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Testgrabungen bei Schneizlreuth

So schätzt das LfL die Bedrohung durch Maikäferengerlinge am Jochberg ein

Markus Steinbacher vom Kohlerbauer auf seinen zerstörten Wiesen
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Markus Steinbacher vom Kohlerbauer auf seinen zerstörten Wiesen.

Vor kurzem berichtete das Bayerische Fernsehen über Testgrabungen von Dr. Ullrich Benker, Regierungsdirektor an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Institut für Pflanzenschutz (IPS), in Niederbayern.

Schneizlreuth – Mit den Grabungen sollte festgestellt werden, wie hoch die Bedrohungslage nach den massiven Schäden 2019 derzeit ist. Leider liegt die Zahl der gefundenen Engelinge hier nach wie vor deutlich über der Schadschwelle von 40 Engerlingen pro Quadratmeter Boden. Weitere Kontrollgrabungen nahm Dr. Benker, zusammen mit einem größeren Grabungsteam, am 18. Mai auch im Gemeindegebiet Schneizlreuth, Ortsteil Jochberg vor.

Auch dort und in weiteren Ortsteilen der Gemeinde brachte der massive Schädlingsbefall 2019 mehrere Bauern in Existenznöte. Dr. Benker wollte mit den Kontrollgrabungen hier das gute Ergebnis eines Monitorings vom 13. September 2021 absichern. Es wurden insgesamt 50 Grabungen von jeweils einem Zehntel Quadratmeter auf den Flächen der fünf betroffenen Betriebe vorgenommen.

Gottlob blieben die Engerlingszahlen bei allen beprobten Wiesen deutlich unter der Schadschwelle! Laut Dr. Benker besteht also hier, im Gegensatz zu den Gebieten in Niederbayern, keine größere Gefahr durch Maikäfer-Engerlinge bis zum nächsten Hauptflugjahr 2024 und die Wiesen können sich erholen.

Wie Dr. Benker weiter erläuterte zeigte sich, dass sich neben den wenigen verbliebenen Engerlinge des zweiten Larvenstadiums (L2), die aus der Paarung und den im Boden abgelegten Eiern des Hauptflugjahres 2021 entstanden sind, auch deutlich größere Engerlinge des dritten Larvenstadiums (L3) aus dem Zwischenflugjahr 2020 im Boden befanden. Diese L3-Engerlinge verursachen allerdings 2022 keine größeren Fraßschäden mehr, da sie sich zwischen Juli und September 2022 bereits verpuppen und zum fertigen Käfer entwickeln werden.

Situation bleibt entspannt

Besonders gefräßig über die gesamte Saison 2022 wären im Prinzip nur die L2-Engerlinge. Aber die Zahlen dieser L2-Engerlinge sind aktuell wirklich sehr niedrig, so Benker. Auch wenn man die älteren L3-Engerlinge mit in die Beurteilung der Situation einbeziehen würde, so wäre die Schadschwelle immer noch nicht erreicht. Die Engerlings-Situation am Jochberg bleibt deshalb entspannt, so wie es bereits nach der Zählung im September 2021 prognostiziert wurde.

Beim nächsten Hauptflug 2024 werden die Karten zwar neu gemischt. Die Zahl der sich dann paarenden Käfer/Elterntiere, das sind die jetzigen L2-Engerlinge, wird sich bis dahin aber auch noch auf natürlichem Weg reduzieren. Eine mögliche Erklärung, warum die Engerlingszahlen am Jochberg im Vergleich zu denen im Bayerischen Wald so niedrig sind, dürfte ein plötzlich auftretender Schlechtwettereinbruch hier, mit tiefen Temperaturen, mitten im Schwärmflug 2021 sein.

Viele Weibchen schafften es wohl nicht mehr rechtzeitig ihre Eier in den Wiesen abzulegen, sondern verharrten erstarrt an den Bäumen und starben letztendlich. Dies beobachteten Bauern am Jochberg auch so. Dr. Benker kann verstehen, dass die Bauern und die Bevölkerung immer noch die schlimmen Schadbilder aus dem Jahr 2019 im Kopf haben. Da falle es nicht leicht zu glauben, dass das Hauptschadensjahr 2022 mehr als glimpflich verlaufen werde – aber die Daten seien eindeutig!

Die Ergebnisse der Grabungen wurden zwischenzeitlich den Betroffenen Bauern am Jochberg ebenfalls detailliert mitgeteilt. Auf Nachfrage bei ihnen und ihren betroffenen Kollegen in Weißbach an der Alpenstraße, Melleck und Ristfeucht bestätigten alle, dass sich die Grasnarbe, auch in den Steilflächen, wieder erholt und regeneriert hat, und eine normale Bewirtschaftung, wie vor dem Schadensereignis, möglich ist. Allerdings wollen einige noch den weiteren Verlauf abwarten, bis sie ihren Viehbestand wieder auf die alte Stückzahl aufstocken. Nur ein Bauer gab 2020 die Landwirtschaft endgültig auf.

Rückblick auf das Katastropenjahr 2019

Rückblickend auf das Katastophenjahr 2019 stellten die Bauern am Jochberg in Weißbach an der Alpenstraße im Ortsbereich selber und in den weiteren Ortsteilen Melleck und Ristfeucht der Gemeinde Schneizlreuth im Spätsommer 2018 fest, dass die Grasnarbe auf einigen Flächen ihrer Felder abstarb und dürr wurde. Bald stand auch der Grund für diese Schäden fest – es waren massenhaft Maikäferengerlinge am Werk, die die Wurzeln der Pflanzen abgefressen hatten.

Im Frühjahr und Sommer 2019 entwickelte sich die Schadenlage dann immer dramatischer, so dass sich zuerst das AELF Traunstein, dann weitere Fachleute und Unterstützer mit Einschalteten. Allerdings ging der Kahlfraß so schnell voran, dass die meistern Flächen, insbesondere in den dort vorherrschenden Steillagen, weder mit Maschinen befahrbar waren, noch Weidevieh aufgetrieben, noch an eine Gras- und Heuernte zu denken war.

Da man Erfahrungen mit der Bekämpfung und solchen Schadenverläufe nur im benachbarten Österreich, etwa im Heutal in Unken und im Salzburger Land hatte, musste auf bayerischer Seite erst in monatelangen Verhandlungen und vielen Besprechungen geklärt werden, wie man den Schädling überhaupt bekämpfen kann. Als eine der Möglichkeiten kam die Einbringung von Pilzgerste, in Österreich kein Problem, wohl aber in Deutschland, ins Gespräch.

Alternativ stand zur Debatte, die Flächen zu fräsen und neu einzusäen, sie durch leichte Kälber zu beweiden oder die Felder massiv mit Gülle zu düngen. Da sich auch Biobauern unter den Geschädigten waren , sich Wasserquellen im Einzugsbereich befinden und bezuschusste Flächen umfangreichen Regularien und Verboten unterliegen, dauerte es weitere Monate bis offene Fragen geklärt waren. Schließlich wurde von den zuständigen Behörden und Ämtern die Ausbringung der Pilzgerste und das Fräsen einiger Flächen genehmigt und weiter festgelegt, welche Grassamenmisschung zur Wiederbegrünung ausgebracht werden darf.

Die Situation eskalierte zwischenzeitlich endgültig, als bei einem Starkregenereignis im August 2019, in den Steillagen am Jochberg, der Mutterboden erodierte. Aufgrund dieses Ereignisses schaltete sich auch die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und der damalige Landrat Georg Grabner ein. Durch mehrere großzügige Geld- und Futtermittel-Spendenaktionen wurde schließlich sichergestellt, dass die Bauern ihre Tiere nicht verkaufen mussten. Unter anderem konnten so die Kosten für das Ausbringen der Pilzgerste in den Steilhängen durch ein Spezialfahrzeug aus Unken, das teuere Saatgut und weitere Ausgaben gedeckt werden.

wb

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