Mit den Übernachtungsmöglichkeiten wurde sogar geworben

Illegale Herberge: Jeder hätte es sehen können

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Ein Screenshot der Homepage der Event-Agentur vom 2. Juni. Heute fehlen die Infos auf der Seite zu den Übernachtungsmöglichkeiten. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.
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Schneizlreuth - Keine Genehmigung, Verdacht auf fahrlässige Tötung - der Geschäftsführer sitzt ein. Doch ein alter Screenshot zeigt: Jeder hätte wissen können, dass er Gäste übernachten ließ.

Dass das Flammen-Drama von Schneizlreuth am Pfingstwochenende gar nicht erst hätte passieren dürfen, steht längst fest. Gegen den 46-jährigen Geschäftsführer der Event-Agentur wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Wegen Fluchtgefahr sitzt er in Untersuchungshaft. Sechs seiner Gäste starben in den Flammen. Um 3 Uhr nachts wurden sie am 23. Mai vom Feuer überrascht. Die Fluchtmöglichkeiten im denkmalgeschützten Gebäude: Gleich null. Soweit hätte es gar nicht kommen dürfen, denn Gästebetten wurden im 800 Jahre alten Bauernhaus nie genehmigt.

"Übernachtungsmöglichkeiten im Almhüttenstil"

Wer wusste davon, dass bei der Event-Agentur trotzdem regelmäßig Gäste übernachteten? Diese Frage wird die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen beschäftigen. Fest steht aber auch: Jeder hätte es wissen können. "Unser 800 Jahre alter Bauernhof bietet alles was eine Party braucht. Eine Große Tenne mit Bar und Chill-Ecke und Übernachtungsmöglichkeiten im Almhüttenstil." Kurz nach dem Brand wurde an der Homepage der Schneizlreuther Event-Agentur herumgeschraubt: Man zeigte sich nicht nur von der Katastrophe geschockt, sondern ließ auch noch ein paar Informationen verschwinden - nämlich genau jene über die Schlafmöglichkeiten im Bauernhaus, für die eigentlich keine einzige Genehmigung vorlag. Ohne einen Blick in Akten zu werfen oder dem Geschäftsführer auf den Zahn zu fühlen: Es war für jeden ersichtlich, dass bei der Event-Agentur auch übernachtet wurde.

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Auf eine Genehmigung für Beherbergung wurde von vornherein verzichtet: 2009 erklärte der Geschäftsführer gegenüber dem Landratsamt wohl, dass er auf Übernachtungsgäste verzichte - der Brandschutz sei in den alten Gemäuern baulich nicht umzusetzen. Ob er sich auch daran hielt, wurde wohl weder von Seiten des Landratsamtes, noch von Seiten der Gemeinde je geprüft. Im Rahmen einer Feuerbeschau wäre es unter anderem auch Aufgabe der Gemeinde gewesen, den Brandschutz unter die Lupe zu nehmen.

Die Brandkatastrophe von Schneizlreuth hat wohl Einige im Berchtesgadener Land wachgerüttelt. Nicht nur Bürgermeister Wolfgang Simon versprach, nun alle Beherbergungsbetriebe in seiner Gemeinde baldmöglichst auf Brandschutz untersuchen zu lassen - im Interview mit BGLand24.de sprach er vom "absoluten Super-GAU", falls bald noch einmal etwas passieren sollte. Aber beispielsweise auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Saaldorf-Surheim stand das Thema auf der Tagesordnung: "Beschlussfassung über die Prioritätenliste zur Feuerbeschau". Man kann nur hoffen, dass spätestens jetzt die Lehren aus dem Flammen-Inferno gezogen werden.

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