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Wege verfallen und historische Gletscherspuren verschwinden

Wildwuchs: Gletschergarten bei Schneizlreuth seit Jahren Sanierungsfall – das ist dagegen geplant

Ende 1930 wurde der Gletschergarten bei Schneizlreuth eröffnet (links). Heute macht sich die Pflanzenwelt breit (rechts) und eine Sanierung ist lange fällig. (Collage)
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Ende 1930 wurde der Gletschergarten bei Schneizlreuth eröffnet (links). Heute macht sich die Pflanzenwelt breit (rechts) und eine Sanierung ist lange fällig. (Collage)

Der Gletschergarten an der B305, direkt an der Ortsgrenze zwischen Weißbach a.d.A. und Inzell gelegen, ist ein erhaltenswertes Relikt aus der Würmeiszeit, als sich ein Seitenstrom des Saalachgletschers bis nach Inzell ausdehnte.

Schneizlreuth – Bei Bau der Deutschen Alpenstraße (B305) wurde das Areal zwischen 1934 und 1936 freigelegt und leider ein Teil davon abgesprengt. Vermutlich wäre noch mehr zerstört worden, wenn nicht die bayerische Geologin Dr. Edith Ebers mit einer ungeheueren Kraftanstrengung erreicht hätte, dass die Sprengarbeiten eingestellt und die Straßenführung geändert wurde. Nach einer umfangreichen geologischen Untersuchung des Areals, wurde ein Teil wieder mit Schotter überschüttet, um es vor Erosion schützen zu können. Ein sehr ausdrucksstarker, aussagekräftiger Teil des Gletschergartens wurde aber für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist seither ungebrochen ein Besuchermagnet.

Bisherige Instandhaltung nicht ausreichend: Wegenetz wird schlechter

Leider verwuchert der Gletschergarten aber seit Jahren und auch die Wege und Absturzsicherungen sind in einem sehr schlechten Zustand. Die Baulast und Kostenverantwortlichkeit liegt beim Eigentümer, dem Straßenbauamt Traunstein beziehungsweise bei der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben). Die Gemeinde Schneizlreuth verpflichtete sich schon im Dezember 2015 zur Übernahme der Verkehrssicherungspflicht und zur Instandhaltung des Wegenetzes. Leider wurden seither nur die notwendigsten Arbeiten erledigt, was zur Folge hat, dass die Wege immer schlechter begangen werden können und Absturzsicherungen fehlen.

Auf mehrere Pressanfragen informierte der Leiter des Straßenbauamtes Traunstein, dass seit Ende letzten Jahres versucht werde, ein klärendes Gespräch mit der Gemeinde Schneizlreuth und der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Berchtesgadener Land zu organisieren. Schneizlreuth‘s Bürgermeister Wolfgang Simon bestätigte, dass er seit Monaten versuche zu klären, wer die Kosten für die Planung für eine Wegesanierung tragen müsse. Wie es derzeit aussehe, werde die Gemeinde darauf sitzen bleiben.

Gletschergarten nach Freilegung und Öffnung für Besucher Ende der 1930er Jahre

Kosten der Instandsetzung des Gletschergartens werden ermittelt

Allerdings trägt das Straßenbauamt die Kosten für die spätere Ausführung der notwendigen Arbeiten. Derzeit lasse er die Kosten für die Planung ermitteln. Ob diese dann, wegen der angespannten finanziellen Lage der Kommune, tatsächlich heuer noch gestemmt werden können, müsse geprüft und dann vom Gemeinderat abgesegnet werden. Schwierig ist es offenbar sowohl für das Bauamt, wie für die Gemeinde, weitere Maßnahmen zur Säuberung des Areals vom zunehmenden Wildwuchs mit der unteren Naturschutzbehörde (uNB) zu besprechen, da seit Dezember 2021 Terminanfragen leider ins Leere laufen.

Auf eine Presseanfrage informiert die uNB am 10. Januar 2022 zumindest, dass sie beratend und für die Abwicklung der Maßnahmen zuständig sei. Außerdem sei Gemeinde und das staatliche Bauamt als Verkehrssicherungspflichtige betroffen. Wie bereits in der Vergangenheit geschehen, würden auch in diesem Jahr, unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit, des Naturschutzes sowie des Naturdenkmalschutzes, Maßnahmen zur Reduzierung des Bewuchses koordiniert vorgenommen.

Der Gletschergarten verwuchert zusehends und seine Charakteristik verschwindet unter Bewuchs

Neue Beschilderung für den Gletschergarten?

Weiter schlägt die uNB vor, das vorhandene Schild zur Entstehung durch ein modernes Informationsschild zu ersetzen. Beim bayerischen Umwelt- und Verbraucherschutzministerium gebe es für die Beschilderung solcher Schutzkategorien bereits ein Corporate Design. Die Ausarbeitung und Finanzierung könne über Fördermaßnahmen durch die untere Naturschutzbehörde, in Rücksprache mit den betroffenen Akteuren stattfinden. In einem bereits angesetzten Termin mit der Gemeinde, dem StBA und der BaySF werde der angesprochene Sachverhalt, samt daraus resultierender Maßnahmen thematisiert werden. Allerdings teilte die Pressestelle des Landratsamtes auf eine weitere Anfrage, warum der Termin noch nicht stattgefunden habe am 21. April, mit: „Es war ‚angesetzt‘ also vereinbart, einen gemeinsamen Termin durchzuführen. Das genaue Datum stand noch nicht fest.“

Wann dieser definitiv stattfinden wird, darauf gab es leider keine Antwort. Ob es unter diesen Umständen gelingt, das einmalige Naturdenkmal der Öffentlichkeit wieder als solches anschaulich und aussagekräftig zugänglich zu machen, steht also offenbar weiter in den Sternen. Eine Werbung am „Eingangstor zum Berchtesgadener Land“ ist der Gletschergarten im derzeitigen Zustand sicherlich nicht.

wb

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