Bergwacht bildet Lawinenhunde aus

Hier lernen Hunde fliegen

+

Schneizlreuth/Oberjettenberg - Die Lawinenhunde Mia, Bacira und Kenn sollen zukünftig Verschütteten das Leben retten. Dabei zählt jede Sekunde!

Im Leben von Mia, Bacira und Kenn ist es das erste große, spannende Winter-Abenteuer am Berg: Die erst neun Monate alte Australian-Shepherd-Hündin und die beiden einjährigen Schäferhunde sind die Frischlinge beim 19. einwöchigen Winterkurs der Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau, die traditionell auf dem Hochplateau der Reiter Alpe ein Ausbildungscamp bezogen hat und ungestört und abgeschottet von der Außenwelt die Suche nach verschütteten Wintersportlern trainiert.

"alte Hasen" und "junge Hunde"

Ihre Herrchen, die Bergwachtmänner Thomas Küblbeck aus Marktschellenberg, Achim Tegethoff aus Marquartstein und Hannes Jahrstorfer aus Bad Reichenhall sind seit Jahrzehnten dabei und erfahrene, alte Hasen, doch die Junghunde stehen ganz am Anfang und müssen Schritt für Schritt auf ihren zukünftigen ernsten Job vorbereitet werden. Dass es dabei um Leben und Tod geht, ahnen die Vierbeiner nicht, denn für sie ist die Suche nur ein triebgesteuertes Spiel. Erst nach rund drei Jahren, vielen Geduldsproben und hunderten Übungsstunden sind sie umfassend einsetzbar.

Betonharter Schnee umhüllt den Körper

Für die vierjährige Chica ist es nur ein Spiel, für den unter tonnenschwerem Schnee verschütteten Tourengeher geht es im Ernstfall um Leben und Tod – jede Minute zählt. Der Marktschellenberger Bereitschaftsleiter und Hundeführer Martin Wagner gibt nur Handzeichen und die voll ausgebildete C-Hündin folgt wie an einer unsichtbaren Leine geführt und steuert schnurstracks auf mein Schneeloch zu. Es ist dunkel und kalt und ich kann mich nicht bewegen; der betonharte Schnee umhüllt meinen Körpe r und lässt mir nur eine winzige Atemhöhle.

Im Loch hört man alles: Das Surren des Hubschraubers, der das Suchhundeteam per Winde abgesetzt hat, jeden Schritt der Helfer und das Schnüffeln des Hunds, zwei Meter über mir. Wann werden sie mich finden? Die Zeit wird relativ im weißen Grab. In den diffusen Resten des Tageslichts, die durch den Schnee nach unten dringen, zeichnen sich flackernde Schatten ab, als der Lawinenhund vorbeihuscht. Sie sind ganz in der Nähe; gleich wittert er mich. Gefangen in der Bewegungslosigkeit des Lawinenfelds läuft ein Kopfkino ab, denn selbst die leisesten Geräusche dringen zu mir herab und präsentieren sich als bizarres Hörspiel. Ich bin verschüttet, aber verfolge genau, wie sie nach mir suchen. „So feinsinnig sieht wohl nur ein Blinder“, denke ich mir und will meinen Rücken etwas drehen, der vom langen Liegen bereits schmerzt; keine Chance, denn die Höhle ist zu eng und der Schnee zu hart. Das Schnüffelgeräusch kommt näher; ein Scharren über mir und es knirscht, als der Vierbeiner zu graben anfängt. „Einsatzleitung von Hundeführer – mein Hund verweist!“, schallt es aus den Funkgeräten der Suchmannschaft. Nach wenigen Minuten erscheint eine scharrende Pfote vor meinem Gesicht, dann folgt die Schnauze und schließlich blicke ich in die Augen meines vierbeinigen Retters, der mich im riesigen Lawinenfeld zielsicher gefunden hat. „Gut gemacht, Chica!“ Zur Belohnung bekommt sie ihr Bringsel, das liebste Spielzeug. Nur mit viel Mühe gelingt es den nachrückenden Schauflern, mich aus meiner misslichen Lage zu befreien. Klar, alles nur eine Übung, doch ohne fremde Hilfe wäre ich aus diesem Loch sicher nicht mehr herausgekommen.

Schneearmer Winter täuscht Sicherheit vor

Auch wenn der Winter heuer auf sich warten lässt und kein richtiger sein will, liegt auf dem Hochplateau zwischen Wartsteinkopf, Hirscheck und Weitschartenkopf ausreichend Schnee für die geplanten Übungen. Sepp Steiner, der Herr über die Pistenraupe, ist seit Jahrzehnten dabei, weiß genau wo die Felsdolinen sind und schiebt darüber Berge der weißen Pracht zusammen, so dass die Mimen nach mühseliger Schauflerei in rund zwei Meter tiefen Höhlen eingegraben werden können. Im gesamten Alpenraum sterben jährlich rund 120 Menschen nach Lawinenverschüttung. Die Tendenz ist aufgrund immer größerer Risikobereitschaft steigend; der aktuell schneearme Winter tut sein Übriges und gaukelt vielen Wintersportlern eine vermeintlich komplette Gefahrenfreiheit vor. „Die Leute trauen sich mehr, was aber ein tödlicher Trugschluss sein kann, da die Lawinengefahr nicht nur von der Schneemenge, sondern vor allem auch von Gelände, Wind und Temperatur abhängt“, weiß Hunde-Ausbilder Helmut Lutz, der sich zusätzlich ehrenamtlich beim Lawinenwarndienst engagiert.

Vierbeiner lernen fliegen

Bei den Bergwacht-Kursen auf der Reiter Alpe sind von Beginn immer auch die Alpinhunde der Bayerischen Polizei mit dabei, die dort ihren Lawinenlehrgang absolvieren. „Wir Bergwacht-Hundeführer profitieren von den Erfahrungen der Alpinbeamten, man kennt sich besser und arbeitet bei den gemeinsamen Einsätzen Hand in Hand zusammen“, lobt Hundeführer Hannes Jahrstorfer. Auf der Reiter Alpe ist heute Flugtag und zugleich Premiere: Michael „Much“ Partholl aus Ramsau, langedienter Chef-Hundeausbilder bei Bergwacht und Polizei, kann zum allerersten Mal bei seinem Sohn Christian mitfliegen, der die Ausbildung zum Polizei-Hubschrauberpiloten absolviert hat und heute zusammen mit dem Fluglehrer an seiner linken Seite im Cockpit von „Edelweiß 7“ sitzt. Die EC135 P2 Plus ist mit einer 50-Meter-Rettungswinde ausgestattet, die bis zu 230 Kilo in einem Aufzug meistern kann – in der Praxis sind das ein Retter mit umfangreicher Ausrüstung, ein Patient und bei Lawineneinsätzen auch ein Hund im Fluggeschirr. Bei einem Alarm im Ernstfall steigt der Puls auf 180 und alles passiert innerhalb weniger Minuten: Melden über Funk bei der Leitstelle, komplette Schutz- und Sicherheitsausrüstung anziehen und einpacken und geeigneten Landeplatz suchen. Der erste Hubschrauber holt das Suchhundeteam auf dem Anflug zum Lawinenkegel zu Hause, unterwegs oder am Arbeitsplatz ab; der Hund, die sperrigen Skier und Gepäck müssen in die Maschine, wobei das Ein- und Aussteigen gerade bei Windeneinsätzen nicht unproblematisch ist. Die Hunde tragen in der Maschine deshalb alle einen Maulkorb, denn wenn das Tier Panik bekommt, darf niemand verletzt werden. Damit sich die Vierbeiner an das tosende Ungetüm gewöhnen und bei Einsätzen nicht zappeln, flüchten oder gar wild herumspringen, werden schon Junghunde wie Mia, Bacira und Kenn bei Gewöhnungsflügen mit dem Stressfaktor Hubschrauber konfrontiert: Ein- und Aussteigen bei laufendem Rotor und Absetzen mit der Rettungswinde im Gelände stehen auf dem Programm. „Entgegen aller Erwartungen sind viele Hunde ganz brav, lassen sich in die Maschine heben oder springen sogar selbst hinein. Irgendwann weiß der Hund dann, dass wenn der Hubschrauber kommt, gleich sein Suchspiel losgeht und er gefordert wird; das liebt er“, berichtet Staffelleiter Stefan Strecker.

Ein Hund ersetzt 20 Mann

Ein Lawinenhund ersetzt bei der Suche nach Verschütteten und Vermissten 20 Bergwachtleute und sein Geruchsvermögen ist rund eine 50 mal besser wie das des Menschen: Nach wie vor ist der Einsatz von Hunden die effektivste Methode, um Lawinenopfer schnell und effektiv aufzuspüren. Auf der Lawine verweist der Hund durch Scharren im Schnee, bei der Flächensuche im Sommer zeigt er dem Hundeführer an, dass er etwas gewittert hat, indem er zurückkommt und sein Bringsel, das er immer um den Hals trägt, ins Maul nimmt. „Früher haben wir die Hunde so ausgebildet, dass sie durch Verbellen einen Fund anzeigen“, erklärt Strecker. Da die Vierbeiner dadurch aber auch teilweise aggressiv werden, den Patienten einschüchtern und ihm Angst machen, wird mittlerweile nur noch mit dem Bringsel gearbeitet. Bei der rund dreijährigen Ausbildung zum Lawinen- und Suchhund wird vor allem der Spieltrieb der Tiere genutzt. „Wir trainieren nicht den angeborenen Geruchsinn der Hunde. Wir bringen ihnen nur bei, dass sie die gestellten Aufgaben wesentlich einfacher lösen, wenn sie ihre Nase einsetzen“, erklärt Strecker, dessen voll ausgebildeter und geprüfter Labradorrüde Janosch als C-Hund schon einige scharfe Einsätze erfolgreich gemeistert hat.

Die Ausbildung, ein Geduldspiel

Die Ausbildung der Hunde ist zeitintensiv, fordert viel Geduld, ist eigentlich nur etwas für echte Fanaten und nicht immer von Erfolg gekrönt; nicht jedes Tier ist geeignet und frühestens nach drei Jahren sind Hund und Herrchen fit genug für echte Einsätze – fünf Jahre später fallen die ersten Tiere bereits alters- und gesundheitsbedingt wieder aus. Viel Arbeit und Aufwand für eine kurze Zeit, in der der Vierbeiner nur mit viel Glück einen Verschütteten oder Vermissten lebend findet. Junghunde wie Mia, Bacira und Kenn stehen noch ganz am Anfang und müssen noch einige Übungserfahrung sammeln, bis sie so zuverlässig wie Martin Wagners Chica arbeiten. Mia ist rassebedingt als Hirtehund sehr auf ihr Herrchen Thomas Küblbeck fixiert. „Wenn ich selbst im Schneeloch bin, sucht sie mich bereits zielstrebig, bei anderen Mimen ist sie noch zaghaft und schüchtern.“ Für die junge Hündin ist der Winterkurs Stress und Abenteuer zugleich: Zum ersten Mal ohne das Herrchen in der Box in der Wartsteinhütte schlafen, viele andere erwachsene Hunde rundherum, der tosende Hubschrauber, der Maulkorb und das Training im Schnee – viele neue Eindrücke, die Mia nah an ihre Grenzen bringen. Auch Hundeführer Kurt Becker aus Berchtesgaden ist zum Flugtag mit der Seilbahn auf die Reiter Alpe gefahren. Sein neuer Schäferhund ist mit nur acht Monaten noch zu jung für die Ausbildung, es schadet aber nicht, wenn er sich schon mal an das Umfeld gewöhnt. Am Abend, wenn die Hunde schlafen, ist für ihre Herrchen im Lenzenkaser 2 nicht nur Gemütlichkeit angesagt: Theoretisch und praktisch werden Themen aus Notfallmedizin, Einsatztaktik und Alpinismus behandelt – denn der Hundeführer ist zunächst alleine auf der Lawine und muss im Zweifelsfall fast alles können.

Feinsinnige Hundenasen kombiniert mit moderner Technik

Nicht jeder Hund taugt zum Suchhund. Chefausbilder Partholl schätzt die Tiere mit viel Ruhe und Erfahrung ein und testet sie ganz individuell mit verschiedenen Methoden. „Er liest jeden Hund anders“, erklärt Strecker. Das Tier braucht eine große Stressresistenz, muss aufs Wort gehorchen und körperlich absolut fit sein. C-Hunde wie Janosch oder Chica sind voll ausgebildet und arbeiten flink und effektiv, lassen auf der Lawine Apparate wie Radar- oder Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte (LVS) hinter sich. Trotzdem kombinieren die Retter die Fähigkeiten des Hundes mit moderner Technik. „Sommer wie Winter müssen wir oft riesige Gebiete absuchen, wenn am Berg jemand vermisst wird und haben meist keine genaueren Angaben, um das in Frage kommende Gebiet genauer einzugrenzen. Dabei vergehen für verletzte und unterkühlte Patienten wertvolle Stunden“, berichtet Strecker. Seit einigen Jahren werden deshalb bei Bedarf von den Hunden auch GPS-Empfänger getragen, die die zurückgelegte Wegstrecke permanent aufzeichnen, die dann immer wieder am Computer ausgewertet wird. Strecker: „Kreuzen sich die Linien am Bildschirm, läuft der Hund also mehrmals über dieselbe Stelle, hat er mit großer Wahrscheinlichkeit die Witterung des Vermissten aufgenommen – den entsprechenden Teilabschnitt suchen wir dann nochmals genauer ab.“ Auf der Lawine trägt der Hund in Geschirrtaschen ein auf Suchen eingestelltes LVS-Gerät bei sich, das seine Töne per Funk an den Hundeführer schickt. Wagner: „Meine Chica ist am Berg wesentlich flinker unterwegs als ein Mensch und meistert große Flächen in kürzester Zeit. Nähert sie sich einem Verschütteten mit LVS-Gerät, bekomme ich das per Tonsignal sofort mit und kann reagieren.“

LVS-Gerät und RECCO am Hubschrauber

Während die Hundler, wie sie in Bergwachtkreisen kurz und knapp genannt werden, im Lenzenkaser Mittagspause machen und die Spagetti der beiden Küchenchefs Jörg Riechelmann und Helmut Lutz verschlingen, übt die Polizei südlich des Wartsteinhauses die Verschüttetensuche mit moderner Technik: An einer Leine unterhalb des Hubschraubers baumelt dicht über dem Schneefeld ein gelbschwarz-gestreifter Behälter mit einem LVS-Gerät. Die Besatzung kann im Ernstfall damit sehr genau die Lage eines Verschütteten feststellen, ohne dass Einsatzkräfte am Boden der Gefahr von Nachlawinen ausgesetzt werden müssen – vorausgesetzt der Verschüttete trägt ein sendendes LVS-Gerät. „Oft werden aus der Ferne beobachtete Selbstauslösungen bei der Leitstelle gemeldet und wir müssen zeitnah ausschließen, dass Wintersportler erfasst wurden. In den meisten Fällen ist niemand zu Schaden gekommen, nur sicher wissen wir das fast nie“, erklärt Strecker. Alternativ zum LVS kommt auch das so genannte RECCO-System von der Hubschrauberkufe oder auf dem Lawinenkegel zum Einsatz: Es arbeitet mit passiven Reflektoren und aktiven Suchgeräten nach dem Prinzip des Harmonischen-Radars. Die Reflektoren benötigen keine eigene Energieversorgung und können daher kostengünstig in Wintersportbekleidung und -ausrüstung eingebaut werden. Das System basiert auf dem Prinzip der Frequenzverdopplung durch eine Halbleiterdiode. Die maximale Reichweite beträgt rund 200 Meter an der Oberfläche und etwa 20 Meter bei der Suche im Schnee.

Einmal Hundeführer, immer Hundeführer

Ein Hund fliegt durch die Luft

Neben jeweils einer Woche Sommer- und Winterlehrgang finden monatlich größere Übungen und Motivations- und Unterordnungstraining statt. Zusätzlich nimmt der Hundeführer in seiner jeweiligen Bergwacht-Bereitschaft an weiteren Übungen teil und trainiert nahezu täglich auch privat zu Hause mit seinem Vierbeiner die eingespielten Abläufe. Ein Lawinenhund kostet unzählige Stunden für Ausbildung und Übung und einige tausend Euro Unterhalt für Futter, Tierarzt und Einsatzausrüstung. Deshalb ist es für den Hundeführer das Größte, wenn sein Tier einen Einsatz erfolgreich meistert, wie der Reichenhaller Bergwachtmann Jörg Riechelmann und sein Schäferhundrüde Max im Dezember 2011 im steilen Gelände am Windeck, einem Vorgipfel des Hochgern. Der Hund hatte während einer groß angelegten Vermisstensuche die Witterung eines abgängigen, tödlich abgestürzten Mannes aufgenommen, der unterhalb einer Felswand nicht einsehbar zwischen Tannen lag und ohne tierische Unterstützung wohl kaum gefunden worden wäre. „Da macht sich dann plötzlich all der Aufwand bezahlt“, freut sich Riechelmann. Max hatte dafür die „Plakette für erfolgreichen Einsatz“ des Deutschen Schäferhundevereins verliehen bekommen, musste aber im Herbst 2013 überraschend wegen gesundheitlicher Probleme eingeschläfert werden. Für Riechelmann ein tiefer Rückschlag, der ihn aber nicht aus der Bahn geworfen hat: Er ist auch heuer als Helfer beim Lehrgang auf der Reiter Alpe dabei und sein neuer Hund ist bereits geboren und kann im Februar abgeholt werden. Aktuell gehören elf Suchhundeteams mit sieben voll ausgebildeten C-Hunden, zwei A-Hunden und zwei Junghunden zur Staffel, die rund um die Uhr einsatzbereit ist und von der Leitstelle Traunstein per Funkmeldeempfänger alarmiert wird.

Ein schwieriger und harter Job

„Immer wieder rufen Hundebesitzer bei uns im Büro an, die mit ihrem Vierbeiner etwas Sinnvolles machen wollen. Das ist gut gemeint, aber nicht so einfach, denn Lawinenhundeführer kann bei uns nur werden, wer die komplette, anspruchsvolle Bergwacht-Grundausbildung durchlaufen hat“, weiß Regionalgeschäftsführer Ludwig Lang. Nicht ohne Grund, denn ein Lawineneinsatz ist bedingt durch Gelände, Zeitdruck und mögliche Nachlawinen mitunter das Schwierigste und Gefährlichste, was der Bergwachtdienst zu bieten hat. Der Hundeführer kommt in der Regel mit dem Hubschrauber als erster am Lawinenkegel an, muss als Einsatzleiter sofort die richtigen Entscheidungen treffen, einige Zeit alleine klarkommen und gegebenenfalls durch schwieriges Gelände abfahren.

Jede Minute zählt

Der Faktor Zeit spielt bei der Lawinenrettung die größte Rolle: Etwa sieben Prozent der Verschütteten sind bereits beim Stillstand einer Lawine aufgrund ihrer schweren Verletzungen tot, bedingt durch Absturz oder die Wucht des Schnees. Auch mit vorhandener Atemhöhle ist nach einer halben Stunde etwa die Hälfte aller Lawinenopfer wegen Sauerstoffmangel tot; ohne Atemhöhle versterben 50 Prozent bereits nach 15 bis 20 Minuten. Nach einer dreiviertel Stunde sind statistisch betrachtet 75 Prozent der Verschütteten erstickt. Neben der schnellen Kameradenhilfe mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel ist vor allem entscheidend, dass die Suchhundeteams möglichst rasch zum Einsatzort gelangen – bei Flugwetter per Hubschrauber, ansonsten mit dem Motorschlitten, per Seilbahn, mit der Pistenraupe oder wenn es nicht anders geht auch zu Fuß. Bei mehreren Übungen im Rahmen des Lehrgangs wurde der Transport der Hunde mit Überschneefahrzeug, All-Terrain-Vehicle (ATV) und Pistenraupe, die Suche mit mehreren Hunden gleichzeitig und die Suche bei Nacht trainiert. Strecker dankte abschließend der Gebirgsjägerbrigade 23 und der Wehrtechnischen Dienststelle 52 für die Unterbringung im Lenzenkaser 2 und für den Transport per Seilbahn auf das Hochplateau.

Presemitteilung Kreisverband Berchtesgadener Land

Zurück zur Übersicht: Schneizlreuth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser