Anschlagsfeier anlässlich des bergmännischen Vortriebsbeginns für den Rettungsstollen am Wendelbergtunnel in Melleck

16 Mio Euro für die  Sicherheit und Bestandserhaltung der B21

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Geschmücktes Anschlagsprofil des Fluchtstollens vor der ersten Sprengung mit Barbaras-tatue

Berchtesgadener Land - Der Schwerpunkt der Baumaßnahmen auf den Straßen im Berchtesgadener Land liegt heuer und in den nächsten Jahren wieder auf der B21 zwischen Schneizlreuth und Melleck. Der Bund investiert insgesamt 16 Mio. Euro in die Erhöhung der Sicherheit und in die Bestandserhaltung.

Deutschlands Straßentunnel gehören zu den sichersten der Welt, weil deren Sicherheitsstandards regelmäßig überprüft und auch ältere Tunnel den neuesten Erkenntnissen angepasst werden.

Grundlage für das hohe Sicherheitsniveau sind die in Deutschland geltenden „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (RABT).

Die RABT stellen neben der Prävention – also der Vermeidung von Ereignissen in Tunneln – verstärkt den Personenschutz in den Vordergrund. Hierbei hat die Selbstrettung der Verkehrsteilnehmer oberste Priorität.

Katastrophenübung mit realistischen Randbedingungen im Wendelbergtunnel am 15.10.2011

Personen, die sich im Tunnel befinden, sollen sich bei einem Notfall zügig selbst in Sicherheit bringen können, ohne auf das Eintreffen von Rettungspersonal warten zu müssen.

Neben den baulichen Vorkehrungen sorgen ein tunnelspezifisches Überwachungs- und Betriebssystem sowie ein aufwändiges Sicherheitssystem für umfassenden Schutz der Tunnelnutzer.

Im Brandfall steht die Selbstrettung der Tunnelnutzer im Vordergrund. Hierzu sind im Tunnel entsprechende Fluchtwege und Notausgänge gekennzeichnet.

Der Bund hat zur Nachrüstung der bestehenden Tunnel auf die neuesten Anforderungen an die Verkehrssicherheit ein Programm aufgestellt, mit dem nun das Staatliche Bauamt Traunstein den vor 30 Jahren eröffneten Wendelbergtunnel mit einem Rettungsstollen nachrüsten wird.

Katastrophenübung mit realistischen Randbedingungen im Wendelbergtunnel am 15.10.2011

Der geplante Rettungsstollen besitzt eine Länge von 291 m mit einem Ausbruchsquerschnitt von ca. 15m2 und verläuft vom Nordportal parallel zum Haupttunnel in Richtung Süden.

Der Rettungsstollen trifft auf den Haupttunnel in etwa bei dessen Hälfte. Am Portal des Stollens ist ein asphaltierter Rettungsplatz mit einer Fläche von ca. 760 m2 vorgesehen, welcher direkt an die B 21 anschließt.

Der Rettungsstollen wird auf ca. 45 m in offener Bauweise erstellt und dann auf einer Länge von 246 m bis zum Durchschlag zum Haupttunnel in bergmännischer Bauweise vorgetrieben.

Die Gesamtkosten dieser Maßnahme betragen rund 4 Mio. Euro.

Entsprechend dem alten Bergmannsbrauch wurde der Anschlag für den neuen Rettungsstollen gefeiert, bei dem der Schutz der Heiligen Barbara für die gefahrgeneigten Arbeiten erbeten wird und eine Tunnelpatin die erste Sprengung durchführt.

Diese ehrenvolle Aufgabe übernimmt bis zum Ende des bergmännischen Vortriebes Frau Eva Simon, die Ehefrau des Bürgermeisters der Gemeinde Schneizlreuth.

Fortsetzung der Arbeiten zur Ertüchtigung der Stützmauern am Bodenberg

Am Bodenberg sichern drei talseitige Stützbauwerke aus dem Jahr 1899 mit einer Gesamtlänge von 835 m und einer maximalen Bauwerkshöhe von ca. 6 m die Bundesstraße 21.

Situation B21 am Bodenberg

Die Mauern wurden auf Absätzen der anstehenden steilen Felswände errichtet. Dies führt zu Absturzhöhen von bis zu 35 m. Die B21 am Bodenberg ist für das hohe Verkehrsaufkommen (Verkehrszählung 2013: DTV 10.914 Kfz/24  h, davon 1.035 Kfz/24 h Schwerlastverkehr. Als Tagesspitzenwert wurden 23.680 Kfz/Tag  gezählt) in Verbindung mit den unstetigen Kurven mit nur 6,50 m Fahrbahnbreite zu schmal. Daraus resultierend ist das Unfallgeschehen sehr hoch.

Pilotabschnitt in 2016 begonnen

Jahr 2016 wurde ein Pilotabschnitt am kritischsten Teil der Strecke mit einer Länge von 215 m begonnen. Dieser Pilotabschnitt war im Vorfeld erforderlich, um die Machbarkeit der geplanten Bauweise und Konstruktion der Stützbauwerke testen zu können.

In den nächsten 4 Jahren werden die Stützmauern weiter abschnittweise ertüchtigt.

Auf Grund der hohen Verkehrsbelastung und der Verkehrsführung (halbseitige Sperrung mit Lichtsignalanlage) können die Bauabschnitte max. 100 m lang sein, da sonst die Ampelphasen und die daraus resultierenden Staulängen zu lange wären, um den Verkehr noch leistungsfähig abwickeln zu können.

Des Weiteren kann aufgrund des Urlauber- und Freizeitverkehrs (insb. Ski- und Wandertourismus) nur in den verkehrsärmeren Zeiten (April – Anfang Juli und September – Dezember) gebaut werden.

Entschärfung der Unfallsituation

Eine Entschärfung der Unfallsituation ist durch die Verbreiterung der Fahrbahn von 6,50 auf 7,50 m zu erwarten. Außerdem wird durch die Ertüchtigung der Stützbauwerke und die neuen massiven Absturzsicherungen die Schwere der Unfälle erheblich abnehmen.

In den Bereichen, in denen eine Stützkonstruktion erforderlich ist, werden Stützmauern auf Mikropfählen oder die Herstellung von Hangbrücken vorgesehen.

Ertüchtigung der Stützmauern am Bodenberg (2016)

Die Hangbrückenpfeiler werden hierbei auf Mikropfählen gegründet. Stahlbetonscheiben im Achsabstand von 5,00 m und einer 2,50 m breiten, in Längsrichtung aufliegenden Stahlbetonplatte, bilden den Unterbau, der die Brückenkappe aufnimmt.

Auf beiden Systemen wird eine Kappe ausgebildet, auf die eine Schutzplanke und ein Notgehweg mit Geländer als Absturzsicherung installiert werden kann.

Ertüchtigung der Stützmauern am Bodenberg (2016)

Begleitend zu den Ertüchtigungsmaßnahmen an den Stützmauern werden zusätzliche Lawinen und Steinschlagrückhaltesysteme im Fels- und Hangbereich oberhalb der B 21 wesentlich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und der ganzjährigen Benutzbarkeit dieser wichtigen Straßenverbindung beitragen, die bei einer Sperrung zu einem Umweg von 140 km über die Tauernautobahn bzw. 150 km über die Inntalautobahn führen würde.

Pressemitteilung Staatliches Bauamt Traunstein

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