Stiller Stolz und offene Dankbarkeit

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Werner Riedl war der erste Vorsitzende des Vereins Lebenshilfe Berchtesgadener Land e.V.

Bad Reichenhall - "Auf diesem Werk liegt ein großer Segen", brachte es der Ehrenvorsitzender der Lebenshilfe Berchtesgadener Land, Werner Riedl, am Donnerstagabend auf den Punkt.

Alles was im Landkreis Rang und Namen hatte, war in das Alte Königliche Kurhaus nach Bad Reichenhall gekommen, um mit der Lebenshilfe ihren 40. Geburtstag zu feiern. So viel Leben erfüllte selten das Kurhaus, denn die Hauptpersonen des Abends waren die geistig Behinderten, die in den Einrichtungen der Lebenshilfe betreut werden.

Ob in der Förderstätte, den Wohnhäusern, der Tagesstätte für Senioren oder den Pidinger Werkstätten haben derzeit 349 Menschen ein Zuhause, einen Betreuungs- oder einen Arbeitsplatz gefunden. "Aber der Anfang war schwieriger, als es heute zum Ausdruck gekommen ist", sagte Riedl im BGLand24-Interview. Seine Tochter Gabi war damals in der Klasse von Erika Schwaighofer, der ersten Klasse für geistig Behinderte im Landkreis. Um die Arbeit der Lehrerin zu unterstützen, wurde die Lebenshilfe 1970 gegründet. "Ich selbst war bei der Gründungsversammlung nich anwesend", gibt Riedl lächelnd zu. "Aber als kein Vorsitzender für den Verein gefunden wurde, sagte meine Frau: 'das kann mein Mann'." Und so ist der heute 91-Jährige zum ersten Vorsitzende der Lebenshilfe geworden.

Was für die Beratung betroffener Eltern und die Unterstützung der ersten Schulklasse für behinderte Kinder begann, sollte wachsen. "Ich habe Frau Schwaighofer mal gefragt, was aus den Kindern wird, wenn sie mit der Schule fertig sind", erinnert sich Riedl. "Sie stehen auf der Straße, war ihre Antwort. Auf meine Nachfrage, wer für Betreuungseinrichtungen und ähnliches zuständig sei, sagte sie: 'der Verein'." So machte Werner Riedl Nägel mit Köpfen und 1973 wurde eine angemietete ehemalige Kfz-Halle der Bundeswehr zur ersten Werkstätte für Behinderte umgebaut.

Landrat Georg Grabner nutzte das Geburtstagsfest, um Joachim Althammer mit dem Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten auszuzeichnen.

Dass die Lebenshilfe in 40 Jahren aber so groß werden würde, hätte auch der Ehrenvorsitzende nicht gedacht. Zu verdanken sei das den Vereinsmitgliedern, der Mitarbeitern, den Bürgermeistern, den Gemeinderäten, allen Kommunalpolitikern und natürlich den Sponsoren, brachte der heutige Vorsitzende Oswald Lerach jedem einzelnen seine Dankbarkeit vor. Einer wurde aber besonders hervorgehoben: Joachim Althammer. Der Ainringer hat im Laufe der Jahre 250.000 Euro an Spenden für die Lebenshilfe gesammelt. Unter anderem mit seiner seit 2004 bestehenden Oldtimer Rallye"Edelweiss Classic". Außerdem organisiert er seit 1995 einen einwöchigen Skiurlaub für Behinderte.

Dafür und für sein Engagement im VdK Ortsverband Ainring sowie für die Samlung "Helft Wunden heilen" überreichte ihm Landrat Georg Grabner das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für besondere Verdienste um das Ehrenamt. Das beantwortete Althammer mit dem Erlös der "Edelweiss Classic 2010". Er überreichte den Scheck über 99.368 Euro an Hermann Seeböck von der Behindertenwerkstätte Piding. Das ist eine kräftige Anschubfinanzierung für ihren Anbau. Es sollen Rückzugs- und Therapieräume geschaffen werden. Sie seien für die Gestaltung der Tagesstruktur von schwer behinderten Menschen dringend notwendig, so Seeböck.

40 Jahre Lebenshilfe BGL

Auch die Bürgermeister des Landkreises liesen sich nicht lumpen. Stellvertretend für seine Kollegen sicherte Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner zu, dass sie die 100.000 Euro vollmachen, ja sogar überschreiten würden. Dafür erntete er tosenden Applaus und anschließend stürmten die Gäste die Tanzfläche. "Zuzusehen, wie diese Menschen heute feiern, macht alle Anstrengung als Vorsitzender des Vereins wett", strahlte Lerach und beendete so den offiziellen Teil.

Christine Zigon

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