Bei Affenhitze zum Reichenhaller BRK

Bad Reichenhall - Trotz Affenhitze gab es eine gute Stimmung beim Tag der offenen Tür an der BRK-Einsatzhalle in der Frühlingstraße.

„Bei dieser Affenhitze gehn doch eh alle nur zum Baden“, befürchtete das Vorbereitungsteam der vier Reichenhaller BRK-Gemeinschaften, die am vergangenen Samstag zum Tag der offenen Tür für die ganze Familie in der Frühlingstraße eingeladen hatten. Der Besucheransturm an der neuen Einsatzhalle und am Bergwachthaus hielt sich aufgrund der drückenden Hitze zwar in Grenzen; trotzdem nutzen viele Interessierte die Möglichkeit, sich über die Arbeit von Bergwacht, BRK-Bereitschaft, BRK-Wasserwacht und Jugendrotkreuz (JRK) zu informieren. Besonders die Kinder hatten beim Wasserplantschen mit dem Rettungstaucher, bei atemberaubenden Fahrten mit der Seilrutsche und an der JRK-Schminkstation ihre Freude und konnten sich auf einer Hüpfburg richtig austoben.

Rund 60 Ehrenamtliche der vier Gemeinschaften hatten sich während der vergangenen Wochen mächtig ins Zeug gelegt und ein buntes Programm für Jung und Alt vorbereitet. „Unsere Ausrüstung ist zu großen Teilen mit Spenden finanziert und die Leute wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert. Das Interesse der Bevölkerung bei Einsätzen ist groß, meist fehlt uns aber bei Notfällen die Zeit, Rede und Antwort zu stehen. Heute hat jeder die Möglichkeit, uns direkt über die Schulter zu blicken“, erklärte der Leiter der Reichenhaller BRK-Bereitschaft, Florian Halter. Vor allem viele Kinder nahmen das Angebot sofort und unvoreingenommen an: Sie durften auf dem exotischen All-Terrain-Vehicle (ATV) der Bergwacht und der Dienstmaschine der Motorradstreife probesitzen, die ausgestellten Einsatzfahrzeuge erkunden, einem echten Lawinenhund bei der Suche zuschauen und per Mikrofon mit dem Rettungstaucher unter Wasser sprechen.

Bilder vom Tag

Reichenhaller BRK-Gemeinschaften

„Blaulicht und Martinshorn ziehen Kinder magisch an. Was wir im Ernstfall aber wirklich tun wird erst direkt erlebbar, wenn jeder selbst ausprobieren darf“, sagte Wasserwacht-Ortsgruppenleiter Siegfried Hauber, der unmittelbar vor dem ausgestellten Wasserwacht-Auto einem Rettungstaucher im Wasserbehälter Anweisungen erteilte: „Auftauchen und spritzen auf 9 Uhr!“ Gespannt versammelt am Beckenrand war der schwitzende Nachwuchs froh über die plötzliche Abkühlung. Am Nachmittag nutzen einige Mutige das Becken kurzerhand als erfrischenden Pool und stiegen in Einsatzhosen ins kalte Wasser. Auch während die Gemeinschaften des Roten Kreuzes in der Frühlingstraße ihre Arbeit vorstellten, blieben echte Notfälle nicht aus: Am frühen Nachmittag wurde die Bergwacht zum einem intern erkrankten Patienten ans Mauthäusl geschickt und am Thumsee passte eine Mannschaft der Wasserwacht auf, dass den Badegästen nichts passiert.

Wasserwacht und Bereitschaft sind seit 2008 in der renovierten Einsatzhalle in der Frühlingstraße, die Bergwacht folgte 2009 ins gegenüberliegende Gebäude, als die Umbauarbeiten im BRK-Haus in der Riedelstraße begannen. Bereitschaftsleiter Urs Strozynski und sein Team sehen die Unterkunft aber nur als vorrübergehende Lösung an. Sie wollen an der Reichenbachstraße eine neue Bergrettungswache bauen. Von den benötigten 700.000 Euro für den Bau fehlt der Reichenhaller Bergwacht derzeit aber noch der größte Teil; Spenden und öffentliche Zuschüsse gingen bisher nur zögerlich ein. Mit 71 Einsätzen im vergangenen Jahr waren die ehrenamtlichen Bergretter des Roten Kreuzes überdurchschnittlich oft gefordert. Im persönlichen Gespräch stellten sie ihr breites Leistungsspektrum, ihre Ausrüstung und ihre provisorische Rettungswache vor. Hundeführer Stefan Strecker moderierte am Nachmittag eine Vorführung der Lawinen- und Suchhundestaffel, wobei die Zuschauer live verfolgen konnten, wie die Schäferhunde Andi und Max zwei Patientenminen im Buschwerk aufspürten. Am Berg werden die Teams oft per Tau oder Winde vom Hubschrauber abgesetzt, was Jörg Riechelmann mit seinem Max an der Seilrutsche demonstrierte, auf der zuvor noch die kleinen Kinder fahren durften.

„Beim Mittagessen und am frühen Nachmittag waren die Tische und Bänke zum Glück relativ gut gefüllt, so dass nur wenig Grillschmankerl und selbstgemachte Kuchen übrig geblieben sind“, freute sich JRK-Ortsgruppenleiterin Eva Leitner. Das JRK demonstrierte im Schatten eines Pavillons, wie für Übungen Verletzungen realistisch geschminkt werden, betreute eine Hüpfburg und mit der Bereitschaft den Glückhafen-Loswagen, bastelte mit den Kindern kleine Rettungswagen und kontrollierte den Blutdruck der Besucher. Direkt gegenüber erklärte Dr. Rüttger Claasen die Funktionsweise eines Frühdefis, den auch Ersthelfer einsetzen können, um einen Patienten mit Herzstillstand ins Leben zurückzuholen. Unter den Gästen beim Tag der offenen Tür waren auch der stellvertretende BRK-Kreisvorsitzende Roland Richter, BRK-Chefarzt Dr. Franz Leipfinger und der Ehrenvorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Alfons Kandler. Mit viel Wind und einem großem Rums war am späten Nachmittag plötzlich alles vorbei: In Windeseile bauten die Helfer ihre Infostände ab und brachten alles vor dem aufziehenden Gewitter in Sicherheit, das die lang ersehnte Abkühlung brachte.

Pressemitteilung des BRK Bad Reichenhall

Rubriklistenbild: © Leitner, BRK BGL

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