Gebirgsjäger berichten über Afghanistan

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Laufen - Zahlreiche Zuhörer verfolgten Oberstleutnant Sembritzki aufmerksam, als dieser über den Bundeswehreinsatz der Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall in Afghanistan sprach.

„Ich sehe keine völkerrechtliche Diskussion, es ist ein vom Parlament und damit vom deutschen Bürger legitimierter Einsatz in Afghanistan“, stellte der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall, Herr Oberstleutnant Jared Sembritzki auf einer CSU Veranstaltung in Laufen fest.

Auf Einladung des CSU Ortsverbandes Laufen-Leobendorf und dessen Ortsvorsitzenden Christian Schmidbauer sprach Oberstleutnant Sembritzki über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, im Speziellen über die Arbeit der Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall. Im mehr als gut gefüllten Chorraum des Kapuzinerhofes in Laufen lauschten zahlreiche interessierte Zuhörer dem Oberstleutnant, unter ihnen auch Bürgermeister Hans Feil und Landratsstellvertreter Lutz Feiler. Auch der Kommandeur des Fernmeldebataillons 210, Oberstleutnant Endler gab sich in der Patengemeinde Laufen die Ehre und stand seinem Kameraden beim Vortrag technisch zur Seite.

Ortsvorsitzender Christian Schmidbauer machte eingangs ein wenig auf die Karriere des Kommandeurs aufmerksam. Der gebürtige verheiratete West-Berliner kommandiert seit 23. Oktober 2009 das Gebirgsjägerbataillions 231, welches in Bad Reichenhall stationiert ist. Mit einem Zitat aus dem August 2010 des Oberstleutnants, damals in Baghlan-el-Jadid, am Rande des Besuchs des damaligen Verteidigungsministers zu Guttenberg, übergab der Laufener CSU-Chef das Wort an den Referenten: „Über den harten Einsatz der Bundeswehr in dieser Region, an der Gabelung der beiden wichtigen Verbindungsstraßen Highway 1 und Highway 7, werde in den deutschen Medien gar nicht berichtet.“ Dies solle sich an diesem Abend in Laufen ändern, versprach Schmidbauer den Besuchern.

Oberstleutnant Sembritzki stieg sogleich in seinen vorbereiteten aufschlussreichen Power-Point-Vortrag ein. Sembritzki stellte klar, dass es sich in Afghanistan um kein Spiel handle und man in allem mit westlichen Standards an die Sache gehen kann. „Wir operieren im gefährlichsten Gebiet von Afghanistan, weitab von befestigten Feldlagern unter harten klimatischen Bedingungen bis zu 50 Grad Celsius.“ Wie der sogenannte Feind aussehe, sei meist nicht klar. Denn dieser Einsatz unterscheide sich von klassischen Kriegsgebieten. Hier sei man meist inmitten der Bevölkerung, die genauso gekleidet sind wie die Aufständischen und die Taliban. Dies mache die Angelegenheit nicht einfacher.

Hier sei man an den Zusagen der Einheimischen gebunden und müsse weiter das Vertrauen in die Truppen setzen und das Vertrauen den Afghanen geben. „Ich muss für Sicherheit und Ruhe sorgen, dafür brauche in Verbündete im Land, “ so Sembritzki. Durch tägliche Briefings mit den afghanischen Sicherheitskräften und Regionsführern sei man auf den Aufbau von Professionalität aus, hier gebe es auch schon erhebliche Fortschritte. Die Planung von gemeinsamen Operationen gestalte sich zwar oft schwierig, doch durch regelmäßige Kommunikation kann man hier Abhilfe schaffen und die Operationen im Risiko minimieren.

„In einer guten Partnerschaft sind Vertrauen, Geduld und Reden, Reden, Reden wichtige Standbeine“, erläuterte der Kommandeur. Dies sei auch in Afghanistan der Fall. Zusätzlich kommen noch die Fähigkeiten der kurzfristigen Entscheidungsprozesse, kurzfristigen Änderungsbedarf und Abweichungsregularien von Plänen dazu, um sich im Land zurechtzufinden.

Jared Sembritzki machte anschließend den Besuchern klar, dass es sich nicht um einen Krieg handle, der geführt würde, sondern sprach lediglich von kriegsähnlichen Zuständen, die manchmal anzutreffen sind. Seine Quick-Reaction-Force hatte in zwei Monaten über ein Dutzend Gefechte, das längste dauerte geschlagene drei Tage und wurde unter erheblich schwierigen Bedingungen für seine Soldaten geführt. Jedoch sei die zur Verfügung gestellte Ausrüstung ausreichend und gut. „Die Soldaten kommen mit der Ausrüstung zurecht, das wird mir regelmäßig bestätigt und sie sind auch gut ausgebildet mit der Ausrüstung.“

Sembritzkis Mitverantwortungsgebiet war unter anderem der von ihm sogenannte „Highwaytriangle“, das Gebiet zwischen Highway 1 und Highway 7, welches aufgrund der versorgungstechnischen Schlüsselstelle immer sehr umkämpft war und ist. Hier ziehen sich die Straßen von Usbekistan bis Kabul. „Vergleichen Sie es mal mit einem Freitagnachmittag auf der A8 und stellen Sie sich vor ich muss an einem solchen Freitagnachmittag den Verkehr auf der Autobahn lahmlegen“, so skizzierte der Oberstleutnant die Schwierigkeiten, mit denen die Bundeswehr tagein tagaus umzugehen habe, auch um die Versorgung der Truppe sicherzustellen.

Die humanitäre Hilfe nimmt in seinem Einsatzgebiet einen eher geringeren Raum ein. Da er für die Sicherheit und Risikominimierung im Norden von Afghanistan mitverantwortlich war, war zivilhumanitäre Hilfe in diesem Bereich so gut wie gar nicht möglich. Posttraumatische Fälle hatte der Oberstleutnant auf Nachfrage so gut wie keine zu melden. Von ca. 400 Soldaten musste er ca. zehn Prozent vorzeitig nach Hause schicken, dies habe aber eher „konventionelle“ Ursachen. Armbruch, Beinbruch, Probleme in der Heimat mit Familie und Verwandten.

Lediglich zwei Soldaten mussten in eine stationäre psychische Behandlung. „Sie dürfen nicht vergessen, dass die Soldaten in den Einsatz mit allen Konsequenzen wollen. Es sind Freiwillige Zeit- und Berufssoldaten, die hier abkommandiert werden. Und wenn wir schießen müssen, um unser Leben zu schützen, dann schießen wir auch. Dafür sind alle Soldaten ausgebildet. Das ist unser Beruf!“ warb Sembritzki für Verständnis.

Einen wichtigen Bestandteil für die Soldaten und Angehörigen stellt in der Bundeswehr auch die Familienbetreuung dar. Er selbst lade vor jedem Einsatz alle Familien der Soldaten ein, um denen klar zu machen, was ihre Liebsten erwarte und dass sie dies beruflich und mit vollem Einsatz angehen. „Eine Betreuung der Familien muss natürlich immer stattfinden, denn nicht jeder Soldat redet in den eigenen vier Wänden frei raus, was passiert ist.“

Sembritzki stellte auf eine Frage in der Diskussion in Aussicht, dass wenn es bei den heutigen Planungen bleibe, sein Gebirgsjägerbataillon wieder im ersten Halbjahr 2013 nach Afghanistan abkommandiert werde und die dortigen Kameraden ablöse.

Abschließend ging Sembritzki nochmals auf den Einsatzbefehl im Allgemeinen ein. Das deutsche Parlament sei vom demokratischen Bürger gewählt. Dieses Parlament habe parteiübergreifend bis zum heutigen Tage allen Einsätzen und Einsatzverlängerungen zugestimmt und mit großer Mehrheit die Bundeswehr mandatiert. Daher sei dies ein legitimer Einsatz. Natürlich wünsche man sich immer mehr Zuspruch und Zustimmung, doch er stellte auf Nachfrage fest, dass das Mandat klar und deutlich legitimiert sei. „Wir werden vom deutschen Bürger nach Afghanistan geschickt,“ so der Oberstleutnant.

Ortsvorsitzender Christian Schmidbauer bedankte sich am Ende einer durch ihn angebotenen Diskussionsrunde recht herzlich bei Oberstleutnant Jared Sembritzki für den aufschlussreichen und „augenöffnenden“ Vortrag und wünschte ihm und allen eine ausgewogenere Presseaufarbeitung der Aufgaben der Bundeswehr. Mit einem kleinen Präsent verabschiedete er den Kommandeur mit den besten Wünschen.

Pressemeldung CSU Ortsverband Laufen-Leobendorf

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