Telematik-Know-how aus dem BGL

+
Holger Schulz, Beate Koye (proTime GmbH), Martin Grzebells (NavCert GmbH), Anton Gerner (IGVZ e.V.), Lars Holstein (WFG BGL), Beatrix Wegner (IGVZ e.V.), Alexander Rieser (proTime GmbH), Willibald Bittner (IHK Nürnberg für Mittelfranken), Gerd Waizmann, Carl Behmer (Fraunhofer IML), Stefan Götte (NavCert GmbH) und Wolfgang Inninger (v.l.) in Nürnberg.

Nürnberg/Landkreis - Das Netzwerk „Initiative Satellitennavigation Berchtesgadener Land“ hat bei der IHK Nürnberg die Projektergebnisse von „Monitoring und Unterstützung von Gefahrguttransporten“ vorgestellt.

Die jährliche Transportleistung von Gefahrgütern in der EU beträgt neun Milliarden Tonnenkilometer. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen; eine Identifikation der transportierten Ladung erfolgt bisher nur über Gefahrentafeln am Lkw und in Papierform. Die eintreffenden Rettungskräfte erhalten erst direkt vor Ort Informationen bezüglich der Ladung und ihres Gefahrenpotentials. Ziel des bayerischen Projektes SafeNav ist es, europaweit eine flächendeckende Überwachung und Ortung von Gefahrguttransporten zu ermöglichen und die Einsatzkräfte bei Unfällen durch präzise Informationen zu unterstützen.

Bei der Demonstration „Monitoring und Unterstützung von Gefahrguttransporten“ wurden im Hause der IHK Nürnberg die Projektergebnisse dem Fachpublikum vorgestellt. Rund 50 Teilnehmer waren der Einladung des Netzwerkes „Initiative Satellitennavigation Berchtesgadener Land“ gefolgt, um einen Überblick zu Einsatzmöglichkeiten und Potenziale moderner Kommunikations- und Ortungstechnologien beim Gefahrgutmonitoring sowie bei der Rettungskräfteunterstützung zu erhalten.

Modularer Standardbaukasten für Position und Kommunikation:

Im Projekt SafeNav wurde ein modularer Standardbaukasten für Dienste in den Bereichen Sicherheit und Verkehr entwickelt. Dieser beinhaltet Komponenten der Ortungs- Kommunikations-, Sensor-, Speicher und Servertechnik. Verschiedene Sensoren messen die aktuellen Umweltdaten (z.B. 3D-Beschleunigung, Richtung mittels 3D-Kompass, Luftdruck-) und verknüpfen diese via GNSS (Globale Satellitennavigationssysteme) zeitnah mit aktuellen Positionsdaten.

Lesen Sie auch:

Sicher Navigieren durchs BGL

Die praktische Umsetzung des modularen Standardbaukastens umfasst zwei Anwendungsszenarien: Die Überwachung und das Monitoring von Gefahrguttransporten „Orange“ und die informationslogistische Unterstützung von Rettungskräften und -fahrzeugen bei Notfalleinsätzen „Blue“. Neben GPS wird auch das russische Satellitensystem GLONASS und vor allem das künftige europäische Navigationssystem Galileo genutzt. „Standard-GPS ist von der Genauigkeit für Sicherheit und Rettung nicht ganz ausreichend. Die richtige Position wird in vielen Fällen nicht sicher übermittelt. Bei den GPS-Rohdaten sind Abweichungen von bis zu 50 Metern, bei sehr schlechten Empfangslagen bis zu mehreren hundert Metern keine Seltenheit. Beim normalen Navigationsgerät merkt man das nicht, weil dort die aktuelle Position immer auf die Straße gesetzt wird“, so Wolfgang Inninger vom Fraunhofer-Institut in Prien am Chiemsee.

Bei der Entwicklung des Systems wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass die technischen Möglichkeiten den Bedürfnissen der Logistikunternehmen, Verlader und Rettungskräfte entsprechen.

OrangeBox– Monitoring von Gefahrguttransporten:

Um jeden Gefahrgut-Lkw orten und identifizieren zu können, wird die OrangeBox direkt in die Gefahrentafel integriert. Beschleunigungs- und Kippsensoren registrieren, wenn der Gefahrgut-Lkw in einen Unfall verwickelt wird und übermitteln den genauen Standort automatisch an die Rettungsleitstelle. Die in der OrangeBox integrierte Sendeeinheit wählt automatisiert die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 und setzt kostenfrei eine Nachricht in der jeweiligen Landessprache ab. Die Alarmmeldungen sind in mehreren Sprachen hinterlegt. Binnen weniger Sekunden erhält die Einsatzzentrale einen Datensatz, der darüber informiert, welches Fahrzeug betroffen ist sowie dessen exakten Unfallkoordinaten. "Das ist wie eine Lebensversicherung für die Fahrer von Gefahrguttransporten und die eintreffenden Rettungskräfte. Diese sind dadurch optimal informiert und ausgerüstet, um sofort eingreifen zu können“, so der Sprecher der Initiative und Geschäftsführer der proTime GmbH, Gerd Waizmann.

BlueBox und BlueApp – Rettungskräfteunterstützung:

Bei Rettungseinsätzen – besonders bei Großschadenslagen – kommt der Koordination von Rettungskräften, Fahrzeugen und eingesetztem Material sehr hohe Bedeutung zu. Dies konnte eindrucksvoll in einer grenzüberschreitenden Großübung Mitte November demonstriert werden. Im Rahmen der Rettungskräfteunterstützung wurde ein Einsatzfahrzeug mit einer BlueBox ausgestattet. Diese übernahm die Erfassung und Weiterleitung einsatzrelevanter und fahrzeugspezifischer Daten.

Die BlueBox unterstützte das Echtzeit-Einsatzmanagement in der „Integrierten Rettungsleitstelle“ in Traunstein, indem entscheidungsrelevante Informationen online-basiert zugänglich gemacht und anwendergerecht aufbereitet wurden. Der Datenzugang zum SafeNav BlueServicer erlaubte einen hierarchie- und organisationsübergreifenden Datenzugriff und gewährleistet jederzeit den Schutz der sensiblen Einsatzdaten. Durch die langfristige digitale Speicherung aller Einsatzdaten wird der manuelle Dokumentationsaufwand minimiert.

Live Demonstration Gefahrgutmonitoring und Rettungskräfteunterstützung:

Mit einem simulierten Gefahrguttransport wurden die technischen Möglichkeiten der Systemkomponenten in Nürnberg live demonstriert. Als Anwendungspartner und Gefahrgutspezialisten unterstützten die Logistikunternehmen „ABS Bonifer“ und „Lissi Gebhardt Spezialtransporte Umweltschutz“ die Live-Demonstration. Wie in der Disposition üblich wurden die Transportinformationen (z. B. UN-Nummer, Menge, Kfz-Kennzeichen) in der Anmeldeoberfläche erfasst und auf die OrangeBox übertragen. Die Position des eingesetzten Lkw konnte während der Demonstration jederzeit aufgerufen und auf einer Straßenkarte angezeigt werden. Als eine „NoGo-Area“ für Gefahrguttransporte wurde die Nürnberger Altstadt definiert. Sobald der Lkw dieses Gebiet betrat, erfolgte eine Alarmierung. Der „Gefahrgutunfall“ wurde neben der manuellen Unfallauslösung direkt am Gefahrgut-Lkw auch mittels eines Modell-Lkws simuliert. Kipp-Sensoren in der OrangeBox dienten zur Auslösung einer automatischen Alarmierung. Die Position und UN-Nummer wurden für alle akustisch übertragen. Die Abfahrt des mit einer BlueBox ausgestatteten Einsatzfahrzeuges und die Fahrt bis zur „Unfallstelle“ konnten ebenfalls auf der elektronischen Straßenkarte in Echtzeit mitverfolgt werden. „Gerade bei einem Gefahrgutunfall, wo eine schnelle, vollständige und exakt zuordenbare Alarmierung sowie die anschließende zeitnahe Weiterleitung dieser für einen erfolgreichen Rettungseinsatz notwendigen Information und Daten an die Einsatzkräfte entscheidend ist, spielt das Zusammenspiel der Orange- und BlueBox Ihre Stärke aus“, so der Projektleiter des Projektes SafeNav Holger Schulz.

Pressemitteilung Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser