"Praktikable Lösungen" bei Engerling-Befall

Fälle wie am Jochberg in Schneizlreuth bleiben "großes Anliegen" in München

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Solche Bilder aus Schneizlreuth sollen der Vergangenheit angehören. Ministerium will praktikable Lösungen bei Engerling-Befall erarbeiten.
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Schneizlreuth - Der Engerling-Befall am Jochberg in Schneizlreuth stellt auch für das Bayerische Landwirtschaftsministerium in München einen Sonderfall da. Die Erfahrungen von dort und anderen betroffenen Gebieten sollen genau ausgewertet werden.

"Man muss schneller handeln können", ist Schneizlreuths Bauern-Obmann Martin Holzner überzeugt. Gegenüber BGLand24.de erklärte er vergangene Woche, er wolle nicht eher ruhen, bis das Bayerische Landwirtschaftsministerium einen Notfallplan in der Schublade liegen habe. Einen Notfallplan dafür, was Bauern machen können, wenn ihre Wiesen von Käferlarven, sogenannten Engerlingen, befallen sind.

Ein solcher Anblick soll sich den Bauern am Jochberg in Schneizlreuth kommendes Jahr nicht bieten.

Der Befall ist am Jochberg in Schneizlreuth heuer "eskaliert". 57 Hektar Wiese sind unbrauchbar, komplett abgefressen von Mai- und Juni-Käferlarven. Ein Problem, das dem Ministerium bekannt ist. "Bayern hat in diesem Jahr Schäden durch Engerlinge nach rechtzeitiger Mitteilung am zuständigen Landwirtschaftsamt als Fall höherer Gewalt anerkannt. Damit konnte auf fast allen Befallsflächen förderunschädlich eine mechanische Bodenbearbeitung und eine Grünlanderneuerung mit einer Grünlandsaatgutmischung und einer Deckfrucht zur schnelleren Bodendeckung erfolgen. Die mechanische Bodenbearbeitung mit Fräße oder Kreiselegge und die anschließende Grünlanderneuerung ist mit bis zu 98 % Bekämpfungserfolg ganz ohne Pflanzenschutzmittel der mit Abstand erfolgreichste Weg. Dieser Weg hätte in diesem Jahr von allen Landwirten auf allen nicht erosionsgefährdeten Flächen realisiert werden können", heißt es in einer Erklärung auf Nachfrage von BGLand24.de.

Abnahme der Engerlings-Zahlen am Jochberg

Dass diese mechanische Bearbeitung in Schneizlreuth nicht möglich ist, wissen auch die Verantwortlichen in München: "Am Jochberg ergab sich wegen der Steilheit eines Teils der Flächen und der damit verbundenen Erosionsgefährdung eine Sondersituation. Hier war eine mechanische Bekämpfung größtenteils nicht möglich. Außerdem standen keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Letztlich konnte in einem sehr aufwändigen Verfahren eine zeitlich befristete Notfallzulassung des Bundes für Melocont Pilzgerste, verbunden mit zahlreichen Auflagen, ausschließlich für diese Region erreicht werden. Die Ausbringung wurde von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nach einem umfangreichen Anhörungsverfahren der betroffenen Landwirte, der Nachbarn und von verschiedenen Behörden angeordnet. Damit hat der Freistaat auch die Kosten für die Pilzgerste, deren Ausbringung und für die vom Bund geforderten Monitoringmaßnahmen übernommen. Bereits seit einigen Wochen dokumentieren die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen eine Abnahme der Engerlingszahlen am Jochberg."

Was ist im kommenden Jahr?

Ob die Pilzgerste aber tatsächlich einen Großteil der Engerlinge vernichtet hat, wird man erst im kommenden Jahr sehen können. Auch ob auf den Flächen erneut gesät werden muss, zeigt sich erst im Frühjahr. "Ein Kilo Saatgut kostet sieben bis acht Euro. Ein Bauer braucht beispielsweise 600 Kilo", benennt Holzner Zahlen. Seit 2011 kämpft der Bauern-Obmann für die Anerkennung des Problems am Jochberg, heuer hatte er damit Erfolg. Aber was ist im kommenden Jahr?

"Selbstverständlich ist es uns ein großes Anliegen, einen gangbaren Weg für das Jahr 2020 zu finden. Deshalb werden wir im Winter nach der Auswertung der diesjährigen Versuche und nach einer Abfrage der Landwirtschaftsämter über die bayernweite Befallsentwicklung im Jahr 2019 gegebenenfalls über weitere erforderliche Maßnahmen für nächstes Jahr entscheiden", verkündet das Landwirtschaftsministerium und ergänzt: "Uns ist es ein großes Anliegen, für die Probleme, die mit dem großflächigen Auftreten von Engerlingen des Maikäfers verbunden sind, praktikable Lösungen zu entwickeln. Das betrifft nicht nur den Jochberg im Berchtesgadener Land sondern zum Beispiel auch den Bayerischen Wald mit ca. 1.500 Hektar stark befallenen Wiesen."

cz

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