenteils aus der Welt geschafft, „die Vergangenheit ist aufgearbeitet“, die Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Berchtesgaden sei „auf den Weg gebracht“. Ein Dank gelte allen Beteiligten.

Bezirksalmbauer Stanggassinger ist mit dem Finanz-Ergebnis zufrieden, weist es doch ein deutliches Plus auf, im Vergleich zum Vorjahr. Mit Einnahmen von 2109,62 Euro und Ausgaben von 732,87 Euro fuhr man insgesamt einen Überschuss ein. „Der Kassenstand beläuft sich nun auf 7628,34 Euro“, sagte Stanggassinger, der mit dem „guten Ergebnis“ positiv in die Zukunft blickt. Seinen Dank sprach er allen Spendern aus, die sich den Almbauern und den Sennerinnen gegenüber gönnerhaft gezeigt hatten.

Der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp forderte das Jagdrecht für den Wolf.

Der stellvertretende Landrat Rudi Schaupp machte sich den Wolf zum Thema. „Furchtbare Erfahrungen“ habe man mit dem Wildtier in der Vergangenheit gemacht, noch nicht im Berchtesgadener Land, aber etwa in Aschau – dort wurde er bereits per DNA-Verfahren nachgewiesen. „Wir haben größte Bedenken, wenn der Wolf zurückkommt“, sagte Schaupp. Ein solches Szenario sei nicht unwahrscheinlich, daher müsse man bereits im Vorfeld den Rahmen schaffen.

Unerträglich sei die Tatsache vor allem für die Almbauern, die zusehen müssten, wenn der Wolf deren Tiere reiße. „Da nützt es uns auch nichts, wenn der Minister anbietet, die Ausgleichszahlungen zu verdoppeln, und dann beleidigt ist, wenn die Almbauern nicht gleich zum Jubeln beginnen.“ Endlich müsse eine sinnvolle Linie gefunden werden, die gangbar ist. Das Thema Wolf werde anderenfalls ein Dauer-Brennpunktthema werden. In Sachsen beherrsche das Tier bereits die Schlagzeilen, die „Zustände sind schlimm“. Schaupp forderte, den streng geschützten Wolf in das Jagdrecht zu stellen. In Schweden, so Schaupp, sei der Wolf auch zum Abschuss freigegeben.

Dr. Fritz Gruber vom Veterinäramt Bad Reichenhall beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der BVD/MD, einer Viruserkrankung beim Rind.

Der Schaden, den das Raubtier anrichten könnte, wäre immens, nicht nur ein Schaden für die Alm, sondern auch für den Tourismus, so Schaupp. Er appellierte an die versammelten Almbauern, „gemeinsam zu kämpfen“. Ein Antrag auf Herdenschutz gegen Wolfsattacken an das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg ist bereits aufgesetzt worden. Dr. Fritz Gruber vom Veterinäramt Bad Reichenhall beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der BVD/MD (Bovine Virusdiarrhö – Mucosal disease), einer auf der ganzen Welt vorkommenden Viruserkrankung, die auch in Deutschland verbreitet ist. „Hauptwirt des BVD-Virus ist das Rind, daneben können auch alle anderen Paarhufer, besonders Schafe und Wildwiederkäuer, infiziert werden.“

Sie sei „derzeit eine der am weitesten verbreiteten und verlustreichsten Infektionskrankheiten des Rindes, die heftige, bei Jungtieren zum Teil tödliche Durchfallerkrankungen nach sich ziehe, verbunden mit einer deutlichen Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte. Zu Problemen führe es, wenn sich die Kuh erstmals während der Trächtigkeit mit dem Virus infiziert. „Das Kalb kann zum Dauerausscheider werden. Ist eine Kuh ein Dauerausscheider so werden auch ihre Kälber automatisch zu Dauerausscheidern“, sagte Gruber. Er appellierte an die Anwesenden, sich mit der Ohrstanzmethode oder einer Blutentnahme zu versichern. „Wenn ein Tier infiziert ist, muss es getötet werden“, so die auf wenig Zustimmung stoßende Aussage.

Ein negatives Ergebnis sei hingegen „lebenslang gültig“, sagte Gruber. Bezirksalmbauer Stanggassinger kam zum Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung nochmals auf den Wolf zu sprechen. „Es gibt Leute, die sich über uns wegen des Wolfes lächerlich machen“, sagte er, zunehmend aufgebracht – „und die Leute, die geistig nicht so ganz auf der Höhe sind, schließen sich an“. Nicht gefallen lassen werden sich das die Almbauern. „Wenn Leute meinen, den Wolf erhalten zu müssen und das auf unsere Kosten geht, werden sie schon sehen, was los ist“. Was hier passiere, stinke zum Himmel, ein „Trauerspiel“ sei das. Eines, das so schnell als möglich zu einem Ende gebracht werden müsse.

kp

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