Glück: Unser Leben ist so nicht zukunftsfähig

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Beeindruckender Vortrag zum Thema "Fortschritt": Alois Glück zu Gast in Bad Reichenhall.

Bad Reichenhall - Der ehemalige Präsident des Bayerischen Landtages, Alois Glück, beeindruckte mit einem Vortrag zum Thema "Dem Fortschritt eine neue Richtung geben".

"So, wie wir heute leben, sind wir nicht zukunftsfähig", redete Alois Glück (CSU) gleich mal Klartext, präsentierte aber in einem Atemzug auch sofort Lösungsvorschläge: "Schließlich müssen wir darauf reagieren, wir haben ja gar keine andere Wahl". Glück, der ohne Manuskript frei spricht, fordert neue ökologische, ökonomische und auch sozial-verträgliche Wege - denn am nötigen Geld fehlt es mittlerweile hinten und vorne: "Für die Bildung, den Verkehr, die sozialen Aufgaben eines Staates".

Werte entscheidende Faktoren

"Unsere Werte, die uns wichtig sind, bilden die entscheidenden Faktoren", so der 72-Jährige in seinem Vortrag vor rund 100 interessierten Zuhörern. Sie waren im Rahmen des Weltspartages - 1924 in Mailand ins Leben gerufen - in den Sparkassen-Saal hoch über Bad Reichenhall gekommen. Das heimische Bank-Institut verbindet die 24 Stunden vor dem Reformationstag seit 1977 alljährlich mit einer Spendenaktion zugunsten wohltätiger Zwecke - in diesem Jahr für die sechs Bergwacht-Bereitschaften im Berchtesgadener Land.

Spendenübergabe: 15.000 Euro für die Bergwacht im Landkreis.

Direktor Josef Schlosser hatte mit seinen Kollegen geladen, Alois Glück, kam gerne, um kurzweilig zu referieren: "Warum brauchen wir überhaupt Fortschritt und diesbezüglich eine neue Richtung?", so die Ausgangsfrage des gebürtigen Hörzingers (Gemeinde Traunwalchen). "Weil wir nur mit Fortschritt weiter existieren können", folgte prompt die Erklärung. "Wir sind die erste Generation der Menschheit, die das unfassbare Privileg besitzt, nicht all ihre Kraft für das eigene Überleben opfern zu müssen. Das gibt uns Raum für die Forschung  und die Entwicklung zukunftsweisender Technologien". Wir müssten dieses Glück beim Schopfe packen, denn den meisten Ländern auf dieser Erde würden diese Gelegenheit fehlen.

Weltweite Schicksalsgesellschaft

"Instabilität entsteht dort, wo soziale Ungerechtigtkeit herrscht", damit sprach Alois Glück die Probleme in Griechenland und anderen, auf die "schiefe Bahn" geratene Länder an. Gerade für sie fordert er Chancengleichheit, auch wenn dafür von jedem einzelnen enorme Anstrengungen verbunden sind. Wenn dann einige damit überfordert seien, müssen sie bedingungslose Solidarität erfahren. "Denn die Würde des Menschen ist unantastbar - das steht gleich im ersten Satz unserer Verfassung", so Glück, der sich bedingungslosen Respekt wünscht. "Lokal denken ist erlaubt, handeln müssen wir jedoch global - schließlich sind wir eine weltweite Schicksalsgesellschaft".

Wir verbrauchen mehr als wir erwirtschaften

Und auch wenn es laut Glücks Worten unpopulär ist, es offen auszusprechen: "Wir müssen wieder maßhalten". Damit sprach der Politiker und heutige Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken aus, was Ludwig Erhard "irgendwann unbeliebt machte, als er exakt das verkündete. "Wir leben unseren Wohlstand in vollen Zügen aus und beuten dabei die Ressourcen, meist in den ärmsten Ländern dieser Welt, aus". Dadurch erfahre das ökologische Gefüge Instabilität, soziale Spannungen entstünden - "und wir erwirtschaften nicht mehr die Menge, die uns das Leben kostet". Die Folge: horrende Schulden.

"Wir brauchen eine neue belebte Kultur der Verantwortung", so Glück. "In dieser Hinsicht ist es nicht damit getan, ein paar Etat-Depots zu verändern oder Gebote und Verbote auszusprechen". Der Vortragende fordert die Abkehr des kurzfristigen Denkens, nur um den raschen, aber auch genauso schnell verpuffenden Erfolg einzufahren: "Wir müssen künftig langfristig denken, um nachhaltigen Erfolg zu haben, ja letztlich, um Überleben zu können".

15.000 Euro für die Bergwacht

Ehe es ans reichhaltige Buffet ging, überreichten Sparkassendirektor Josef Schlosser und Ehrengast Alois Glück, der Vorsitzende der Bergwacht Bayern, jeweils 2.500 Euro-Schecks an die Bergwacht-Bereitschaftsleiter des Berchtesgadener Landes: Frand Brandner (Berchtesgaden), Rudi Fendt (Ramsau), Martin Wagner (Marktschellenberg), Dr. Klaus Burger (Bad Reichenhall), Siegfried Fritsch (Freilassing) und Georg Wimmer (Teisendorf-Anger).

Mit guten Gesprächen klang der Abend langsam aus. Jeder Gast durfte einen Liter Milch und ein Glas der Pidinger Milchwerke als Geschenk des Veranstalters mit nach Hause nehmen.

bit

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