"Wir haben jetzt die richtigen Leute"

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Toni Graßmann gibt seinen Vorstandsposten beim AC Bad Reichenhall nach fünf Jahren ab.

Bad Reichenhall - Toni Graßmann gibt sein Amt als Vorstand beim AC Bad Reichenhall ab. Am Freitag finden die Wahlen für einen neuen Vorstand statt, der den Verein zukünftig führt.

Beim AC Bad Reichenhall stehen Veränderungen an: Am Freitag wird ein neuer Gesamtvorstand für die beiden Abteilungen – Ringen und Judo – gewählt. Fest steht: Vereinsboss Toni Graßmann gibt sein Amt definitiv ab.

Auch 2. Vorstand Manfred Schöndorfer känzelt seinen Posten beim Reichenhaller Traditionsverein, dem 111 Jahre alten Athletik-Club, wird aber weiter als Fördervereinsvorstand fungieren. Toni Graßmann legt aus beruflichen Gründen – er ist Inhaber eines Planungsbüros für Versorgungstechnik in Ainring – eine mindestens vier- bis fünfjährige Pause ein, steht seinem Herzverein aber garantiert nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite.

Neue 1. Mannschaft

Vor knapp eineinhalb Jahren erlebte die 1. Ringer-Mannschaft aus der Kurstadt ein unrühmliches Ende: Die Staffel konnte nicht ein einziges Mal komplett antreten, die Vorstandschaft zog die obendrein erfolglose Truppe nach dem letzten Kampf in der Landesliga Süd zurück. Zuvor hatten bereits die Schüler die Segel gestrichen. Es ging phasenweise steil bergab.

Jetzt ist ein frisches 1. Team gemeldet worden, das seinen Neustart freilich ganz unten, in der Bezirksliga hinlegen muss. Für die Niederbayern-Oberpfalz/Inn Chiem-Gruppe haben lediglich fünf Vereine gemeldet, der AC hat also nur vier Heimduelle, die wie gewohnt jeweils samstags in der Karlsteiner Sporthalle ausgetragen werden sollen. Am 1. Kampftag treffen die Saalachstädter daheim auf den RCB Amberg.

Fünf Jahre sind genug

Toni Graßmann gibt seinen Vorstandsposten guten Gewissens ab: „Ich habe mir fünf Jahre vorgenommen, die sind jetzt rum“. Sein Ziel von 2007 sieht der 63-Jährige – als Aktiver Ende der 60er-Jahre selbst Deutscher Meister im Jugendbereich – erreicht: „Ich übergebe meinem Nachfolger einen gesunden, schuldenfreien, intakten Verein“. Wer dies ist, soll am Freitagabend spätestens um 20 Uhr feststehen. Dass der neue 1. Vorstand aber einmal mehr aus dem Ringerlager kommen wird, ist wohl beschlossene Sache. Nichtsdestotrotz will Graßmann die Verhältnisse in der Dach-Vorstandsetage des Vereins gleichmäßig aus beiden Lagern verteilt sehen – auch, um eine Bevorteilung einer Sparte zu vermeiden.

Mittlerweile ist es ohnehin so, dass die Judoabteilung von Walter und Barbara Götzinger fast 150 Kinder und Jugendliche in ihren Reihen weiß, während es bei den Ringern momentan zirka 50 sind – rund 30 davon aktiv. „Tendenz jedoch steigend“, so Graßmann, der sich natürlich freut, dass es mit „seinen Ringern“ wieder aufwärts zu gehen scheint. Die Gesamtmitgliederzahl siedelt er bei 320 an. Eine Schüler-Staffel, die im Liga-Wettkampf antritt, soll es in absehbarer Zeit jedoch nicht mehr geben.

Der Nachwuchs hat Priorität

Die Prämisse liegt eindeutig in der Kinder- und Jugendförderung: „Das ist das größte Anliegen des AC Bad Reichenhall“, berichtet der Noch-Vorstand. Und: „Eine Bezahlung für Athleten wird es bei uns nicht mehr geben – das ist eine Sache für Profis. Wir sind pure Amateure, die ihren Sport aus Leidenschaft heraus betreiben“. Graßmann kritisiert die Entlohnung von Ringern vor seinem Amtsantritt und schaffte sie ab, woraufhin etliche „Altgediente“ dem Verein den Rücken kehrten. Aus den letzten beiden Generationen sind mittlerweile nur noch wenige übrig: Georg Platschka beispielsweise, auch Markus Hinterseer oder Jens Niproschke.

Mit Frank Neumann haben die Ringer heute einen engagierten und verantwortungsvollen Übungsleiter, der zusammen mit Denny Kalinke die Einheiten für die Sieben- bis Zwölfjährigen durchführt. Ab 1. September kommen Manuela Hanke und Nicole Reichel als Trainerinnen der Bambini (fünf und sechs Jahre) hinzu.

Geltungssucht unangebracht

Toni Graßmann redet Klartext: „Wir waren in den letzten Jahren bemüht, frisches Blut in die Vorstandschaft zu bringen. Leute, die Verantwortungsbewusstsein zeigen. Geltungssucht ist hier nicht mehr angebracht“. Seine Umstrukturierung, die er vor fünf Jahren auf den Weg brachte, sieht Graßmann als zum größten Teil umgesetzt: „Jüngere sollen die Vorarbeit nun ausbauen, die Grundlagen sind geschaffen“. Der ehemals erfolgreiche Landestrainerassistent klebt laut eigenen Worten nicht an seinem Posten. „Es ist Zeit, dass sich einige Ehemalige besinnen, was ihnen dieser Verein einmal bedeutet hat – und ob sie nun nicht auch mal etwas zurückgeben wollen und sollten“, fordert Graßmann, der im kommenden Jahr auf 50 Jahre Mitgliedschaft beim AC zurückschauen kann.

Sein Sohn Alexander, dazu Alexander Schöndorfer (Sohn des noch 2. Vorstands) und Ex-Ringer Bernhard Geigl haben in den letzten Jahren zusätzlichen Schwung in die Bemühungen der Vorstandschaft gebracht. Der neue Name des Vereinschefs am Freitag wird jedoch ein anderer sein - einer wird intern heiß gehandelt.

Die Spannung versprechende Jahreshauptversammlung des AC Bad Reichenhall am Freitag, 20. Juli, im Gasthof Bürgerbräu beginnt um 19 Uhr. Wird kein neuer Vorstand gefunden, wovon Graßmann nach zahlreichen Gesprächen in den letzten Wochen nicht ausgeht, muss vorerst eine kommissarische Führung die Geschicke des Clubs übernehmen.

bit

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