Breite Allianz gegen Wasserkraftwerke im Berchtesgadener Land

Bund Naturschutz: "Das lassen wir uns nicht mehr gefallen"

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Ernst Billmeier (l.) und Erich Prechtl (r.) wollen die Saalach in ihrem fast ursprünglichen Zustand erhalten.
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Berchtesgadener Land - Die Pläne zum Errichten von Wasserkraftwerken an der Saalach in Bad Reichenhall und Schneizlreuth schlagen nicht nur in der Region hohe Wellen. Auch in der Landeshauptstadt werden diese skeptisch beäugt.

"Weder für die Stromerzeugung, noch für das Erreichen der Klimaschutzziele von Paris ist ein weiterer Ausbau der Wasserkraft notwendig, denn nur mit einer drastische Verringerung des Strom- und Energieverbrauchs kann man der Klimakatastrophe entgegenwirken, nicht aber durch die Zerstörung unserer letzten Fließgewässer und Wildflusslandschaften", betont der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz in Bayern, Martin Geilhufe, bei seinem Besuch im Berchtesgadener Land.

Zusammen mit Vertretern des Bund Naturschutz Berchtesgadener Land und Bad Reichenhall hat er sich am Montag (18. November) vor Ort ein Bild von der Lage gemacht, zum einen an der Nonner Rampe in Bad Reichenhall, zum anderen an der Saalach in Schneizlreuth, außerdem im Zauberwald und am Felsentor in der Ramsau. An allen vier Orten sollen Wasserkraftwerke verschiedener Art und Größe entstehen. Außerdem ist in der Bischofswieser Tristramschlucht ebenfalls ein Wasserkraftwerk geplant.

Wasserkraftwerke in der Region: "Noch ist Zeit für Einwendungen"

Alle Planungen befinden sich IN oder VOR der Auslegungsphase. "Deshalb sind wir jetzt vor Ort", so Geilhufe weiter. "Noch ist Zeit für Einwendungen." Einwendungen kann jeder Bürger bei der Gemeinde oder dem Landratsamt einreichen. Die Unterlagen liegen öffentlich aus. "Aber das sind im Fall von Schneizlreuth beispielsweise über 1000 Seiten", schränkt Ute Billmeier, die Vorsitzende der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Bad Reichenhall, ein. 1000 Seiten, die sich ein Privater vielleicht nicht zu Gemüte führt, auch wenn er gegen das Kraftwerk ist.

Wenn es sein muss, will Ute Billmeier den Rechtsweg einschreiten, um das geplante Wasserkraftwerk an der Nonner Rampe zu verhindern.

Nicht so der Bund Naturschutz. "Gott sei dank haben wir Experten in den eigenen Reihen", so Billmeier. Sie kämpft vor allem für den Erhalt der Saalach an der Nonner Rampe im jetzigen Zustand. Die Stadtwerke Bad Reichenhall planen zusammen mit der Bayerischen Landeskraftwerken GmbH an der ortographisch rechten Uferseite im Randbereich der vorhandenen Rampe ein bewegliches Kraftwerk mit Fischaufsteigsanlage, Betriebsgebäude und Mobilkranstandplatz.

Besonders der Eingriff in die Natur stößt den Gegnern sauer auf. "Auf der einen Seite gibt es ein Landschaftsschutzgebiet, auf der anderen Seite Waldbiotope", erklärt Ute Billmeier. "Da sollen sehr viele teilweise sehr alte Bäume gefällt werden. Das verstößt gegen das Naturschutzgesetz." Außerdem ist sich ihr Mann Ernst, der stellvertretende Kreisgruppenvorsitzende, sicher, dass die zu erwartende Leistung des Kraftwerks weit hinter einem Windrad mittlerer Ausbaugröße liegt und somit "bei vernachlässigbar geringer CO2-Einsparung in keiner Relation zu den damit verursachten ökologischen und landschaftlichen Schäden steht".

Naturnahe Saalach durch Wasserkraftwerk "entwertet"

"Über 4000 Kleinwasserkraftanlagen mit einer Leistung unter 1000 kW erbringen insgesamt nur 8,7%", heißt es von Seiten des Bund Naturschutz. Sie würden damit einen sehr geringen Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber massiv Fließgewässerlebensräume zerstören. Das wird vor allem an der Saalach in Schneizlreuth befürchtet. Dort planen Investoren ein grenzüberschreitendes Ausleitungskraftwerk. Das Wasser wird demnach in Unken aus der Saalach entnommen, durch einen kilometerlangen Tunnel nach Schneizlreuth in ein Krafthaus gepumpt, wo dann der Strom erzeugt werden soll.

Der BUND Naturschutz will mit der Saalach Allianz, dem Landesbund für Vogelschutz, dem Fischereiverband und dem Kanuverband Wasserkraftwerke an der Saalach verhindern.

Die Verantwortlichen des Bund Naturschutz müssen zugeben, dass das geplante Ausleitungskraftwerk Unken/Schneizlreuth mit knapp 9,6 MW Leistung nicht zur kleinen Wasserkraft zählt. Aber, die Saalach sei im Bereich des geplanten Ausleitungskraftwerkes natürlich bis naturnah ausgeprägt. Sie sei bis heute weitgehend von flussbaulichen Maßnahmen verschont geblieben. Sie erfülle in diesem Bereich bereits heute die strengen Kriterien der Europäischen Wasserrahmenrichtline den "guten ökologischen Zustand".

"Durch den Bau des Ausleitungskraftwerkes würde dieser Abschnitt praktisch entwertet und als Restwasserstrecke verkommen. Damit verbunden wären der Verlust wertvollster aquatischer Lebensräume und eine Entwertung des Landschaftsbildes. Die 'Saalach-Allianz' wendet sich daher mit aller Energie gegen den Bau des umstrittenen Wasserkraftprojektes und setzt sich für den Erhalt eines der letzten natürlichen Fließgewässer in den nördlichen Kalkalpen ein", so Erich Prechtl, der Sprecher der Saalach-Allianz und ergänzt: "Das lassen wir uns nicht mehr gefallen." Und meint damit die großen Beeinträchtigungen, die aus seiner Sicht mit dem Bau der Wasserkraftwerke einhergehen.

Öffentlichkeitsbeteiligung läuft noch

Neben Störung der Flüsse und vor allem der Fische ist aus Sicht des Bund Naturschutzes auch mit erheblich negativer Auswirkung auf die Landschaft und somit auch auf den touristischen Wert an den geplanten Standorten der Ramsauer Ache im Zauberwald und am Felsentor zu rechen. Der BN erteil deshalb diesen Projekten eine Absage.

Die Öffentlichkeitsbeteiligung der Verfahren läuft zum Teil noch. Deshalb appellieren die Verantwortlichen des Bund Naturschutzes, sich mit Einwänden gegen die Ausbaupläne zu beteiligen. Das ist für die Kraftwerke in der Tristram Schlucht (Bischofswiesen) und an der Nonner Rampe (Bad Reichenhall) noch bis zum 25.11.2019 und für die Pläne am Ausleitungskraftwerk Unken/Schneizlreuth bis 04.12.2019 möglich. Nach eingehender Prüfung wird es im Landratsamt zu einem Erörterungstermin kommen, in dessen Anschluss die Genehmigung für das jeweilige Kraftwerk erteilt wird oder nicht.

cz

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