Wasserkraft für Schneizlreuth?

Bürgermeister Simon: "Kraftwerk verändert Status Quo"

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Schneizlreuths Bürgermeister Wolfgang Simon ist sich sicher, dass der Status Quo der Saalach durch das Kraftwerk verändert wird.
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Schneizlreuth - Eine Informationsveranstaltung der Initiatoren des geplanten Wasserkraftwerks Unken/Schneizlreuth hat die Meinung von Bürgermeister Wolfgang Simon nicht geändert. Mit seiner ablehnenden Haltung steht er nicht alleine da.

Ein an der Saalach zwischen Unken und Schneizlreuth geplantes Wasserkraftwerk erhitzt derzeit die Gemüter. Eine Informationsveranstaltung der Initiatoren des Projekts hat daran nichts geändert. "Es war ein Schlagabtausch und sehr emotional", Bürgermeister Simon nimmt sich bei dieser Einschätzung nicht aus. Dabei sei er zu Beginn völlig neutral an das Thema herangegangen.

Mittlerweile treiben ihn aber drei große Themen um, "das Wasser, der Lebensraum und die Hochspannungsleitung". Vor allem das Wasser, also der Trinkwasserbrunnen der Gemeinde soll von den Plänen auf keinen Fall beeinträchtigt werden. "Ein Gutachter hat bestätigt, dass dem Trinkwasserbrunnen der Gemeinde keine Nachteile entstehen werden", betonte Initiator Josef Reschen im Gespräch mit BGLand24.

"Auch Gutachter können sich irren", zeigt sich Wolfgang Simon noch nicht überzeugt. Er will Garantien von den künftigen Betreibern, dass der Brunnen nicht beeinträchtigt wird. Das Gutachten von Hydrogeologe Wolfgang Gadermayr schließt "nach menschlichem Ermessen eine qualitative oder quantitative Beeinträchtigung des Brunnens aus".

Wer garantiert?

"Für die Beurteilung des obersten Verwaltungsgerichtes sind menschliches Erkenntnisvermögen und praktische Vernunft das Maß aller Dinge", so Reschen. Nicht so für den Bürgermeister: "Wen kann ich zur Rechenschaft ziehen, wenn der Brunnen dann doch verunreinigt ist? Wenn in 30 bis 50 Jahren ein Problem auftritt? Den Gutachter sicher nicht, er hat ja nichts garantiert."

Die Saalach ist aus Sicht von Josef Reschen ein geeigneter Fluss für ein Wasserkraftwerk.

Dennoch bleiben Josef Reschen und sein Partner Johann Abfalter dabei, dass "das Wasserkraftwerk eine umweltschonende Möglichkeit bietet, den Strombedarf in der Region teilweise zu decken. (...) Der Bau des Kraftwerks bietet aber viele weitere Vorteile:

  • Bereits während der Bauzeit, aber natürlich auch ab der Inbetriebnahme werden neue Arbeitsplätze geschaffen und auch spürbare Steuereinnahmen lukriert.
  • Von der Gemeinde kann die Bauaufschließung als künftiger Fahrradweg übernommen werden, um so eine Alternative zur Durchfahrt durch den verbauten Ortsteil von Unterjettenberg zu bieten.
  • Durch die Errichtung einer Lärmschutzwand sollen Bürger, die jetzt vom Straßenlärm belastet sind, geschützt werden."

Beeinträchtigung der Artenvielfalt?

Auch für Wolfgang Simon teilweise Argumente für das Projekt, aber er ist sich sicher, dass das Kraftwerk an sich den Status quo der Saalach im geplanten Gebiet verändern werde. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Auch der künftige Betreiber, die Wasserkraft Schneizlreuth GmbH & Co. KG, schreibt in einer Presseaussendung nach der Informationsveranstaltung: "Befürchtungen seitens der Bevölkerung bezogen sich unter anderem auf die Beeinträchtigung der Artenvielfalt durch den Kraftswerksbau und die Inbetriebnahme."

Die Stellungnahme dazu: "Aufgrund einerverantwortungsbewussten Bauweise bleiben die Lebensräume rund um die Saalach garantiert erhalten – es wird während des Baus und auch bei der Inbetriebnahme absolute Rücksicht auf die ökologischen Belange genommen. Die Betreiber wiesen auf den umfangreichen Artenschutzbeitrag hin, der Schutzvorkehrungen für 15 Fledermäuse, für sämtliche Reptilien, Insekten und Vögel vorsieht."

Kritisch hinterfragen

Eine Tatsache, die sowohl die Saalachtal-Allianz und die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben – Rettet die Saalach" nicht glauben will. Sie befürchten große Auswirkungen auf die Natur und den Artenschutz und appellieren ganz klar: "Wenn die Natur solch großen Schaden nimmt, dass am Ende keine Gämse mehr springen und kein Fisch mehr schwimmen kann, hilft uns auch der erneuerbare Strom aus der Steckdose nicht weiter."

Judith Hackinger und ihre Mitstreiter "hinterfragen das Kraftwerk aus einem kritischen Blickwinkel". Sie bezweifeln, dass der enorme Aufwand und dessen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt einen tatsächlichen Nutzen für die Region bringen könne. Auch Bürgermeister Wolfgang Simon hat da seine Zweifel: "Ich bin mir sicher, wir werden den Fluss nicht mehr so vorfinden wie jetzt."

Die endgültige Entscheidung, ob das Kraftwerk gebaut werden kann, liegt beim Landratsamt Berchtesgadener Land. Die Unterlagen dazu liegen derzeit in der Gemeinde Schneizlreuth aus und sind auf der Internetseite des Landratamtes abrufbar. Die Gemeinde muss bis 31.10. ihre Einwände vorbringen. Die Bürger haben bis 4.12. Zeit.

cz

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