Weiterbildung zur Schmerztherapie

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Gab wertvolle Tipps zum Umgang mit Schmerzen: Dr. med. Irmgard Singh (Mitte) mit Mario Rettenberger (l.) und Günther Viertel (r.) vom Landratsamt.

Bad Reichenhall - Unter dem Motto „Schmerz betrifft den ganzen Menschen“ informierte Irmgard Singh vom Tageshospiz in Salzburg Pflegefachkräfte kreisansässiger Senioren- und Behinderteneinrichtungen über die Grundlagen der Schmerztherapie.

Singh sprach auf Einladung der Fachstelle Pflege- und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Berchtesgadener Land.

Wie wichtig das Thema ist, belegt eine aktuelle Studie der Charité Berlin. 50 bis 70% aller pflegebedürftigen Menschen leiden an chronischen Schmerzen. Die Studie kommt zu dem erschreckenden Ergebnis, dass 75% aller pflegebedürftigen Menschen über 65 Jahre in ihrer Schmerztherapie unter- oder fehlversorgt sind. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und erschließen sich manchmal erst auf den zweiten Blick. Wie Singh aus ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit zu berichten wusste, machen Patienten ihren Ärzten gegenüber sogar manchmal falsche Angaben, wenn sie nach Schmerzen gefragt werden. Das kann einerseits aus falsch verstandener Tapferkeit geschehen. Andererseits sind manchen Menschen ihre chronischen Schmerzen gar nicht mehr bewusst, weil sie schon seit so langer Zeit Teil ihres täglichen Lebens sind. Das Bewusstsein für den Schmerz, oder vielmehr Schmerzfreiheit kommt für diese Patienten erst mit einer beginnenden Schmerztherapie zurück.

Bevor sich Singh eingehend mit den Vor- und Nachteilen bestimmter Medikamente beschäftigte, erklärte sie einige Grundregeln der Schmerztherapie und räumte dabei mit gängigen Vorurteilen auf. Viele Menschen versuchen den Schmerz auszuhalten, bis es nicht mehr geht und greifen erst dann zu Schmerzmitteln. Bei dieser Herangehensweise ist aber letztlich eine viel höhere Dosis an Schmerzmitteln nötig um Linderung zu erzielen, als wenn man bereits am Anfang der Beschwerden mit maß- und sinnvoller Schmerzmittelgabe beginnt. Wichtig ist auch das Prinzip der Antizipation. Das bedeutet, dass die nächste Medikamentengabe erfolgen muss, bevor der schmerzstillende Effekt der vorausgegangenen Gabe aufgebraucht ist.

Auch einige Mythen über Schmerzmittel zeigen sich bei Lichte betrachtet als unhaltbar: Sogenannte „Betäubungsmittel“ betäuben den Patienten nicht, sondern machen bei richtiger Dosierung schmerzfrei, wach und klar. Opiate werden oft aus Angst abgelehnt, süchtig zu werden. Im Gegensatz zu suchtkranken Menschen wird bei der medizinischen Anwendung jedoch nicht der „Kick“, sondern ein gleichbleibender Medikamentenspiegel angestrebt, der eben nicht abhängig macht und auch über längere Zeit zu einer gesteigerten Lebensqualität beitragen kann. Voraussetzung für eine erfolgreiche Schmerztherapie ist ein gewisses Maß an Geduld und Durchhaltevermögen beim Arzt und beim Patienten. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf die zahlreichen Möglichkeiten der Behandlung. Daher bedarf es manchmal einiger Anläufe, bis man die individuell passende Medikation gefunden hat.

Eine Botschaft war Singh jedoch sehr wichtig: Man kann als Arzt oder Pflegekraft immer etwas für seine Patienten tun.

Pressemitteilung LRA BGL

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