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„Nicki‘s-Bergcamp“ offiziell eröffnet

Neues Leben für Pfarrerbauerhof in Schneizlreuth nach verheerendem Brand

Nicki und Volker Huberg
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Nicki und Volker Huberg machen ihren Traum wahr

481 Jahre ist es nun her, dass der Pfarrerbauerhof im Jahr 1541 direkt an der damaligen Tiroler Reichsstraße in Schneizlreuth als Einfirsthof erbaut wurde. In diesen Jahrhunderten haben der Hof und seine Bewohner vermutlich nicht nur freudige Ereignisse erlebt. Zu den traurigsten Geschehnissen zählt aber sicher der verheerende Brand, der am 23. Mai 2015 gegen 3 Uhr Morgens, den kompletten vorderen Teil des Anwesens vernichtete.

Schneizlreuth – Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 50 Mitarbeiter der Firma Lindner aus dem niederbayerischen Arnstorf im Gebäude, die dort ein Firmenjubiläum feierten. Sechs von ihnen starben in den Flammen, acht weitere Mitarbeiter erlitten schwere Verletzungen. Schon damals war es für die Betroffenen, aber auch für viele Einheimische eigentlich unvorstellbar, dass der Hof wieder aufgebaut und bewohnt wird. Dass beide Szenarien nicht eingetroffen sind und am vergangenen Wochenende, im Rahmen einer kleinen Feier, „Nickys-Bergcamp“ offiziell eröffnet wurde, freut alle umso mehr.

Dass der Hof saniert wird, stand für den Vorbesitzer Herrn Rudolf Legner außer Frage. Die Bemühungen danach, diesen zu verkaufen, gestalteten sich allerdings schwierig. Kurzzeitig überlegte sogar die Gemeinde Schneizlreuth, ihr Verwaltung dorthin zu verlegen. Dass Nicki und Volker Huberg in Schwerte, mitten im Ruhrgebiet, bereits seit geraumer Zeit solche ein Objekt gesucht und einen eventuellen Kauf auch bereits gut vorbereitet hatten, zeigte sich spontan, als der Pfarrerbauerhof, Anfang 2020, über ein Maklerbüro offeriert wurde. Wie die beiden in einem Gespräch erzählten, trafen sie ihre Entscheidung nach einer Besichtigung innerhalb einer Woche. Zum einen war der Kaufpreis finanzierbar, das Anwesen hatte bereits die erträumte „Event-Scheune“ und für das große Grundstück war ein großes Entwicklungspotenzial erkennbar. Bereits vier Wochen später wurde der Kauf notariell beurkundet. Kurios war es, dass, wegen des zwischenzeitlich verhängten Corona-Lockdowns in Bayern, die Käufer in Schwerte und der Vorbesitzer beim Notar in Traunstein saßen.

Traum von kleinem Alpenhotel in den Bergen

Den Traum von einer kleinen Pension, einem kleinen Alpenhotel oder einem Tagungszentrum mit Event-Scheune in den Bergen, entwickelte Nicki schon in der Zeit als sie mit 25 Jahren von Düsseldorf an den Tegernsee zog und dort im Bereich Marketing und Eventmanagement für IT Unternehmen tätig war. Nachdem sie den Prüfingenieur und KFZ-Sachverständigen Volker Huberg kennengelernt hatte, zog sie zu ihm nach Schwerte. Was allerdings dorthin mitreiste, war die wachsende Sehnsucht nach den geliebten Bergen und der geschilderte Traum. Auch Volker liebäugelte bereits seit einiger Zeit in ähnlicher Weise, träumte aber von einer „Motorrad-Scheune“. Die Suche nach einem entsprechend bezahlbaren Objekt führte sie über München, Tegernsee, Rosenheim, Traunstein eben nach Schneizlreuth.

Nach dem Kauf zogen die Huberg‘s bereits im Juni 2020 in den Pfarrerbauerhof um. Unterstützt von Fachfirmen aus der Gemeinde und der näheren Umgebung, gingen die neuen Besitzer umgehend daran, die vom Brand nur marginal beschädigte Tenne zu sanieren und im vorderen Teil des Bauernhauses, zwei abgeschlossene Wohneinheiten zu schaffen. Eine davon für sich selber und das Erdgeschoss für die Eltern von Volker, die später mit in den Pfarrerbauerhof einzogen. Froh sind die Huberg‘s darüber, dass sie von den heimischen Firmen und Unternehmern fachlich kompetent und sehr zuverlässig bei den Umbauarbeiten begleitet wurden. Als sehr positiv empfanden sie es auch, dass viele Einheimische ihre Bekanntschaft suchten und sich sehr positiv über den Neustart äußerten.

Bei verschiedenen Ortsterminen mit dem Architekten, dem Bauamt und dem Denkmalschutzamt des Landratsamtes konnte bald auch geklärt werden, welche baulichen Entwicklungsmöglichkeiten es für das Grundstück gibt. So wurde schnell klar, dass der Innenhofbereich Richtung Westen nicht weiter bebaut werden kann, sehr wohl aber das etwa 1.500 Quadratmeter große Areal parallel zum neuen Bauhofgebäude der Gemeinde. Da auch ursprünglich schon geplant war ein Gästehaus für Teilnehmer von Veranstaltungen zu errichten, sollte dort ein Gästehaus entstehen, was so auch genehmigt und 2022 fertiggestellt wurde. Das Gästehaus beinhaltet vier Ferienwohnungen für bis zu 16 Gäste. Diese können auch zu Doppelzimmern umfunktioniert werden.

Fest steht zwischenzeitlich, dass die Event-Tenne in Zukunft nur mehr für maximal 60-80 statt bisher für 200 Besucher ausgelegt ist. Mit Nutzung der Terrasse könnten maximal etwa 100-120 Besucher Platz finden. Neben Firmen soll die Tenne auch Vereine, Einheimischen und Jubilaren aller Couleur zur Verfügung stehen. Touristisch möchte „Nicki‘s-Bergcamp“ Menschen ansprechen, die gern in den Bergen einen bayerisch-rustikal Urlaub „mit Familienanschluss“ machen wollen und die Natur lieben. Denen könnte laut Huberg‘s Schneizlreuth als zentralen Ausgangspunkt für allerlei Aktivitäten und Ausflüge im südostbayerischen Raum und dem angrenzenden Österreich, im Sommer, wie im Winter dienen.

Da beide noch uneingeschränkt berufstätig sind, wird der Schwerpunkt vorerst auch auf dieser touristischen Nutzung liegen. Wie Nicki und Volker betonen, ist kein Hotelbetrieb geplant. Wichtigstes Ziel für die beiden ist es, bodenständige Angebote zu machen, die sich nicht am üblichen Massentourismus orientieren, sondern eher an die Vermieterkultur vergangener Zeiten anknüpfen, als die Urlaubsgäste nicht nur Familienkontakt hatten, sondern Teil der Familie waren.

Wie mit dem verheerenden Brandereignis umgehen?

Wenn man ein Haus kauft, in dem erst vor wenigen Jahren 6 Menschen ihr Leben verloren und einige schwer verletzt wurden, ist es laut Nicki und Volker unvermeidlich, sich mit der Katastrophe emotional und pragmatisch auseinanderzusetzen. Sehr wichtig war es für die neuen Besitzer dabei, dies in respektvoller Art und Weise zu tun und auch offen darüber zu sprechen. Schließlich wird dieses Ereignis immer Teil der Geschichte des Pfarrerbauernhauses sein und bleiben. Bedeutend ist es für Nicki und Volker aber auch, dass es für die Angehörigen an der Gedenktafel vor dem Anwesen möglich ist, der Opfer zu gedenken, für das andere Areal am Pfarrerbauerhof ihre Privatsphäre gewahrt und auch von den Angehörigen der Brandopfer respektiert wird. Dies war anfänglich, als noch eine kleine Gedenkstelle mit Bildern der Verstorbenen direkt an der Tenne platziert war, nicht so gewesen.

Für einige Angehörige der Opfer war es offenbar sehr schwer zu realisieren, dass nun in den Pfarrerbauernhof neues Leben, mit positiven, in die Zukunft gerichteten Akzenten eingekehrt ist. Einerseits können die beiden verstehen, dass die direkt Betroffenen, die Einheimischen, aber auch die Einsatzkräfte des Brandunglücks einen anderen, emotionalen Bezug zum Pfarrerbauerhof haben. Andererseits hat es nach ihrer Meinung in der Hausgeschichte seit 1541 sicher auch das ein oder andere dramatische Ereignis gegeben und sind Menschen im Anwesen gestorben. Ständig darüber nachzugrübeln bringt nichts, wie Nicki feststellte. Man muss auch den Mut haben, bestimmte Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, ruhen zu lassen und mit ihnen, aber auch mit sich selber Frieden zu schließen. Deshalb ist es für Nicki und Volker von großer Bedeutung, dass es mit dem Gästehaus, der zugehörigen Terrasse und der Event-Scheune einen klar abgegrenzten öffentlichen, vorderen Bereich und auf der anderen Seite den privaten Bereich, mit den beiden abgeschlossenen Wohnungen im Pfarrerbauernhof gibt. Sie freuen sich aber auch insbesondere darüber, dass ihr Traum in Erfüllung ging und sie ihren Lebensmittelpunkt nun im Pfarrerbauerhof in Schneizlreuth gefunden haben.

wb

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