Unwetter: Bergsteiger aus Wand gerettet

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Bad Reichenhall - Einen Bergsteiger (21) aus Grafschaft (Rheinland-Pfalz) haben Einsatzkräfte unmittelbar vor einer aufziehenden Unwetterfront aus der Goldtropfwand gerettet.

Gegen 14.30 Uhr wurde der Einsatzleiter der Bergwacht Bad Reichenhall von der Rettungsleitstelle alarmiert, weil sich ein Bergsteiger beim Versuch den Staufen über die so genannte Goldtropfwand zu besteigen, verstiegen hatte und nicht mehr vor noch zurück konnte.

Nach ersten Informationen hatte der 21-Jährige das Wandbuch vor rund einer halben Stunde passiert und war bereits seit über zwei Stunden unterwegs. Eine genaue Ortsangabe konnte der unverletzte Rheinlan-Pfälzer aber trotz intensiver Nachfragen per Handy nicht geben. Zusätzlich war er mit dunkler Kleidung nur schwer im Gelände auszumachen.

Da zunächst kein medizinischer Notfall vorlag, kam der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ zur Suche grundsätzlich nicht in Frage, weshalb der Einsatzleiter zwei Fußtrupps losschickte.

Rettung aus Bergnot

Bei einem weiteren Telefonat mit dem Verstiegenen kristallisierte sich jedoch bald heraus, dass den Mann Nerven und Kräfte verließen: Ein aufziehendes Gewitter ließ die Situation plötzlich doch zur Notlage werden, da der junge Mann keinen Rucksack und keine Regenkleidung dabei hatte. So musste der Einsatzleiter den Rettungshubschrauber nachfordern.

Beim Erkundungsflug mit einem ortskundigen Bergwachtmann an Bord regnete es bereits und es wehte böiger Wind. Per Handy telefonisch mit dem Bergwachtdepot verbunden und von dort über Funk konnte der Hubschrauber auf die genaue Position des Verstiegenen eingewiesen werden.

Die beiden Bodenmannschaften hatten sich in der Zwischenzeit - trotz Regen- und Schneeschauern - bis auf wenige Höhenmeter an die Einsatzstelle herangearbeitet und konnten den Mann über die Position des Hubschraubers in einer Höhe von rund 1.300 Metern in der Wand lokalisieren. In einem zweiten Anflug konnte ein Bergwacht-Luftretter am Variablen Tau den Verstiegenen im Kaper-Verfahren sichern; Retter und Geretteter wurden aus der Wand zum Tallandeplatz in der Kaserne geflogen.

Die Notärztin des Rettungshubschraubers übernahm die weitere medizinische Versorgung des Mannes und ließ ihm in Anschluss mit dem Rettungsdienst des Roten Kreuzes ins Kreiskrankenhaus Bad Reichenhall einliefern. Die Bodenmannschaften der Bergwacht stiegen zwischenzeitlich bei widrigen Verhältnissen mit starkem und böigem Wind, Regen-, Hagel- und Schneeschauern wieder ins Tal ab.

Vorsicht vor Wetterumschwüngen

Aus aktuellem Anlass bittet die Bergwacht alle Bergsteiger auch im Sommer warme Regenkleidung mit zu führen, um bei auftretenden Gewittern mit Temperaturstürzen nicht in eine Notlage zu geraten. „Trotz sommerlicher Temperaturen zur Mittagszeit hatte es an der Einsatzstelle um 16 Uhr nur mehr 2 Grad“, berichtet Einsatzleiter Marcus Goebel.

Zwölf Bergwachtmänner und -frauen der Bereitschaften Bad Reichenhall und Freilassing waren rund zwei Stunden lang im Einsatz.

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