Im Einsatzfall geht es um Leben und Tod

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Bad Reichenhall - Die BRK-Rettungshundestaffel Traunstein hat beim Fortbildungsabend der BRK-Bereitschaft Bad Reichenhall ihre Arbeit vorgestellt.

Die BRK-Rettungshundestaffel Traunstein hat beim Fortbildungsabend der BRK-Bereitschaft Bad Reichenhall den ehrenamtlichen Sanitätern und externen Gästen ihre Arbeit vorgestellt. Die aktuell 18 Mitglieder haben derzeit sechs nach strengen Kriterien geprüfte Suchhundeteams zur Flächensuche und sind primär zuständig für die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf.

Hunde demonstrierten ihren guten Riecher

Robert Bergk aus Berchtesgaden zieht seinem fast fertig ausgebildeten Marley eine Kenndecke mit dem Rotkreuz-Zeichen und einer LED-Leuchte an; trotz der rund 30 Zuschauer kennt der Hund seinen Auftrag, verlässt sich voll und ganz auf seine Nase und steuert in der einsetzenden Dämmerung konsequent in einem weiten Kreis auf den zwischen parkenden Autos versteckten Übungsmimen Alfons Hollweger zu. Mit lautem Bellen verweist Marley und führt sein Herrchen zum vermeintlichen Patienten. Borderhündin Rana und ihr Herrchen Patrick Fröhlich haben bereits mehrfach erfolgreich die Prüfung zur Flächensuche abgelegt. Rana lässt sich trotz der vielen Gerüche und Störgeräusche nicht ablenken und findet den Mimen ebenfalls ohne jede Verzögerung. „Wir sind oft im Stadtgebiet gefordert; die Tiere sind es daher gewohnt, unter schwierigen Bedingungen zu arbeiten“, erklärt Staffelleiter Patrick Fröhlich.

Er und sein Team kooperieren eng mit der Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel und den Suchhundeteams der Malteser, die ebenfalls für die Region zuständig sind. Sie stellen höchste Qualitätsansprüche an ihre Arbeit, denn „Rettungshundearbeit ist kein Spiel. Im Ernstfall geht es um Leben und Tod; wir müssen uns hundertprozentig darauf verlassen können, dass der Hund einen Vermissten rasch findet und auch zuverlässig durch Bellen verweist. Aufgrund dieser Anzeige schickt der Einsatzleiter dann Rettungskräfte in gefährliche Abschnitte wie ein Trümmerfeld. Es wäre fatal, wenn den Helfern etwas passiert und der Hund falsch verwiesen hätte oder ein Unterkühlter oder Verletzter stirbt, weil der Hund nicht richtig arbeitet“, erklärt Fröhlich.

Rund drei Einsätze pro Monat

Die BRK-Rettungshundestaffel wird von der über die Notrufnummer 112 erreichbare Leitstelle Traunstein durchschnittlich dreimal pro Monat zu Notfällen alarmiert. Die Ehrenamtlichen sind dafür rund um die Uhr per Funkmeldeempfänger alarmierbar und einsatzklar. Die aufwendige Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre, wobei die Suchhundeteams in einer strengen Prüfung nach Vorgaben der so genannten DIN 13050 (Begriffe aus dem Rettungswesen) unter realistischen Einsatzbedingungen vor einer auswertigen Experten-Kommission ihr Können unter Beweis stellen müssen. „Die Prüfung muss danach alle 18 Monate wiederholt werden, sonst geht der Hund nicht mehr in den Einsatz“, erklärt Fröhlich.

Qualität muss gesichert werden

„In Bayern und dem angrenzenden Österreich gibt es neben den Hilfsorganisationen auch einige private, als Verein organisierte Hundestaffeln, wobei es für einen mit der Materie nicht vertrauten Einsatzleiter schwer ist, die tatsächlichen Fähigkeiten des Hundes abzuschätzen“, erklärt Florian Halter, der im Berchtesgadener Land als Einsatzleiter Rettungsdienst aktiv ist. Das Niedersächsische Innenministerium hatte aufgrund dieser Problematik bereits Anfang 2012 mit einem Runderlass alle Rettungshundestaffeln aussortiert, die nicht dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), den Maltesern (MHD), den Johannitern (JUH), dem Technischen Hilfswerk (THW) oder dem Bundesverband Rettungshunde (BRH) angehören. Damit sollte sichergestellt werden, dass nur gut ausgebildete Hunde und Hundeführer zu Einsätzen alarmiert werden. Der Erlass regelt die Alarmierungen von Rettungshundestaffeln im Vermisstenfall. Die Hürden zur Gründung einer Rettungshundestaffel waren zuvor offenbar zu niedrig. Dies führte dazu, dass Hundestaffeln gerufen wurden, deren Qualifizierung zumindest zweifelhaft war.

BRK-Rettungshundestaffel in Bad Reichenhall

Die von den bayerischen Hilfsorganisationen vorgegebenen Qualifizierungsverfahren für Einsatzkräfte und Hunde entsprechen den Anforderungen für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), der Katastrophenschutz-Dienstvorschrift „Führung und Leitung im Einsatz“ (DV 100) sowie den in der DIN Norm 13050 definierten Anforderungen für rettungshundeführende Organisationen. Die Überlegenheit der trainierten Hundenase zeigt sich vor allem bei großen Entfernungen und Dunkelheit. So kann der Rettungshund den Vermissten wittern und anschließend durch das antrainierte Lautgeben seinem Hundeführer anzeigen. Vor der Ausbildung zu einem Rettungshund wird vom BRK ein Eignungstest durchgeführt. Dieser kann sowohl bei Junghunden als auch bei erwachsenen Hunden durchgeführt werden und soll darüber Aufschluss geben, ob der Hund für die Ausbildung geeignet ist. „Von einem Rettungshund wird ein selbstständiges als auch ein selbstsicheres Handeln erwartet. Außerdem sollte der Hund ein zuverlässiges entwickeltes Sozialverhalten gegenüber Menschen und anderen Hunden haben. Wenn ein Hund diese Kriterien nicht erfüllt und sehr unsicher, ängstlich oder aggressiv ist, ist er mit der Ausbildung zu einem Rettungshund überfordert“, weiß Fröhlich aus langer Erfahrung.

So lernt ein Rettungshund für seine Aufgabe

Die Ausbildung zu einem Rettungshund sollte möglichst mit einem jungen Hund beginnen, da sie insgesamt zwei bis drei Jahre dauert und der Hund sonst zu alt wird. In der Ausbildung lernt der Hund, seinen hoch entwickelten Geruchssinn so einzusetzen, dass er aus großer Entfernung den menschlichen Körpergeruch wahrnimmt.
 Durch lautes und anhaltendes Bellen wird der Vermisste dann angezeigt. „Erst lernt der Hund den Besitzer und bekannte Bezugspersonen zu verbellen, später kann das Tier dann über lange Strecken ausdauernd nach vermissten, fremden Menschen suchen“, schildert Fröhlich.
Der Hund lernt, dass während der Arbeit andere Tiere, die ihn von der Suche ablenken könnten, tabu sind.

Die Verwendung von Rettungshunden spielte in den beiden Weltkriegen vornehmlich in Sanitätseinheiten eine große Rolle und wurde seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland außer bei der Bergwacht im Bayerischen, beziehungsweise Deutschen Roten Kreuz nur von einigen Individualisten und Spezialisten betrieben. 
Das beharrliche Bemühen dieser Individualisten, die ihre gut ausgebildeten Suchhunde in die Aufgaben und Arbeit des Roten Kreuzes einbringen wollten, wurde schließlich belohnt. Der Rettungshundeführer ist heute als Helfer im komplexen Hilfeleistungssystem Mitglied der jeweiligen BRK-Bereitschaft. Die Belange der Rettungshundearbeit in Hinsicht auf alle grundsätzlichen und einheitlich geltenden Regelungen werden vom DRK-Generalsekretariat koordinierend vorgegeben.

Pressemitteilung BRK BGL

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