Ausgrabung: 900 Jahre alte Keramik entdeckt

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Am Reichenhaller Ausgrabungsfeld tauchte jüngst eine Keramikscherbe auf - rund 900 Jahre alt.

Bad Reichenhall - Neues von der Reichenhaller Ausgrabungsstelle: Keramik aus dem 11. oder 12. Jahrhundert ist in der Postgasse aufgetaucht.

Zwar "nur" eine kleine, schwarze Scherbe, aber immerhin sehr alt und mit einer interessanten Verzierung", so Archäologin Anke Wunderlich, die mit zwei Kollegen seit einigen Wochen in der Kurstadt tätig ist - im Rechteck zwischen Post-, Kammerboten-, Salinenstraße und Rathausplatz, in der Postgasse hinter dem alten Schuhhaus Walter, dessen Sanierung nun zügig voranschreitet.

Neue Fotos von der Ausgrabungsstelle:

Ausgrabungen in Bad Reichenhall

Gebiet der Alten Saline

Eigentlich war geplant, die Ausgrabungen in diesen Tagen zu beenden. Bislang sind vier Quadranten so gut wie freigelegt. Ein kleines Gewölbe kam zum Vorschein, eine Treppe (wir berichteten bereits). Interessant ist nach wie vor, wohin diese Stufen führen. Noch blockiert der schwere Wurzelstock eines gefällten Baumes die weitere Grabung in diesem Bereich. So bald das Holz entfernt ist, kann es an dieser Stelle weitergehen. Das Archäologen-Trio ist sich sicher, dort ein weiteres Keller-Gewölbe vorzufinden. Denn schon Anfang der 90er Jahre wurde hier gegraben, seitdem ist bekannt, was sich hier befindet: Ein altes Salzlager, da es sich um Gebiet der Alten Saline handelt - so ist es im Kataster festgehalten.

Bislang kein Baustopp

Auf dem Areal soll eine Dreifachgarage entstehen. Ein Baustopp besteht jedoch nicht, lediglich eine Unterbrechung, informiert Anke Wunderlich. Denn die Funde bislang können den Bau der Stellplätze nicht verhindern. "Da müsste schon ein römisches Mosaik auftauchen", lacht die Archäologin, aber "das ist dann doch eher unwahrscheinlich". Wenngleich sie versichert, hier "schon an einer sehr interessanten Stelle" zu graben. Nur das Wetter dürfte etwas besser sein.

Das dreiköpfige Ausgrabungsteam aus München - bestellt vom Landesamt für Denkmalpflege unter der Federführung von Dr. Martin Pietsch - wird noch einige Zeit in Bad Reichenhall verbringen: "Wir werden noch ein weiteres Feld freilegen", informiert Anke Wunderlich auf Anfrage von BGLand24, größentechnisch im Bereich des bereits ausgegrabenen Areals gleich im Anschluss. Auf mindestens drei Wochen datiert die Archäologin die weiteren Arbeiten.

Bauherr trägt die Kosten

Diese spielen sich mittlerweile in einer Tiefe von 2,50 Metern ab. Für Denkmalschützer interessant: Es handelt sich um historischen Boden im Zentrum Bad Reichenhalls. Sind historische Bodendenkmäler betroffen, muss der Bauherr laut Denkmalschutzgesetz dafür sorgen, dass diese vor ihrer Zerstörung dokumentiert werden. Heißt: Alle Mauern und Fundstücke müssen fein säuberlich katalogisiert - fotografiert und gezeichnet - werden. Der Bauherr trägt zudem die Kosten der Grabungen, die sich pro Woche auf durchschnittlich 6.000 Euro pro Woche belaufen.

Entdecken die Archäologen obendrein noch bedeutende historische Utensilien, kann das Landesdenkmalamt den Bau sogar ablehnen. Wenn nicht, werden die Mauern abgerissen, das Grabungsloch mit Kies zugeschüttet - und dem Bau der Dreifachgarage steht nichts mehr im Wege. Bis dahin vergeht aber sicher noch einige Zeit, da in Kürze wie angekündigt weitere Grabungen auf dem Feld hinter dem bisherigen beginnen.

Intensiver Ausflug in die Vergangenheit

Interessierte Verantwortliche in der Kurstadt sind indessen nicht unglücklich darüber, dass aufgrund des geplanten Garagenbaus ein derart "intensiver Ausflug" in die Vergangenheit Bad Reichenhalls möglich ist. Denn eine derart kosten- und zeitaufwändige Analyse sei nur im Zuge einer Baumaßnahme wie dieser - bei der der Boden ohnehin weit aufgerissen wird - möglich.

Seit Beginn der Grabungen Anfang September tauchen regelmäßig Keramikteile und Tierknochen auf. Den Reichenhaller Stadtbrand von 1834 im Gestein zu "entdecken" und zu bestimmen ist schwer. Schwarzes Gestein oder Holzkohle würden dies belegen - beides taucht in größerer Anzahl auf, müsste jedoch Stein für Stein genauestens untersucht werden.

Hans-Joachim Bittner

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