Schneizlreuth: Griechenland ohne Rettungsschirm

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Schneizlreuth - Während Bayern über Schuldenfreiheit bis 2030 diskutiert, überlegt die Gemeinde Schneizlreuth, wie sie dringende Bauprojekte finanzieren soll - ohne Geld.

"Wir sind ein Griechenland ohne Rettungsschirm", ist Bürgermeister Klaus Bauregger bereits beim Galgenhumor angekommen. "Wir haben lange Gemeindestraßen, müssen drei Schluchten, zwei Feuerwehrhäuser, das Rathaus, das Haus des Gastes und den Kindergarten erhalten", versucht das Gemeindeoberhaupt die hohen Ausgaben zu erklären. "Und wenn wir von den Steuereinnahmen mal ein gutes Jahr haben, dann fließt das Geld über die Kreisumlage wieder weg und durch niedrigere Schlüsselzuweisungen nicht wieder rein."

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2009 sei nämlich eigentlich ein gutes Jahr in der 1400-Seelen-Gemeinde gewesen. Doch ein Drittel des Haushalts (rund 400.000 Euro) floß in bedürftigere Gemeinden im Landkreis. "2010 hatten wir dann Steuerausfälle von 200.000 Euro", so Bauregger. Es half alles nichts, der Bürgermeister musste mit dem Landrat zusammen beim Bayerischen Finanzministerium zu Kreuze kriechen. "Wir brauchen einen Betrag, der uns weiterhilft, als Zuschuss", bringt es das Gemeindeoberhaupt auf den Punkt. Ein Überbrückungskredit helfe der Gemeinde nicht, da sie den ja wieder zurückzahlen müsste. "Eine Rückzahlung reißt uns wieder rein", ist sich Bauregger sicher.

Denn selbst wenn die Steuereinnahmen wieder steigen, stehen in der Gemeinde dringende Baumaßnahmen an. "Wir brauchen ein neues Feuerwehrhaus, das alte ist nicht mehr sicher." Ein beantragter Kredit dafür wurde bereits nicht genehmigt. Außerdem müssten die Stege in der Weißbachschlucht, 52 insgesamt, saniert werden.

Ohne Finanzsspritze weiß Bürgermeister Klaus Bauregger nicht, wie Schneizlreuth sich selbst sanieren könnte.

Projekte wie diese haben in den vergangenen Jahren überhaupt erst dafür gesorgt, dass Schneizlreuth so in den Miesen (696.000 Euro, Schuldenstand 2010) steckt. "Wir mussten zwei neue Feuerwehrautos kaufen, Straßen sanieren und den Kanal bis Melleck bauen", nennt Bauregger nur ein paar Haushaltspunkte, die "viel Geld" gekostet haben. Noch dazu liege eine siebenstellige Summe in dem ausgewiesenen Baugebiet Schneizlreuth/West brach. Es läuft eine Kontrollklage der Gegner und so lange können keine Grundstücke veräußert werden.

"Wir brauchen nur einmal echte Hilfe, dann schaukeln wir das schon wieder", ist sich der Bürgermeister sicher. Dafür muss die Gemeinde dem Finanzministerium aber erstmal ein Haushaltssanierungskonzept vorlegen. Daran werde gerade, genauso wie an dem eigentlichen Haushalt, gearbeitet. "Ende April, Anfang Mai spätestens muss beides stehen", so das Gemeinde-Oberhaupt. Dann entscheidet sich, ob Schneizlreuth finanziell gerettet ist oder nicht.

cz

Rubriklistenbild: © pa/Gemeinde Schneizlreuth

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