Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nach jüngsten Vorkomnissen in Schneizlreuth

Noch kein standorttreuer Wolf in der Region – Einzelnachweise nehmen zu

-
+
Noch ist der Wolf im Berchtesgadener Land oder der Region noch nicht heimisch. Landwirte wollen, dass das so bleibt.

Der Wolf muss weg - eine Haltung, die bei heimischen Landwirten immer lauter wird. Dagegen steht der Schutzstatus des Tieres in der EU. Dass eine genaue Überwachung des großen Beutegreifers mehr als schwierig ist, bestätigt der jüngste Fall aus Schneizlreuth. BGLand24.de hat beim Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz nachgefragt. Aus deren Überwachungsgebiet kommt der „Schneizlreuther Wolf“.

Schneizlreuth - Am 3. Oktober hat Wolf „GW2953m“ aus dem Elternrudel Eschede/Rheinmetall in Niedersachsen im Ortsteil Ulrichsholz auf der Wiese zwischen Stidl- und Wastlbauer eine Hirschkuh gerissen. Das ist mittlerweile zweifelsfrei vom Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigt. Doch wie konnte der Wolf so weit von seiner Heimat auftauchen? Eine Frage, die BGLand24.de sowohl dem LfU, als auch dem Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz gestellt hat.

Die Antwort kommt unisono von beiden Seiten: „Eine systematische Erfassung der Wanderbewegungen jedes einzelnen Wolfes ist nicht möglich.“ Derzeit sind in Deutschland 89 Rudel, 19 Paare und 16 Einzeltiere bestätigt. Davon drei Rudel, ein Paar und zwei Einzeltiere in Bayern. Dabei handelt sich jedoch nicht um die jüngsten Einzelnachweise aus der Region, die im Vergleich zu 2016 deutlich mehr geworden sind. Der letzte standorttreue Wolf war von 2009 bis 2011 in Rosenheim im Großraum Mangfallgebirge bekannt.

Genaues Wolfsmonitoring möglich? Jüngster Fall in Schneizlreuth lässt zweifeln

„Als standorttreu gilt ein Wolf, wenn dieser über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachgewiesen wird oder eine Reproduktion belegt ist. Sofern innerhalb eines Monitoringjahres in dem Gebiet keine Nachweise erfolgen, wird dieses nicht mehr in der Liste der Gebiete mit standorttreuen Wölfen geführt“, heißt es auf der Internetseite des LfU. Von Seiten der Landwirte wird gefordert, zu handeln bevor ein Wolf standorttreu wird.

Doch der aktuelle Fall zeigt, wie schwierig es ist, den Wolf konkret zu überwachen. „Im Rahmen des niedersächsischen Wolfsmonitoring werden die Individuen der Art Wolf anhand von genetischen Analysen identifiziert“, berichtet eine Sprecherin des Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. „Die Analysen werden auf Grundlagen von vor allem Losungsproben und DNS-Abstrichen an Nutztierrissen durchgeführt. Wildtierrisse, Urinproben etc. machen in Niedersachsen einen sehr kleinen Teil der Probenmenge aus.“

Diese Daten würden mit Sichtungsmeldungen und Fotofallenaufnahmen kombiniert, um die residenten Wolfsvorkommen zu bestimmen. Auf diese Art würden möglichst viele Individuen in den Territorien bestimmt. Leider seien aber nicht alle bekannt (jährlicher Nachwuchs etc.).

Wanderbewegung eines Wolfs „in etwa nachvollziehbar“

Ein Wolf auf Wanderschaft wird also erst dann festgestellt, wenn er durch einen Nutz- oder Wildtierriss nachgewiesen wird. Deshalb werden die genetischen Analysen in Deutschland alle über das Senckenberg Forschungsinstitut durchgeführt. „So werden Verwandtschaftsbeziehungen aufgedeckt, die Wanderbewegungen in etwa nachvollziehbar machen“, bestätigt die Sprecherin des Niedersächsischen Ministeriums.

Ob der niedersäschsische Wolf noch in den Wäldern rund um Schneizlreuth unterwegs ist, wird sich also erst dann zeigen, wenn er wieder ein Wild- oder Nutztier reißt oder er in eine Fotofalle tappt. Eine Situation, die die Unzufriedenheit der Landwirte untermauert.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Problem mit dem großen Beutegreifer auch am oberbayerischen Alpenrand wieder größer wird“, glaubt Gabi Thanbichler, die neue Wolfsbeauftragte des Berchtesgadener Landes. Sie beobachtet bereits mit Sorge die Entwicklung in Tirol. „Wenn‘s rundherum schon so zugeht, wird das Thema auch bei uns rasant an Fahrt aufnehmen.“

Deshalb hat sie als Vertreterin des Bayerischen Bauernverbandes in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land eine klare Forderung: „Die Anti-Wolf-Zäune und deren Instandsetzung sollen vom Freistaat am besten komplett bezahlt werden und der Schutzstatus für den Wolf muss herabgesetzt werden.“

Eine Forderung, die auch Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nicht müde wird zu wiederholen. Doch bis diesbezüglich eine Entscheidung fällt bleibt den Landwirten derzeit nur die Möglichkeit, ihre Tiere einzuzäunen und abends einzusperren.

cz

Kommentare