Hier verabschieden die Kollegen die Brandopfer

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Arbeitskollegen der Brandopfer am Montag bei der Verabschiedung in der Pfarrkirche von Arnstorf: "Es sollte ein Festjahr werden, ein Trauerjahr ist es geworden."
  • schließen

Arnstorf/Schneizlreuth - Bewegende Anteilnahme für die Brandopfer, 1000 Menschen gedenken in Arnstorf: Doch die dort ansässige Firma Lindner hat nun noch eine weitere Tragödie zu verkraften.

Arnstorf im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn. 6800 Einwohner, überregional bekannt, wenn überhaupt, durch die Baufirma Lindner, die weltweit über 6000 Arbeiter beschäftigt. 47 von ihnen machten am Pfingstwochenende einen Ausflug nach Schneizlreuth. Vom dortigen Team-Event kehrten sechs nicht zurück. Sie fanden den Tod in den Flammen. Am heutigen Montag wurden sie in der Pfarrkirche von Arnstorf verabschiedet.

Das Ortsbild ist bestimmt von Trauernden

Es regnet in der Heimatgemeinde der Baufirma. Die Kirche erhebt sich leicht über die Marktgemeinde - auch jeder Auswärtige sieht schon von weitem, wo genau er sich von den sechs Männern verabschieden muss. Das Ortsbild wird an diesem Tag bestimmt von Trauernden: Männer in dunklen Anzügen, Frauen mit großen Sonnenbrillen. Schon eine halbe Stunde vor Beginn des Trauergottesdienstes finden diejenigen, die Anteil nehmen wollen, nur noch schwer Platz in der Pfarrkirche "St. Georg".

Trauergottesdienst für die Brandopfer von Schneizlreuth

Auf dem Altar stehen sechs Kerzen, davor sechs Bilder: Zu sehen sind Männer im besten Alter, Familienväter. Der Jüngste 30, der Älteste 42. Die Kirche ist bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, rund 1000 Leute haben sich eingefunden. Es herrscht absolute Stille. Die vorderen sechs Reihen sind für die Angehörigen reserviert - über 70 Menschen. Erst kurz vor Beginn des Gottesdienstes betreten die Angehörigen die Pfarrkirche: Väter, Mütter, Ehefrauen und Kinder, die im Alter von zwei, vielleicht drei Jahren ihren Vater verloren haben. Erst die Glockenschläge von St. Georg erschüttern die Ruhe.

"Trauer und Schmerz, Wut und Zorn"

Der Brand von Schneizlreuth:

- So verlief die Katastrophe

- Die Erkenntnisse der Polizei

- Lag keine Genehmigung vor?

- Bürgermeister will "Super-GAU" verhindern

- Geschäftsführer wird festgenommen

Der erste Chor setzt kraftvoll ein, viele singen mit. Pfarrer Saliter hält die ersten Worte, begrüßt auch Wolfang Simon, Bürgermeister von Schneizlreuth, und Georg Grabner, Landrat im Berchtesgadener Land: "Tausende Gefühle und Gedanken sind in uns da: Trauer und Schmerz, Wut und Zorn, Ohnmacht und Leere, Verzweiflung und Hoffnung", so der Pfarrer. Nach so einer Brandkatastrophe - sie wäre zu verhindern gewesen - ist es schwer, die richtigen Worte zu finden: "Du sollst sprechen und Dir fehlen die Worte", beginnt Passaus Bischof Stefan Oster seine Ansprache.

Tränen - und ein weiteres Todesopfer bei der Firma Lindner

Doch anderen fällt das Kunststück, Worte zu finden, noch viel, viel schwerer. Arbeitskollegen der sechs Männer treten vor die Trauergemeinde, sprechen ihre Fürbitten. Rund drei Wochen sind seit der Katastrophe nun vergangen, doch die Erinnerungen sind noch zu frisch und zu präsent: Einer jungen Kollegin kommen während ihrer Fürbitte die Tränen. Auch Unternehmensführer Hans Lindner scheint noch immer entsetzt: "Am Samstag in der Früh in Schneizlreuth waren wir noch voller Hoffnung, dass die Vermissten im Schock vielleicht irgendwo hingelaufen sind." Die Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Im Betrieb hätten die Sechs mehr als nur ihre Pflicht getan, gingen mit Freude in die Arbeit.

Bilder: Trauerfeier für die Schneizlreuth-Opfer

Hans Lindner verneigt sich vor den Fotos seiner ehemaligen Mitarbeiter. Für sein Unternehmen kam es, ausgerechnet im 50. Jahr des Bestehens, in der vergangenen Woche noch schlimmer: Am Freitag verunglückte ein weiterer Mitarbeiter bei einem Verkehrsunfall tödlich. Auch ihm wird in der Pfarrkirche gedacht: "Es sollte ein Festjahr werden - ein Trauerjahr ist es geworden."

xe

Aus unserem Archiv

Der Unglücksort vier Tage nach dem Brand

Schneizlreuth: Vier Tage nach dem tödlichen Großbrand

So wüteten die Flammen in der Nacht

Großbrand in Schneizlreuth

Großfeuer in Schneizlreuth

Das abgebrannte Bauernhaus einen Tag nach der Katastrophe

Flammen-Inferno: Das ganze Ausmaß am Tag

Feuer-Drama in Schneizlreuth: Der Tag danach 

Zurück zur Übersicht: Schneizlreuth

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser