Einsatzreiches Wochenende für die Bergwacht

Schönau am Königsee - Am Wochenende hatte die Bergwacht alle Hände voll zu tun. Die Männer und Frauen mussten zu zahlreichen Unfällen ausrücken.

Ein 19-jähriger einheimischer Spitzenkletterer ist am Sonntagabend bewusstlos und blutüberströmt am Einstieg des Grünstein-Klettersteigs aufgefunden worden. Bergwacht und BRK-Wasserwacht waren bereits bei einem weiteren Notfall am Königssee im Einsatz und konnten dem jungen Mann sofort helfen, der dann mit dem Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ zum Salzburger Unfallkrankenhaus geflogen wurde. (wir berichteten).

 Am Samstagnachmittag musste die Bergwacht Markschellenberg einen schwer intern erkrankten 45-Jährigen auf der Toni-Lenz-Hütte versorgen; wegen Nebel konnte zunächst kein Hubschrauber die Einsatzstelle erreichen, weshalb eine aufwendige, bodengebundene Rettungsaktion anlief.

Am Sonntag gegen 18 Uhr mussten Bergwacht und BRK-Wasserwacht zu einer verstiegenen Wanderin aus Niedersachsen zwischen Malerwinkel und Kessel ausrücken. Bei der Erkundungsfahrt mit dem Rettungsboot entdeckten die Retter die Frau direkt am Seeufer kurz hinter der Nassen Wand. Die Unverletzte wurde mit dem Boot zurück zur Seelände gefahren.

Gegen 18.20 Uhr, noch während des Einsatzes, ging ein weiterer Notruf vom Grünstein-Klettersteig ein, wo ein bewusstloser, blutüberströmter Klettersteiggeher am Einstieg entdeckt worden war. Bergwacht und Wasserwacht fuhren sofort vom Königssee direkt zum Unfallort und versorgten den jungen Mann medizinisch. Mit einem All-Terrain-Vehicle (ATV) der Bergwacht wurde der Notarzt des nachgeforderten Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ vom Landeplatz an der Kunsteisbahn zum Patienten gebracht. Der Abgestürzte wurde dann mit dem Geländewagen bis zum Hubschrauber gefahren.Da persönliche Dokumente fehlten und weder die Identität noch der Unfallhergang klar waren, übernahm ein Polizeibergführer der Polizeiinspektion Berchtesgaden die weiteren Ermittlungen. Gegen 22.30 Uhr konnte dann über das abgestellte Auto des Verunfallten ermittelt werden, dass es sich um einen 19-jährigen Spitzen-Kletterer aus dem inneren Landkreis handelt. Der junge Mann war mit Helm und Klettersteig-Ausrüstung ausgestattet; vermutlich hatte er sie aber in der Stahlseilversicherungsanlage nicht eingehängt. Noch ist unklar, wie tief der 19-Jährige abgestürzt ist. Sicherlich hatte er großes Glück im Unglück, da er sich schwerste Verletzungen zuzog, die jedoch nach Angaben des behandelnden Arztes nicht lebensbedrohlich sind. Unklar war auch noch, ob der junge Mann alleine oder mit einem Begleiter die Nachtbegehung meistern wollte. Ein schon vorher eingestiegener Bergsteiger hatte am Einstieg zwei Leute gesehen. Gegen 23 Uhr wurde eine weitere Absuche des Klettersteigs abgebrochen, da bekannt wurde, dass der 19-Jährige einem Freund gegenüber geäußert hatte, dass er alleine den Klettersteig begehen wird.

Am Samstag gegen 14.30 Uhr ging ein Notruf von der Toni-Lenz-Hütte am Untersberg ein, wo ein schwer intern erkrankter 45-Jähriger medizinische Hilfe brauchte. Der Mann aus der Umgebung von München hatte bereits im Aufstieg Probleme und schaffte es gerade noch bis zur Hütte, wo er unter anderem von einer zufällig anwesenden Ärztin betreut wurde. Der alarmierte Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ musste wegen der tiefhängenden Wolken den Anflug abbrechen und landete auf der Thorer-Wiese neben der B305. Von dort aus startete die Bergwacht Marktschellenberg mit Geländefahrzeugen und dann weiter zu Fuß zur Einsatzstelle, wobei auch der Hubschrauber-Notarzt und die medizinische Ausrüstung mit einem ATV mitgenommen wurden.

Die Einsatzkräfte stiegen bei zunehmender Wetterverschlechterung mit Nieselregen und nasskalter Witterung über die Mitterkaser-Diensthütte weiter auf, wobei die ersten Retter bereits nach einer halben Stunde Fußmarsch an der Hütte eintrafen. Der Patient wurde von Notarzt und Rettungsassistenten der Bergwacht erstversorgt und sollte dann in einer aufwendigen Aktion per Gebirgstrage ins Tal getragen werden. Da die Diagnose unklar war und ein Herzinfarkt in Betracht kam, brachte ein weiterer Bergwachtmann ein Spezialmedikament (Lyse) und ein 12-Kanal-EKG zu Fuß auf den Berg.

Gegen 17.30 Uhr meldete dann ein weiterer Bergwachtmann im Aufstieg rund 150 Meter unterhalb der Hütte ein kleines Wolkenloch und freie Sicht bis ins Tal, so dass „Christoph 14“ nach zwei Versuchen bis zum unteren Landeplatz durchkam und auf dem Köpfl unterhalb der Hütte landen konnte. Obwohl die Einsatzkräfte den 45-Jährigen sofort zur Maschine brachten, konnte „Christoph 14“ nicht mehr rechtzeitig starten und wurde wieder von den Wolken eingeschlossen. Nach einiger Zeit rissen die Wolken dann wieder so weit auf, dass der Hubschrauber durch ein kleines Loch starten und den Patienten zum Klinikum Traunstein fliegen konnte. Insgesamt waren zehn Bergretter der Bereitschaften Marktschellenberg und Berchtesgaden bis 19.30 Uhr im Einsatz.

„Risikobereitschaft und Erwartungshaltung von Bergsteigern sind oft hoch, viele überschätzen aber unsere Möglichkeiten. Bei schlechtem Wetter und fehlenden Sichtflugbedingungen wird ein vermeintlich einfacher Notfall am Berg zu einer aufwendigen, zeit- und personalintensiven, bodengebundenen Rettungsaktion, die mit dem Hubschrauber rasch abgewickelt wäre“, erklärt der Schellenberger Bereitschaftsleiter Martin Wagner.

Pressemeldung BRK BGL

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser