7000 km quer durch Australien - zu Fuß!

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Abgetragenes Schuhwerk, das den gewaltigen 7000-Kilometer-Fußmarsch nicht überlebte. Die Besucher konnten sich davon auf der BERGinale einen Eindruck verschaffen.

Berchtesgaen - Denis und Tanja Katzer reisten vier Jahre lang  - 7000 Kilometer Fußmarsch - durch Australiens Outback. Sieben Kamele dienten dabei als Lastenesel.

Vier Jahre australischer Outback, 7000 Kilometer Wegstrecke, der größte Teil zu Fuß. Ein Abenteuer besonders gewaltigen Ausmaßes, das Denis und Tanja Katzer mit bis zu sieben Kamelen als Gepäckträger auf sich nahmen. Über ihre Erfahrungen berichteten die beiden Abenteurer während der BERGinale im Kurkino in Berchtesgaden.

Da sitzen sie nun, am künstlichen Lagerfeuer, Denis und Tanja, und beratschlagen, ob das, was sie da vorhaben, Sinn ergibt. Ob die Absicht, 7000 Kilometer zu Fuß durch Australien zu wandern, nicht doch zu gewagt erscheint. Ob es die Mühe wert ist, lebensbedrohliche Situationen einzugehen, inklusive Zyklone, Willy-Willies genannt, sintflutartige Regenfälle, Trinkwasserknappheit im Wüstengebiet. Das Abenteuer wagten die beiden Nürnberger schließlich doch, und machten sich auf eine mühsame, Tag für Tag dokumentierte Reise in den australischen Outback, vier Jahre lang. „Wir wollen die längste jemals dokumentierte Expedition der Menschheitsgeschichte machen“, sagt Denis Katzer.

Tanja und Denis Katzer – die Nürnberger Extrem-Abenteurer: „Wir wollen die längste jemals dokumentierte Expedition der Menschheitsgeschichte machen.“

30 Jahre lang werden die beiden insgesamt in der Weltgeschichte unterwegs sein, 20 Jahre haben sie bereits geschafft, zahlreiche Bücher auf den Markt gebracht, sie betreiben ein Unternehmen, viele Sponsoren scharen sich um die beiden Abenteurer, die im Kongresshaus von ihren Erlebnissen erzählten. Erfolgreich sei Denis Katzer im Beruf gewesen, er habe viel Geld verdient und dennoch – das Glück mochte sich nicht so recht einstellen, denn eigentlich pochte sein Herz für das große Abenteuer, für fremde Kulturen. Allein die Vorbereitungszeit für die Australiendurchquerung, beginnend im Westen des Kontinents, fraß ein Jahr Zeit. „Wir mussten unsere Kamele trainieren“, die im Vorfeld gekauft worden waren. „Ohne unsere Tiere hätten wir das Abenteuer niemals geschafft“, sagt Katzer rückblickend. Nicht als Reittiere sollten die Kamele, anfangs fünf Stück an der Zahl, genutzt werden, sondern als Lasttiere.

„Der Einkauf vor Beginn der Reise war unglaublich“. Sieben Meter maß der Einkaufszettel, 17 Einkaufswägen voller Waren, gepackt auf das Kamel-Quintett. „Anfangs dauerte allein das Beladen der Tiere einen ganzen Tag“, erzählt Katzer. Später, nach langem Training, nur noch zwei Stunden. Dort, wo man Australien durchqueren wollte, „gibt es einfach nichts“. Es galt, sich gut einzudecken, für Monate, auch ein Satellitentelefon gehörte zur Ausrüstung. Für den Fall der Fälle – und um sich zu zuvor festgelegten Zeitpunkten beim „Backup-Team“ rückzumelden. Das Training der Kamele unter professioneller Anleitung klappte zu Beginn kaum, später immer besser.

Eines Tages sollte es dann endlich losgehen, die große Expedition, der Startschuss für 7000 Kilometer mit einer Kamel-Karawane im Schlepptau. „Allein auf den ersten 400 Kilometern mussten wir 50 Zäune umlegen“, sagt Denis Katzer, der jene riesigen Gebiete, im Besitz von wenigen Großgrundflächenbesitzern, vielfach durchquert hatte. Ein „mühsames Geschäft“ – das ständige Beladen der Tiere, weite Strecken auf heißem Bodem, bei extremer Hitze, bei Wind und Wetter, dramatischem Regen, Videos zeugen von jenen Naturschauspielen, mit denen Tanja und Denis Katzer im Laufe der Jahre, während ihrer Reise, konfrontiert waren. Viele kleine Anekdoten, aber auch traurige Erzählungen innerhalb des Drei-Stunden-Vortrags zeugen vom Durchhaltevermögen der beiden Nürnberger. Angriffe wilder Kamele, „in Australien gibt es etwa eine Million davon“, furchteinflößende Buschfeuer, die schlimmste Dürreperiode seit Jahrzehnten und der Tod zweier ihrer Lastentiere.

Mit dabei in Australien – Hund Rufus, der sukzessive zum „Hüter der Kamele“ wurde, sich auf deren Rücken über die staubigen Sandpisten des Outbacks transportieren ließ. An den Füßen hatte er Mokassins, einen Sonnenhut, „auch Hunde können auf der Nase Sonnenbrand bekommen“, sagt Denis Katzer. Die Sonne in Australien: grausam, nur mit einhundert prozentigem Sonnenschutz zu ertragen. Für die Katzers war der Ausflug auf den fernen Kontinent, einmal um die halbe Welt, dennoch „die pure Freiheit“, die Erfüllung eines lang gehegten Traums.

kp

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