Unterstützung für die Bergwacht

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Bad Reichenhall - Spenden & Zuschüsse für die neue Bergrettungswache in Bad Reichenhall gehen nur zögerlich ein.

Von den benötigten 700.000 Euro für den Bau einer neuen Rettungswache fehlt der Reichenhaller Bergwacht derzeit noch der größte Teil. Spenden und öffentliche Zuschüsse gingen bisher nur zögerlich ein, da die Realisierbarkeit des Projekts für viele noch nicht erkennbar ist.

Obwohl die Bergretter des Roten Kreuzes 2009 mit 71 Einsätzen überdurchschnittlich oft gefordert waren, berichteten die beiden Bereitschaftsleiter Urs Strozynski und Christian Schieder bei der Jahreshauptversammlung im Salzforum der Saline nur kurz von der Arbeit der Ehrenamtlichen. Das Hauptthema war der Finanzierungsplan für den dringend benötigten Neubau an der Reichenbachstraße. Hartnäckig und mit viel Ehrgeiz ließen sich die Bergwachtleute während der vergangenen Monate auf der Suche nach neuen Geldquellen nicht entmutigen und konnten ein Machbarkeitskonzept vorlegen.

Seit ihrer Gründung hat die Reichenhaller Bergwacht nie Zuschüsse von der Stadt benötigt. „Das geplante Haus an der Reichenbachstraße kostet rund 700.000 Euro und die haben wir nicht, weshalb wir einen konkreten Finanzierungsplan erstellt und bei mehreren Stellen um Hilfe gebeten haben“, erklärt Strozynski. Die Kurstadt unterstützt das Projekt mit fünf Euro pro Einwohner, die anderen Gemeinden im Zuständigkeitsbereich der Reichenhaller Bergwacht mit einem Euro pro Einwohner. Auch der Landkreis wird sich mit einem Zuschuss beteiligen. 50 Prozent werden voraussichtlich mit Mitteln der Europäischen Union aus INTERREG für einen grenzüberschreitenden Bergrettungsdienst zwischen Österreich und Bayern gefördert. „Wenn alles klappt hätten wir damit 85 Prozent beisammen, die restlichen 15 Prozent versuchen wir seit vergangenem Jahr mit Spenden von regionalen Firmen und Privatleuten zusammenzubekommen, was aber leider nur zögerlich anläuft, da nur wenige einen Beitrag leisten wollen, wenn die Realisierbarkeit noch nicht erkennbar ist“, bedauert Strozynski.

Bereitschaftsleiter Christian Schieder

Dennoch lassen sich die Bergretter nicht entmutigen und versuchen bei mehreren Veranstaltungen Geld für ihr neues Zuhause zu sammeln: Am 20 März finden im Magazin 4 Bergvorträge mit einer anschließenden After-Show-Party statt, wobei der gesamte Erlös aus Eintritt und Verpflegung dem Neubau-Projekt zu Gute kommt. Auch die Einnahmen des Maitanzes am 8. Mai im Pfarrsaal St. Zeno gehen an die Bergwacht und die Philharmonie hat für den 2. Juli ein Benefizkonzert zugesagt. Konkret unterstützt wird die Bergwacht bereits durch die Saline und die Brauerei Bürgerbräu, die beide größere Geldbeträge gespendet haben, beziehungsweise mit einer eigenen Aktion Geld für das Projekt sammeln. „Die Unterbringung in der Frühlingstraße war nie als dauerhafte Lösung gedacht“, erklärt Strozynski. Den Rettern fehlen in ihrem Übergangsquartier richtige Garagen für die Einsatzfahrzeuge und die Parkplatzsituation ist schwierig. 2009 hatte die Bergwacht trotz Mehr-Einnahmen durch die Spenden für das Neubau-Projekt wesentlich höhere Belastungen und musste rund 11.000 Euro Miete für das Übergangsquartier in der Frühlingstraße bezahlen. „Knapp über 60.000 Euro an Einnahmen stehen fast 39.000 Euro an Ausgaben gegenüber. Mit dem Bau haben wir uns viel vorgenommen und angesichts des Kassenstands auch viel zu tun!“, meinte Kassenwart Werner Thaler in seinem Jahresrückblick. Strozynski lobte abschließend Projektleiter Marcus Goebel, der seit mehreren Monaten unvorstellbar viel Arbeit in das Neubau-Projekt investiert.  

„Wenn wir Spenden sammeln haben manche eine falsche Vorstellung und meinen, das sei ja ein ganz schön großes Vereinsheim, das wir da für 700.000 Euro bauen wollen. Wir bauen aber kein Vereinsheim für unser persönliches Vergnügen, sondern eine Bergrettungswache! Der Bergwacht-Dienst ist ein Hobby und macht Spaß, ist aber oft nicht nur angenehm und beinhaltet viele körperliche und psychische Belastungen“, stellte Strozynski klar. Die diensthabenden Retter müssen beim schönsten Wetter im Tal bleiben und sich für mögliche Einsätze bereit halten, zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken und bei Totenbergungen oft schlimme Anblicke ertragen. Strozynski: „Letztes Jahr am Silvesterabend mussten wir bei Regen, Schnee und Dunkelheit einen verstiegenen Mann vom Staufen ins Tal holen, es war saukalt und sicher kein Vergnügen.“

Die Reichenhaller Bergwacht hat 2009 nicht nur ein neues Haus geplant und in der Frühlingstraße ihr Übergangsquartier bezogen, sondern war mit insgesamt 71 Einsätzen überdurchschnittlich oft gefordert. „Im Schnitt müssen wir jährlich 50- bis 60-mal ausrücken. Der gute Winter 2009 hat uns aber zusätzliche Arbeit beschert“, erklärte der stellvertretende Bereitschaftsleiter Christian Schieder. 21 mal mussten die Retter im Bereich der Reiter Alpe Hilfe leisten, gefolgt vom Staufen (16), dem Lattengebirge (10), dem Zwiesel (7), sechs Einsätzen auf Straßen und Wanderwegen im Tal, dem Müllnerhörndl (5), dem Ristfeuchthorn (3), dem Fuderheuberg (2) und dem Untersberg (1). Am meisten Arbeit gab es in den Monaten März, Juni und August. Das Leistungsspektrum der freiwilligen Bergretter des Roten Kreuzes war auch 2009 wieder umfangreich: 26 Bergrettungen, neun Suchaktionen, sechs Nachforschungen, fünf verletzte oder erkrankte Wanderer, drei Totenbergungen, drei Klettersteig-Einsätze, drei Unterstützungen des Landrettungsdienstes, drei Lawineneinsätze, zwei Pistenunfälle am Götschen, zwei verletzte oder erkrankte Skitourengeher, zwei Kletterunfälle, zwei Krankentransporte, ein verletzter Schneeschuhgeher, ein Rodelunfall und ein Forstunfall forderten die Einsatzkräfte.

Ausbildungsleiter Hans Lohwieser berichtete von insgesamt 107 Aus- und Fortbildungsterminen im vergangenen Jahr, an denen im Schnitt acht Einsatzkräfte teilnahmen. 30 Termine wurden für die regulären Mitglieder organisiert, weitere 32 für die Anwärter, 21 für die Hundeführer und zehn für die Canyon-Retter. Neben zehn Hubschrauber-Ausbildungen, bei denen die Bergwacht-Luftretter ihre Fähigkeiten trainieren konnten, fanden auch vier Fortbildungen am Hubschrauber-Simulator im Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung Bad Tölz statt. Beim Symposium „Alpine Sicherheit 2009“ trat die Bergwacht als Mit-Organisator auf, wobei unter anderem im Dolomitwerk Oberjettenberg verschiedene Rettungsverfahren vorgeführt wurden.

„Wir gemeinsam müssen das Bergwacht-Haus für Bad Reichenhall und die gesamte Region schultern, die Unterstützung der Stadt habt ihr und gemeinsam stemmen wir das!“, versprach Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, der vergangene Woche bei einer Veranstaltung des Bayerischen Städtetags in Brüssel den Referatsleiter für Inneres in der bayerischen Landesvertretung über die Notwendigkeit des Projekts informiert hat.

Lackner: „Die EU wirft teilweise so viel Geld zum Fenster hinaus. Ich bin der Meinung, dass man so etwas Sinnvolles wie eine neue Bergrettungswache natürlich fördern muss.“ Lackner will neben den Städten und Gemeinden im Zuständigkeitsbereich der Reichenhaller Bergwacht auch den Freistaat Bayern bei der Finanzierung mit in die Pflicht nehmen. „Wir würden das Neubau-Projekt im Rahmen unserer Möglichkeiten gerne noch mehr unterstützen, sind aber leider eine sehr finanzschwache Gemeinde, weshalb keine Unsummen kommen werden“, bedauerte Dr. Frank Wolf, zweiter Bürgermeister von Schneizlreuth in seinem Grußwort.

Pressemitteilung des Bayerischen Roten Kreuzes 

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