Sorgen um Nachwuchs für die ambulante Pflege

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Gemeinsam auf Tour im ambulanten Pflegedienst der Diakonie (von links nach rechts): Roman Niederberger und Heinrich Rupp.

Bad Reichenhall - Dienstbeginn um 5.50 Uhr und dann den ganzen Vormittag mit vollem Terminkalender unterwegs: trotzdem nimmt sich Heinrich Rupp überall Zeit für ein paar freundliche Worte und lässt sich die Eile nicht anmerken.

Drei Stunden lang wurde er bei seiner Tour in Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain als Altenpfleger der Diakonie vom SPD-Kreisvorsitzenden Roman Niederberger begleitet, der sich dabei unmittelbar ein Bild von der anspruchsvollen Tätigkeit in der ambulanten Pflege machen konnte.

Jeder Handgriff sitzt, wenn Heinrich Rupp einen Stützverband wickelt oder beim Anlegen der Kompressionsstrümpfe hilft. Und auch beim Weg zwischen den einzelnen Kunden der Diakonie kennt er jeden Schleichweg und jede Abkürzung. Denn die Zeit ist knapp und die Qualitätsanforderungen sind hoch bei der ambulanten Pflege.

Von der kurzen Erinnerung an die einzunehmenden Medikamente über die Hilfe beim Aufstehen, Waschen und Anziehen bis zum Messen des Blutdrucks und Spritzen bei Diabetespatienten reicht das Aufgabenspektrum. Roman Niederberger zeigte sich beeindruckt von der Leistung, die hier täglich von den ambulanten Altenpflegern zu erbringen ist. „Es bestätigt sich wieder, dass die Pflege eine anspruchsvolle und qualifizierte Tätigkeit und kein einfacher Hilfsjob ist“, so der SPD-Kreisvorsitzende.

Beim anschließenden Gespräch in der Diakoniestation in der Tiroler Straße in Bad Reichenhall kommt Pflegedienstleiterin Madeleine Eiginger auf die schwierigen Rahmenbedingungen. „Viele sprechen zwar vom Grundsatz ´ambulant vor stationär´. Die Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen müssen dabei aber große Belastungen bewältigen. Wenn es um entsprechende Unterstützung und die Einstufung in eine höhere Pflegestufe geht, bekommen sie unmittelbar die knappen Mittel zu spüren. Die Kosten steigen, aber die Leistungsvergütungen der Pflegekassen bleiben gleich – das sorgt für erheblichen Druck“, erklärte sie.

„Der Fachkräftemangel ist in der Pflege eindeutig bereits angekommen“, führte Madeleine Einiger weiter aus. Bei den Fachkräften der Diakonie, die im ambulanten Dienst unterwegs sind, liegt der Altersdurchschnitt über 50 Jahren. „Und dieses Problem lässt sich garantiert nicht mit einer Anhebung des gesetzlichen Rentenalters lösen“, stellte die Leiterin des Pflegedienstes klar.

Die Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes belastet die Diakonie nicht mehr sonderlich, erklärte sie auf Nachfrage von Roman Niederberger. „Aufgrund der jetzt schon sehr kurzen Zivildienstzeit haben wir ohnehin kaum noch Zivis bei uns gehabt“, so Madeleine Eiginger. Stattdessen bemühe man sich, über Praktika und gezielte Werbemaßnahmen das Interesse an der Altenpflege zu wecken. Durch die Kürzung des Schulgelds für Altenpflegeschüler setze hier die Bayerische Staatsregierung aber derzeit falsche Zeichen.

Neben einer solidarischen und auf Dauer soliden Finanzierung des Pflegewesens über eine Bürgerversicherung müsse man auch über das bisherige System der Pflegestufen neu nachdenken, meinte Roman Niederberger. Bis zur Mitte des Jahres soll eine SPD-Arbeitsgruppe auf Bundesebene ein neues Konzept vorlegen, dass stattdessen auf dem konkreten Bedarf an Pflegeleistungen für einzelne Bereiche aufbaut. Grundlage dafür ist ein Beschluss des SPD-Bundesvorstands, der ab sofort auf der Internetseite www.spd-bgl.de nachzulesen ist.

Pressemitteilung SPD BGL

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