"Sind für jede Hilfe dankbar"

Sieben Bauern kämpfen am Jochberg gegen Käferlarven und um ihre Existenz

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Die Engerlinge haben am Jochberg in Schneizlreuth 57 Hektar Wiese zerstört. Futter wird dort die kommende Jahre nicht zu holen sein.
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Schneizlreuth - Der von den heimischen Bürgerstiftungen eingerichtete Matching-Fund soll zumindest die Kosten des Saatgutes der Bauern decken, die am Jochberg gegen Käferlarven (Engerlinge) und um ihre Existenz kämpfen. Doch reicht das aus?

"Wir sind für jede Hilfe dankbar", betont Schneizlreuths Bauernobmann Martin Holzner. Er kämpft seit 2011 darum, dass das Problem am Jochberg Ernst genommen wird. Käferlarven von Mai- und Juni-, sowie anderen Käfern (sogenannte Engerlinge) fressen aus der Erde heraus das Gras. "Heuer ist das Problem explodiert", so Holzner. 57 Hektar Wiese sind braun und von den Engerlingen komplett aufgewühlt.

Für die sieben Bauern, denen die Wiesen gehören, heißt das Futter zukaufen. Keinen eigenen Futterertrag durch das Mähen der Wiesen. "Ein Bauer hat von seiner Fläche ganze sieben Ballen zusammengebracht, damit fütterst du nicht mal einen Gaisbock", versucht Holzner das Problem darzustellen.

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Mittlerweile hat der Freistaat Bayern geholfen und das Ausbringen der Pilzgerste übernommen. Dem musste aber zuerst das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zustimmen. "Diese Zustimmung ist einmalig. Wenn die Ausbringung der Pilzgerste keinen Erfolg bringt, geht das ganze nächstes Jahr von vorne los."

600 Kilo Saatgut für einen Bauern

Der Bauernobmann rechnet damit, dass vielleicht 30 Prozent der Engerlinge auf diesem Weg vernichtet werden können. "Beim Auffräsen wären es 80 Prozent, aber auf Hangflächen ist das so gut wie unmöglich." Ein Bauer hat es versucht und bis jetzt sieht es gar nicht so schlecht aus. "Dadurch dass der Boden bereits so aufgewühlt war, hat sich die Erde mit der festeren unteren Schicht vermischt und macht einen stabilen Eindruck", so Martin Holzner.

Trotzdem gibt er zu bedenken: "Bevor wir wieder solche Wiesen wie vor ein paar Jahren haben, werden fünf bis sechs Jahre vergehen." Zeit, in der die Bauer Geld für ihr Futter ausgeben müssen. Auch kann erst nächstes Jahr abgeschätzt werden, wo noch einmal gesät werden muss. "Ein Kilo Saatgut kostet sieben bis acht Euro. Ein Bauer braucht beispielsweise 600 Kilo."

Notfallplan in die Schublade

Braun statt grün: die Engerling-Plage in Schneizlreuth ist explodiert. 57 Hektar Wiese sind zerstört.

Geld, das zumindest in diesem Jahr durch die Spendenaktion der Bürgerstiftungen der heimischen Banken zusammenkommen soll. Doch was ist im kommenden Jahr? Martin Holzner will nicht ruhen, bis im bayerischen Landwirtschaftsministerium ein Notfallplan für solche Fälle in der Schublade liegt, "dass man schneller handeln kann". Denn der Weg über das Landwirtschaftsministerium in München und das Verbraucherschutzministerium in Berlin waren lang.

Zeit, die die Bauern eigentlich nicht haben. Denn normal fliegen die Käfer alle drei Jahre. "Ich habe schon wieder Käfer gesehen, bei uns fliegen die mittlerweile jedes Jahr", betont der Bauernobmann. Mittlerweile sei das Problem auch im Dorf angekommen. Außerdem würde das bisschen Gras, das auf den neu eingesäten Wiesen aufkommt, das Rotwild fressen.

Ein Grund mehr für Martin Holzner, weiterzukämpfen. Kämpfen, um die Hilfe für die Bauern, um die Anerkennung des Problems und um eine dauerhafte Lösung.

cz

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