Karlsteiner Mineralwasser kommt

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In dieser Senke oberhalb der Fischzucht in Karlstein soll eine Mineralwasserabfüllanlage entstehen.
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Bad Reichenhall - In Karlstein soll ein eigenes Mineralwasser nicht nur abgefüllt, sondern bald auch vermarktet werden.

Die Pläne wurden im Bauausschuss der Stadt genehmigt.

Bauherr Werner Steinbacher beabsichtigt, nordöstlich der Quellfassung der „Waldquelle“ in Karlstein einen zweigeschossigen Neubau für die Abfüllung des gewonnenen Quellwassers. Zweck: die Vermarktung als Mineralwasser. Dieses wird bereits seit Jahren für den Stadtgebrauch abgefüllt, jetzt soll es auch verkauft werden.

In topografischer Hinsicht bildet das Gelände an dieser Stelle eine rund 15 Meter in den Hang einschneidende Senke, ehe das Gelände stark ansteigt. Die beanspruchte Fläche hat eine Größe von insgesamt rund 1.550 Quadratmeter. Der geplante schlicht kubische Baukörper nimmt eine Grundfläche von 12 mal 22 Metern ein und weist ein flach geneigtes Pultdach auf. Er wird in den nordwestlich ansteigenden Hang so eingebaut, dass nur die Vorderfront (Höhe 5,75 Meter) und etwa die Hälfte der Seitenfronten nach außen in Erscheinung treten. Das Pultdach wird als begrüntes Dach ausgeführt und schließt hangwärts nahezu bündig mit dem Gelände ab. Auf diese Weise kann eine möglichst ortsbild- und landschaftsverträgliche Einfügung gewährleistet werden. Die entstehenden Hangböschungen werden mit geneigten Natursteinmauern befestigt.

Anlage auf 4.000 Flaschen ausgelegt

Im Erdgeschoss ist die Produktionshalle mit Flaschenwaschmaschine und Maschinenraum geplant, im Obergeschoss sind Personalräume vorgesehen. Die Abfüllanlage ist auf 4.000 Flaschen pro Stunde ausgelegt. Der Bauherr plant jedoch vorerst "nur" 1.000 Flaschen - "denn diese muss man ja auch erst einmal verkaufen können". 

Dem Gebäude wird auf einer befestigten Fläche von zirka 737 Quadratmetern eine Betriebs- und Parkplatzfläche mit Abstellmöglichkeiten für vier Fahrzeuge vorgelagert. Daneben besteht aber noch Platz für weitere Pkw-Stellplätze sowie für Lkw.

Hier soll die Mineralwasserabfüllanlage entstehen:

Karlsteiner Mineralwasser freigegeben

Im Februar hat das Landratsamt Berchtesgadener Land dem Bauherrn die gehobene Erlaubnis zum Entnehmen von Grundwasser aus der Waldquelle zur Nutzung als natürliches Mineralwasser erteilt. Schon im November letzten Jahres wurde das Wasser unter dem Quellnamen „Karlsteiner Mineralwasser“ als natürliches Mineralwasser von der Fachbehörde anerkannt.

Straße muss zuerst verbreitert werden

Die straßenmäßige Erschließung des Projekts kann nur über die Fischzuchtstraße sichergestellt werden. Sie ist für diese Nutzung nicht ausreichend ausgebaut. Die vom An- und Ablieferverkehr zu überfahrenden Brücken sind auf zwölf Tonnen, die Fischzuchtstraße selbst auf 3,5 Tonnen beschränkt. Die Straße weist teilweise eine für Last- und Lieferverkehr zu geringe Breite von weniger als vier Metern auf. Um für die zusätzliche Verkehrsbelastung den Stadthaushalt nicht mit unwirtschaftlichen Aufwendungen für die Straße zu belasten, konnte dem Vorhaben nur zugestimmt werden, wenn die ausreichende straßenmäßige Erschließung auf Kosten des Bauherrn hergestellt wird und die Straße mit einer Breite von 4,75 Metern ausgebaut wird. Bauherr Werner Steinbacher sagte im Anschluss zu, die Straße auf seine Kosten auszubauen.

Die Abwasseranlage Poschengrund - Nonner Oberland wurde als Trennsystem konzipiert. In den vorgelegten Entwässerungsplänen wurde nachgewiesen, dass sowohl die schadlose Beseitigung des Schmutzwassers als auch des Niederschlagswassers unter Auflagen gewährleistet werden kann. Da bei Regenwetter die Pumpstation und die zuleitenden Kanäle überlastet werden, muss insbesondere das anfallende Abwasser für den Zeitraum der Überlastung in einer Abwasserrückhaltung zwischengespeichert werden.

Bedenken der Nachbarn

Sorgen bezüglich des Projekts gibt es bei einigen Nachbarn. Sie befürchten, der bei Hochwasser ohnehin schon überlastete Kanal könnte durch die Mineralwasseranlage bei der Fischzucht zusätlich belastet werden. Die Bedenken der Anwohner möchte Bauherr Werner Steinbacher bei einem Ortstermin entlasten. "Ich habe nichts davon, Ärger mit den Nachbarn zu bekommen". Er möchte das Projekt "harmonisch" und zur Zufriedenheit aller - auch unmittelbarer - Beteiligten umsetzen.

Hinsichtlich der zu erwartenden Immissionen wird eine schalltechnische Untersuchung gefordert, nach der die für sich reduzierten Immissionsrichtwerte an den relevanten Immissionspunkten eingehalten werden können. Eine Überprüfung durch die Immissionsschutzbehörde beim Landratsamt ist noch nicht abgeschlossen. Eventuelle Auflagen sind einzuhalten.

Bei zwei Gegenstimmen angenommen

Der Bau- und Umweltausschuss beschloss, dass das Bauvorhaben vorbehaltlich der Zustimmung der Träger öffentlicher Belange genehmigt wird. Die Herstellung der ausreichenden Straßen-Erschließung auf Kosten des Bauherrn ist in einem städtebaulichen Vertrag zu regeln. Eine eventuell erforderliche Transformatorenstation ist auf Kosten des Bauherrn zu schaffen. SPD-Gemeinderat Dr. Wolf Guglhör und Grünen-Vertreter André Schreiber stimmten dagegen.

Die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ist noch nicht abgeschlossen. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner bewertete die Chance, Reichenhaller beziehungsweise Karlsteiner Mineralwasser auf den Markt zu bringen, als "grundsätzlich sehr positiv".

Hans-Joachim Bittner 

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