Ging hier Denkmalschutz vor Brandschutz?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
  • schließen

Schneizlreuth - Vergitterte Fenster, keine Fluchttreppe: Sechs Menschen starben im Flammen-Inferno vom Samstag - nun stellt sich die Frage: War der Denkmalschutz dem Brandschutz im Weg?

Menschen, die panisch vom Balkon springen mussten, Rettungsleitern, die erst angebracht wurden und zu allem Übel sechs Tote wegen Rauchvergiftungen. Es müssen grausige Bilder gewesen sein, die sich den Einsatzkräften am Samstag in Schneizlreuth boten. Doch sie bringen auch einige Fragen mit sich: Geht Denkmalschutz vor Brandschutz?

Rund 800 Jahre steht die Tenne bereits, in der 47 Mitarbeiter der niederbayerischen Baufirma "Lindner" ein unbeschwertes Pfingstwochenende verbringen wollten. Dass so ein stolzes Gebäude unter den Denkmalschutz fällt steht außer Frage. Und doch könnte genau das den Opfern zum Problem geworden sein. Fix installierte Fluchtleitern vom Dachboden und dem ersten Stück fehlten genauso wie eine Außentreppe. Dazu massiv vergitterte Fenster. Und das an einem Beherbergungsbetrieb?

"Normalerweise müssen Denkmalschutz und Brandschutz schon zusammenpassen", so Kreisbrandrat Josef Kaltner im Gespräch mit BGLand24.de - doch er grübelt: "Bei Bestandsbauten kann man oft nicht alles erfüllen, was der Brandschutz verlangt. Das sollte man dann kompensieren, zum Beispiel mit zusätzlichen Fluchtwegen." Zumindest die gab es in Schneizlreuth wohl nicht. 

Das für derlei Fragen zuständige Landratsamt will sich nicht äußern, auch die Polizei traut sich noch kein Urteil zu: Vom Landeskriminalamt werden eigens Brandgutachter die alte Tenne nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Auf den ersten Augenschein könnte es sein, dass im Fall Schneizlreuth der Denkmalschutz dem Brandschutz zumindest nicht nachstehen sollte: "Um das konkret zu sagen, müsste man aber die Baupläne kennen", so Kreisbrandrat Kaltner. Doch die liegen nun längst bei der Kripo.

Das alte Bauernhaus machte den Rettungskräften in mehrerer Hinsicht Probleme: "Wegen der Konstruktion des Jahrhunderte alten Gebäudes gestalteten sich die Löscharbeiten sehr schwierig, ein Innenangriff musste wegen herabstürzender Deckenteile bereits nach kurzer Zeit abgebrochen werden", meldet beispielsweise die Inzeller Feuerwehr. Auf 600.000 bis 800.000 Euro wird der Sachschaden geschätzt. Und auch Kaltner kann sich nicht erklären, dass die Flammen so schnell vom Erdgeschoss auf den Dachboden übergriffen. Das Feuer brach im Gang, wohl von einem Stromverteilerkasten, aus - die nahe Treppe konnte deshalb als Fluchtweg schließlich nicht mehr genutzt werden. Auch für die Feuerwehren war die Hitze anfangs zu groß, um über die Treppe in die oberen Stöcke zu kommen. Zumindest funktionierende Brandmelder seien im Haus gewesen.

All diese Fragen werden in den kommenden Wochen das LKA beschäftigen, um endgültig zu klären, wie es um den Brandschutz in Schneizlreuth bestellt war. Zweifel dürften angebracht sein.

Die Löscharbeiten in der Nacht

Großfeuer in Schneizlreuth

Großbrand in Schneizlreuth

Die Ermittlungen am Tag danach

Flammen-Inferno: Das ganze Ausmaß am Tag

Feuer-Drama in Schneizlreuth: Der Tag danach 

Videos

xe

Zurück zur Übersicht: Schneizlreuth

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser