Max Aicher Stiftung - Umfrage zeigt:

Zugewanderte zufrieden mit digitalem Lernen - „Der Onlineunterricht gibt meinem Alltag Struktur“

Max Aicher Stiftung: Ismail aus Somalia
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Das ist Ismail aus Somalia: Er ist berufstätig, hat bei uns Deutsch gelernt, 2020 den Mittelschulabschluss gemacht und paukt jetzt im B2 Kurs für die TELC B2 Deutschprüfung.

Freilassing - Zugewanderte entwickeln auch im Lockdown viel Ehrgeiz beim Deutschlernen. Möglich macht dies das Max Aicher Bildungszentrum für Integration schon seit April 2020. Mit dem Smartphone navigieren 135 Erwachsene durch die auf sie zugeschnittenen Deutschkurse oder das Mittelschulprogramm, das sie auf einen deutschen Schulabschluss vorbereitet.

Die Pressemeldung im Wortlaut:


Die Lernenden, die vorrangig im Berchtesgadener Land wohnen, sind seither im Distanz-Unterricht aktiv. Videounterricht nach fixem Stundenplan und asynchrone Übungen bilden die zwei Säulen einer modernen Lernmethodik. Nach den vielen Monaten online erscheint nun die erste Umfrage unter den Zugewanderten.

Max Aicher, Initiator und Unterstützer dieses Gesamt-Unterrichtsprojekts zeigt sich stolz dazu: „Unser Bildungszentrum für Integration ist im Landkreis das einzige Sprachinstitut für Zugewanderte, das bereits seit im April 2020 weiter arbeitet. Sogleich mit dem ersten Lockdown im März 2020 schufen wir ein Onlinelernangebot, um den Lernenden weiter Unterricht anzubieten“.


Freiwilliges Lernen

Schon seit dem letzten Frühjahr haben die Lehrkräfte den Umgang mit der passgenauen Lernplattform in den
Kursgruppen trainiert und die wichtigen Schritte hin zum digitalen Lernen unternommen. Es hat sich gelohnt: Das Bildungszentrum konnte 95% der Zugewanderten im virtuellen Raum halten. Das ist eine erstaunliche Quote, gerade für die Integrationsarbeit. Was ist das Geheimnis? „Die Leute lernen bei uns freiwillig, es macht ihnen einfach Freude sich weiterzubilden. Sie lieben ,ihre Schule‘ und ihre Lehrerkräfte und sind voller Motivation über ihre Lernerfolge, die sie in Richtung Abschlüsse und Arbeitsmarkteinstieg bringen “, so die Koordinatorin Gabriele Bauer-Stadler.

Lernst du gern online?

Die Umfrage zeigt, dass über drei Viertel der Befragten gern oder sehr gern online lernen (77%), auch wenn vielen der Unterricht vor Ort lieber ist. Sie schalten je nach Stundenplan zwei bis dreimal pro Woche oder auch täglich ein, um dem Videounterricht zu folgen. Zusätzlich erledigen sie online Arbeitsaufträge in frei einteilbarer Zeit und lesen an den Ergebnissen unmittelbar ihre Fortschritte ab.

Gabriele Bauer-Stadler dazu: „Hier ist klar zu hervorzuheben, dass Distanzunterricht nicht nur synchrones Lernen im Videounterricht bedeutet, sondern dass asynchrones Lernen in den zeitlich frei einteilbaren Pflicht-Übungen auf der Lernplattform eine große Rolle spielt. Methodenvielfalt in den Video-Stunden ist dennoch gefragt und auch für die Lehrkräfte eine große Herausforderung. Online-Unterricht ist eben weit mehr als nur vorm Bildschirmsitzen.“

Rolle der Lehrkraft

Es ist nicht nur die innere Motivation, die im virtuellen Raum zählt. Weitere Faktoren sind wie vermutet der Mangel an alternativen Lern-Angeboten (30%) und die viele freie Zeit zum Lernen (36%). Überraschend war, wie stark die Bindung an die Lehrkraft zu sein scheint. Befragt nach den Gründen fürs Onlinelernen geben 45 von 70 Personen an, dass die jeweilige Lehrkraft eine entscheidende Rolle spielt. Sie bereitet die Inhalte mit vielfältigen Tools auf – wohl ein Grund dafür, dass die Hälfte angibt, ihnen gefalle vor allem, dass „der Lehrer / die Lehrerin viel für uns macht“. Dabei fallen laut Umfrage der monatliche Test und die aufbereiteten Übungen doppelt so stark ins Gewicht (jeweils 40%) wie der Videounterricht.

Lieber klassisch als spielerisch?

Danach gefragt, welche Art der Sprachvermittlung sie bevorzugen, antworten überraschend wenige Lernende mit Medienvielfalt wie Filme schauen oder Musik hören. Auch das Spielen scheint weit abgeschlagen. Hier mag es sich um einen kulturellen Unterschied handeln, denn in vielen Ländern ist Spielen nur etwas für Kinder. Die Zugewanderten wünschen sich eher klassische Konzepte wie Grammatik-, Wortschatz- und Sprechübungen (jeweils 50%), neben Gruppen- und Partnerarbeit im virtuellen Unterrichtsraum.

Ismail aus Somalia lernt Deutsch

Digital kompetenter geworden

Der oft kritisierte digitale Unterricht kommt also besser an, als man zunächst glauben mag. Waren anfangs noch Coachings über WhatsApp und Telefonanrufe an der Tagesordnung, geben inzwischen nur noch 5% an, Hilfe beim Navigieren zu benötigen. Technische Unterstützung wünschen sich noch 14% der Befragten, was wohl vor allem auf Netzwerkprobleme in Gemeinschaftsunterkünften zurückzuführen ist. Es ist nicht die Lernplattform, die abstürzt, diese ist in den vergangenen zehn Monaten noch keinen einzigen Tag ausgefallen.

Und das, obwohl seither ohne Unterbrechung damit gearbeitet wird. Kathrin Grenzdörffer, die dieses Online-Lernprojekt inhaltlich wie technisch betreut, erklärt dazu: „Der Wechsel zwischen reinem Onlinemodus und Blended-Learning-Konzepten gelingt recht flüssig, weil alle mitanpacken. So konnten die Teilnehmenden durchgehend digitale Kompetenz erwerben und sich laufend verbessern.“

Frau Bauer-Stadler ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass der digitale Unterricht so gut gelingt: Wir konnten die Krise als Chance nutzen und gehen gestärkt daraus hervor.“

Andrea ist aus Serbien, berufstätig, hat die B1 Prüfung gemacht und lernt nun für B2.

Ausblick

Natürlich soll es schnell zurück in den Unterricht vor Ort gehen, wobei weiterhin ergänzend Onlinetools zum Einsatz kommen werden. Die wertvollen Umfragedaten liefern interessante Anhaltspunkte, etwa welche Lernangebote zusätzlich in Betracht kommen. So gibt immerhin ein Siebtel der Zugewanderten an, dass das Onlinelernen ihnen die Freiheit gibt, mehr für ihre Kinder da zu sein. Vielen Frauen bieten sich hier gute Lernmöglichkeiten, da sie wertvolle Zeit für die Anreise einsparen können.

Max Aicher gibt sich weiter optimistisch zum erfolgreichen Unterrichtsprojekt: „Wir sehen, dass durch die digitale Erweiterung des Unterrichts für Zugewanderte sowohl in den Deutschkursen als auch in den externen Mittelschulklassen nicht nur das Lernen kontinuierlich voranschreitet. Gerade die zusätzlich erworbene digitale Kompetenz sorgt für noch mehr Selbständigkeit im Alltag und fördert den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Genau das ist unsere Zielsetzung. Dies wollen wir weiterhin fördern – mit Partnern in einem großen Netzwerk. Denn nur gemeinsam ist diese große Herausforderung für gute Integration zu meistern.“

Andrea aus Serbien lernt Deutsch

Über das Max Aicher Bildungszentrum

Das Max Aicher Bildungszentrum für Integration bietet seit 2015 Deutschkurse, externe Mittelschulklassen und Praxisprogramme für erwachsene Zugewanderte im Berchtesgadener Land und angrenzenden Regionen an. In ein Netzwerk aus öffentlichen und privaten Trägern eingebettet, eröffnet das Bildungszentrum neue Perspektiven für den Alltag in Deutschland. Kursprogramm und alle Informationen zum Unterricht www.max-aicher-bildung.de

In der Max Aicher Stiftung arbeiten mehr als 4.500 Mitarbeiter in 18 Ländern mit Leidenschaft und Technologie-Know-how an hochwertigen Produkten sowie intelligenten industriellen Verfahren und Dienstleistungen für nachhaltigen Fortschritt. Max Aicher erwirtschaftet im Durchschnitt rund 1 Mrd. Euro im Jahr und produziert allein in Bayern und Ungarn ganzjährig an die 1,5 Millionen Tonnen Stahl. Die geschäftlichen Aktivitäten in der Unternehmensgruppe sind in den vielen Jahren immer weiter gewachsen und wurden dabei stets nach positiven Synergieeffekten ausgerichtet. Die Geschäftsfelder sind heute im Einzelnen: Bau & Konstruktion, Immobilien & Projekte, Stahl & Produktion, Umwelt & Recycling, Freizeit & Tourismus, Bildung.

Pressemeldung der Max Aicher Stiftung

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