700.000 Euro für die Sanierung des Wimbachschlosses

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Rund 50 Interessierte wanderten unter der Leitung von Dr. Roland Baier vom Nationalpark Berchtesgaden sowie Christoph Maier vom Staatlichen Bauamt Traunstein (3.v.r.) zum Wimbachschloss.

Ramsau - Die Berggaststätte „Wimbachschloss“ im Nationalpark Berchtesgaden bleibt im Jahr 2011 aufgrund dringend erforderlicher Sanierungsarbeiten geschlossen.

Im Rahmen einer Exkursion zur Baustelle präsentierten der Nationalparks Berchtesgaden als Eigentümer der Gaststätte sowie das Staatliche Bauamt Traunstein als bauausführende Behörde die Sanierungspläne und informierten über die Baugeschichte des Wimbachschlosses.

Rund 50 Interessierte waren der Einladung von Nationalpark und Bauamt zu einer Besichtigung des Wimbachschlosses gefolgt. Nach einer rund 60-minütigen Wanderung durch das Wimbachtal informierte der Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger vor Ort über die Geschichte des Wimbachschlosses, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht.

Das Wimbachschloss als ehemaliges, fürstpröpstliches Jagdhaus entstammt im Kellergeschoss einem Kaser. Dies belegen die Steingewände der Fenster der Ost- und Südfassade sowie der Eingangstür im Kellergeschoss. Unter Fürstpropst Konrad von Schroffenberg wurden 1784 die beiden oberen Geschosse in Holzständerbauweise neu errichtet. Nach der Säkularisation von 1803 gelangte das Jagdschloss zusammen mit der Fürstpropstei Berchtesgaden zunächst an das Kurfürstentum, ab 1806 an das Herzogtum Salzburg und 1810 schließlich an das Königreich Bayern. Unter König Maximilian II wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Krüppelwalmdach zu dem bis heute bestehenden Satteldach umgebaut. Prinzregent Luitpold ordnete um 1900 einen Anbau an der Westseite in Form einer offenen Veranda an. In den 1930er und 1940er Jahren wurden das Dachgeschoss sowie das Treppenhaus vollständig neu verputzt, im mittleren 20. Jahrhundert erfolgte der Einbau der bestehenden Treppe vom Kellergeschoss zum Erdgeschoss. 1963 erfolgte die Neueindeckung des Daches mit Kupferblech.

„Das Wimbachschloss blickt auf eine lange jagdgeschichtliche Vergangenheit zurück“, erklärte Heimatpfleger Johannes Schöbinger. „Um 1715 befand sich in unmittelbarer Nähe ein so genannter Thiergarten, in dem kapitales Reh- und Rotwild zum Abschuss für die Jagdgäste bereit gehalten wurde.“ Heute gehört die Jagdgeschichte des Wimbachschlosses der Vergangenheit an, das Gebäude wird als Ausflugsgaststätte für die Besucher des Nationalparks Berchtesgaden genutzt. „Dies wird auch nach dem Umbau so bleiben“, betont Dr. Roland Baier. „Das Wimbachschloss wird im nächsten Jahr wieder als Berggaststätte verpachtet, eine jagdliche Nutzung wird es nicht geben“.

Bei einem Lokalaugenschein im Inneren des Gebäudes unter der Leitung von Christoph Maier, Staatliches Bauamt Traunstein, wurden die baulichen und statischen Mängel deutlich. Nach der Sanierung werden nicht nur diese Mängel beseitigt sein, sondern es wird auch für das künftige Personal des Wimbachschlosses deutliche Verbesserungen geben. Bislang mussten alle Speisen, die in der Küche zubereitet wurden, vom Keller in die Gasträume im Erdgeschoss hinauf getragen werden. „Künftig werden die Wirtschaftsräume ausgelagert und in einem neuen Anbau an der Nordseite des Hauses untergebracht“, erläuterte Maier. Für die Beschäftigten der Berggaststätte wird es künftig einen Sozialbereich mit Dusche und WC sowie Umkleideräume geben. Generell sollen die Eingriffe im historischen Jagdhaus weitgehend minimieren werden. Die Fassaden werden durch Rekonstruktion der entfernten Holzteile der Veranda vom Ende des 19. Jahrhunderts aufgewertet.

„Im Inneren des Gebäudes soll der Ist-Zustand weitgehend bewahrt werden. Nur störende, moderne Einbauten wie Nut- und Federdecken, Teppichböden oder Wandfliesen werden entfernt“, erklärt der Experte. Im Keller- und Erdgeschoss wird eine Grundtemperierung durch Heizleitungen von geringem Querschnitt sicher gestellt. Historische Bauteile sollen im bestehenden Zustand konserviert und retuschiert werden.

Wenige Änderungen wird es in den Räumen im ersten Stock sowie beim Dach geben. „Das Kupferdach ist dicht, hier sind keine Maßnahmen geplant“, erläutert Christoph Maier. Die Räume im ersten Stock des Gebäudes werden auch in Zukunft aus Gründen des Brandschutzes wenig genutzt und bleiben von der Sanierung größtenteils ausgenommen. Bei der Wasseraufbereitung sowie bei der Stromversorgung sind ebenfalls keine Maßnahmen erforderlich. Die Kläranlage wurde 2008 neu errichtet, das neue Blockheizkraftwerk zur Energiegewinnung wurde 2009 in Betrieb genommen.

„Bei sämtlichen Sanierungsarbeiten haben wir die strengen Auflagen des Denkmalschutzes zu beachten“, sichert der Mitarbeiter des Bauamtes zu. Für Freunde der Heimatgeschichte hielt der stellvertretende Nationalpark-Leiter Dr. Baier eine kleine Überraschung bereit: „Wir überlegen, das ehemalige Schlafgemach des Prinzregenten als kleines Museum für die Bau- und Nutzungsgeschichte des Wimbachschlosses zu nutzen. Angemeldeten Besuchern können wir damit die Möglichkeit geben, an Original-Schauplätzen im Nationalpark Berchtesgaden Heimatgeschichte zu erleben.“

Die Kosten für die Sanierung des Wimbachschlosses belaufen sich auf rund 700.000 Euro, die das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit zur Verfügung stellt. Christoph Maier rechnet damit, dass 95 Prozent der Baumaßnahmen Ende des Jahres abgeschlossen sein werden. „Restarbeiten finden dann im Frühjahr 2012 statt, der Betrieb der Gaststätte wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt“, verspricht der Experte.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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