Genehmigungsverfahren dauert an **mit Voting**

Dieses Projekt spaltet: Kommt ein zweites Wasserkraftwerk an die Saalach?

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Die Pläne für das Wasserkraftwerk Schneizlreuth stehen. Eine Genehmigung liegt noch nicht vor.

Schneizlreuth - Das Wasserkraftwerk Schneizlreuth befindet sich im Genehmigungsverfahren. Während die Gegner weitere Argumente anführen, um es zu verhindern, sind die Betreiber zuversichtlich ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Aber wie geht es weiter?

Der künftige Betreiber sieht es als Chance für eine CO2-neutrale Zukunft, Naturschützer befürchten eine 100-prozentige Verschlechterung für den Lebensraum Saalach und die Gemeinde Schneizlreuth fürchtet um die Sicherheit ihres Trinkwasserbrunnens. Kaum ein Projekt spaltet die Region derzeit so, wie das geplante Wasserkraftwerk Schneizlreuth.


Dabei kann die Entscheidung über die Genehmigung des Wasserkraftwerks noch gar nicht gefällt werden. Das wasserwirtschaftliche Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und die abschließenden Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Berchtesgadener Land liegen noch nicht vor. Das teilte das Landratsamt gegenüber BGLand24.de mit.

Die Gegner des Wasserkraftwerk Schneizlreuth fürchten um den Lebensraum Saalach.

Wasserkraftwerk Schneizlreuth: Fehlen im Antrag Unterlagen?

Demnach hätte das Wasserwirtschaftsamt umfangreiche Unterlagen nachgefordert, um seine Stellungnahme abgeben zu können. Das bestätigte Behördenleiter Walter Raith gegenüber BGLand24.de. In diesem Fall sei das Wasserwirtschaftsamt allgemeiner amtlicher Sachverständiger für wasserwirtschaftliche Fragen und gebe dem Landratsamt ein Gutachten ab.

„Um dieses Gutachten erstellen zu können, benötigen wir entsprechend aussagekräftige Unterlagen zu verschiedenen wasserwirtschaftlichen Belangen, wie z.B. Auswirkungen auf Hochwasser, Grundwasser, Geschiebetrieb und Gewässerökologie. Die bisher vorgelegten Unterlagen ließen die abschließende Beantwortung dieser Punkte noch nicht zu, daher haben wir weitere Unterlagen über die Rechtsbehörde vom Antragsteller erbeten.“

Ist das Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes das Zünglein an der Waage?

Josef Reschen, Geschäftsführer der Wasserkraft Schneizlreuth GmbH, ist sich sicher, dass mit den 2000 Seiten Unterlagen, die die Initiatoren eingereicht haben, alle nötigen Gutachten und Berichte vorliegen. Er wirft seinerseits einem Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes vor, immer alles abgeblockt zu haben.

Reschen will damit die Aussage Raiths widerlegen: „Im Fall Schneizlreuth haben wir den Antragsteller schon frühzeitig gebeten, die wesentlichen Punkte des Untersuchungsumfangs vorab mit uns abzustimmen. Dieses Angebot wurde bei der Erstellung der Antragsunterlagen weder vom Vorhabensträger noch von den beauftragten Fachplanern wahrgenommen.“

Von Unken bis Schneizlreuth, so sieht der Plan für das Wasserkraftwerk Schneizlreuth aus.

46 Einwendungen gegen Wasserkraftwerk Schneizlreuth

Letztlich weiß auch der Wasserkraft-Geschäftsführer, dass das Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes ein Problem für das Projekt werden könnte. „Doch die entscheidende Behörde ist das Landratsamt“, betonte er im Gespräch mit BGLand24.de. Dort sind neben den Stellungnahmen und Gutachten der beteiligten Behörden und Stellen 46 Einwendungen gegen das Projekt eingegangen.

„Bei der Einwendung Nr. 41 handelt es sich um eine Sammeleinwendung mit Unterschriftenlisten ‚Wasser ist Leben – Rettet die Saalach: Mission und Begründung‘ mit insgesamt 1.641 Unterschriften“, so ein Sprecher der Behörde. „Die Einwendungen werden, gegebenenfalls unter Einschaltung der Fachbehörden, geprüft. Beim Erörterungstermin besteht die Gelegenheit, die Einwendungen mit allen Beteiligten zu besprechen. Anschließend wird über jede Einwendung entschieden.“

Josef Reschen ist sich sicher, zum Teil die Befürchtungen ausräumen und sie zum Großteil auch widerlegen zu können. Als Beispiel nennt er die Mindestdurchflussmenge die bei vier Kubikmeter pro Sekunde liegt. „Wir werden 6,1 Kubikmeter pro Sekunde in der Saalach lassen.“ Auch die Bedenken der Gemeinde, dass der Tiefbrunnen zur Trinkwasserversorgung kein Wasser mehr haben könne, will er nicht gelten lassen. „So lang in der Saalach Wasser fließt, gibt es auch im Brunnen Wasser.“

Reicht „menschliches Ermessen" als Garantie?

„Das geplante Ausleitungsrohr von Unken nach Schneizlreuth liegt 700 Meter im Berg und weit vom Grundwasserbrunnen entfernt“, so der Geschäftsführer. Außerdem habe ein Gutachter bestätigt, dass eine „qualitative und quantitative Beeinträchtigung des Brunnens durch den Betrieb des geplanten Wasserkraftwerks nach menschlichem Ermessen auszuschließen ist“. „Menschliches Ermessen ist der Gemeinde aber zu wenig", kann Reschen die anhaltende Kritik nicht verstehen.

Dass die Saalach austrocknen oder verschlammen und sich Sandbänke bilden könnten sieht Josef Reschen durch Gutachten widerlegt. „Wir haben die Experten nicht genommen, damit wer für uns schummelt. Wir wollten es selbst wissen, ob an dieser Stelle ein Kraftwerk möglich ist.“

Für die Wasserkraft Schneizlreuth GmbH ist es möglich, ein Ausleitungskraftwerk zwischen Unken und Schneizlreuth zu bauen. An einer Wehranlage in Unken soll eine gewisse Menge Wasser aus der Saalach entnommen, über einen Triebwasserstollen tief in der Erde nach Schneizlreuth transportiert, im Kraftwerk zur Stromerzeugung genutzt werden bevor es wieder in die Saalach eingeleitet wird.

Für Naturschützer nicht denkbar. Auch die Gemeinde Schneizlreuth ist skeptisch. Letztlich liegt die Entscheidung beim Landratsamt. „Eine Aussage zum Zeitpunkt bzw. der Tendenz der Entscheidung ist derzeit nicht möglich“, heißt es aus der Behörde.

cz

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