Auf da Alm...

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"Einer Sennerin darf man nichts abschlagen", lacht Lisa und schenkt Schnaps aus.

Ramsau - Bei mäßigem Wetter hat Pater Anton Dimpflmaier am Dienstag seinen 'normalen' Arbeitsplatz gegen einen in der freien Natur getauscht, wie Sennerin Lisa...

"Ich bin jetzt den vierten Sommer auf der Anthauptenalm", erzählt die 29-jährige im BGLand24-Interview. Davor war ihre Schwester die Sennerin, hat Lisa auf den Geschmack und ihr viel beigebracht. Ein besonderer Höhepunkt des Almsommers ist für die Sennerin, ihre Tochter Daniela und viele andere die Almmesse. Einmal im Jahr macht sich ein Pfarrer die Mühe, zu Fuss oder mit dem Fahrrad, den knapp zweistündigen Weg zur Alm zurückzulegen, um dort mit Gläubigen eine Messe zu feiern. Bereits das zweite Mal übernahm das am Dienstag Pater Anton Dimpflmaier und freut sich darüber: "Das ist eigentlich keine Arbeit."

Kein Wunder, rund 50 Besucher haben sich um den kleinen blauen Pavillion versammelt, der den Pater und den Altar vor dem Regen schützen soll, der immer mal wieder in die idyllische Ruhe auf der Anthauptenalm platzt. Doch Gott hatte wohl ein Einsehen und pünktlich zum Vater unser zeigte sich die Sonne auf dem Plateau, wenn auch nur kurz.

Der Stimmung unter den Alm-Gästen tat das trotzdem keinen Abbruch. Sie genossen Lisas Gastfreundschaft in vollen Zügen, ließen sich Würstl, Kuchen und Almkäse schmecken und erlebten die Ruhe. "Nach einem Almsommer weißt du wieder, was du nicht brauchst", lächelt Lisa. Handyempfang gibt es auf der Anthauptenalm nicht. Bis ins Tal ist die Betriebshelferin fast zwei Stunden unterwegs. Sie genießt diese Abgeschiedenheit, in der sie aber nicht alleine ist.

Almmesse auf der Anthauptenalm

Nur ein paar Meter hinter 'ihrer' Alm steht noch eine. Dort ist seit 16 Jahren Senn Anderl 'zuhause'. "Er hat als Holzknecht hier seine Frau kennengelernt", erzählt Lisa. "Eigentlich wollten die beiden in ihrer Rente gemeinsam auf die Alm." Doch Anderls Frau ist viel zu früh gestorben. Also verbringt der 80-Jährige seine Sommer allein auf der Alm und unterstützt Nachbarin Lisa wo er kann. "Wir frühstücken miteinander und treffen uns auch täglich zum Abendessen", lacht die 29-Jährige. "Manchmal sehen wir uns auch zum Mittagessen und zum Kaffee." Dabei besuchen sie sich gegenseitig und wenn mal ein Kalb oder eine Kuh nicht nach Hause kommt, gehen sie gemeinsam auf die Suche.

Neben ihrer Arbeit auf der Alm, ist es aber auch ihre Aufgabe Gäste zu bewirten. "Als Sennerin bist du auch Seelsorgerin", weiß Lisa. "Die Leute erzählen dir wirklich alles." Sie hört nicht nur geduldig zu, mit einem Schnapserl gibt es auch einen kleinen Seelenbalsam. "Und einer Sennerin darf man nichts abschlagen", betont die 29-Jährige lachend. Sie freut sich jetzt vor allem auf ihr Almkalb, das bald auf die Welt kommen wird, und auf das Kranzen. "Am 15. August darf ich mit den Vorbereitungen anfangen, wenn bis dahin kein Unglück geschieht." Denn nur, wenn der Almsommer unfallfrei verläuft, werden die Kühe beim Almabtrieb mit Fuikeln geschmückt.

Noch dürfen die 19 Kühe und Kälber aber ihren Sommer auf der Anthauptenalm genießen, genau wie Sennerin Lisa. Pater Anton Dimpflmaier und die Almmessbesucher dagegen traten wieder den Heimweg an. Werden aber sicher wiederkommen.

cz

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