"Theo gratias"

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Bad Reichenhall - Tosenden Applaus hat Bundesfinanzminister a.D. Theo Waigel bereits bei seiner Ankunft in Bad Reichenhall von rund 600 Unternehmern aus dem Berchtesgadener Land beim Wirtschaftsempfang erhalten.

Wie jedes Jahr hat Landrat Georg Grabner ins Alte Königliche Kurhaus geladen. So will er dem Ein-Mann-Betrieb die Möglichkeit geben mit großen Unternehmen in Kontakt zu kommen und umgekehrt. Der Wirtschaftsempfang soll dem Austausch der Firmen im Landkreis dienen.

Dazu wird in jedem Jahr ein Festredner geladen. Diesmal reiste Bundesfinanzminister a.D. Theo Waigel aus dem Allgäu an. Sein Thema, "Paradigmenwechsel in der Finanzpolitik", hörte sich auf Anhieb sehr trocken an, fesselte dann aber die Anwesenden. Denn der derzeit doch radikal veränderte Blick auf die Finanzen von Deutschland und Europa lässt die ersten - aus Sicht Waigels absurden - Forderungen auftauchen.

"Die D-Mark würde die Probleme überhaupt nicht lösen, wir wären wie 1995 einem verheerenden Aufwärtungsdruck ausgesetzt. Unser Export käme zum Erliegen. (...) Die deutsche insbesondere die bayerische Landwirtschaft käme in existenzielle Schwierigkeiten. Um Gottes Willen komme mir niemand mit dieser Alternative, die keine ist."

Wirtschaftsempfang BGL 2010

Natürlich werde es in Spanien, Portugal und Griechenland noch größere Einschnitte geben, aber es gebe keine Alternativen. "Wir (in Deutschland) stehen immer noch besser da, als die meisten anderen. Übrigens steht Europa nicht schlechter da, sondern eher besser als zum Beispiel die Vereinigten Staaten von Amerika mit einem Defizit von über zehn Prozent", betonte der Finanzminister a.D. "Die Krise ist keine Krise einer Währung, sondern das nicht mehr ganz vorhande Vertrauen in die Finanzpolitik der Länder." Und genau das müsse wieder hergestellt werden.

"Man muss den Bürgern sagen, wir standen vor eineinhalb, zwei Jahren knapp vor dem Abgrund und es ist gelungen, den Sturz in den Abgrund zu vermeiden aber das hat viel Geld gekostet", erklärt Waigel die derzeitige schwierige Finanzsituation. "Jetzt müssen wir alle im nächsten Jahrzehnt unseren Beitrag bringen, dazu gibt es keine Alternative und notfalls muss man bereit sein, sich auch abwählen zulassen, wenn man von etwas wirklich überzeugt ist."

Die letzte Aussage des Politikers brachte ihm tosenden Applaus ein. Die anwesenden Unternehmer spüren den Aufwind und wissen, dass etwas dafür getan werden muss. Vor allem klare Aussagen brauchen die Bürger jetzt. Da kann ein Politiker in Ruhestand natürlich mehr sagen, als einer, der noch im Amt ist.

red-bgl24/cz

Rubriklistenbild: © cz

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