Neues Bergwachthaus an der Reichenbachstraße

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Bad Reichenhall - Woran vor einem Jahr keiner mehr so recht glauben wollte, ist vollbracht: Die Reichenhaller Bergwacht ist in ihr neues Zuhause an der Reichenbachstraße umgezogen.

Woran vor rund einem Jahr keiner mehr so recht glauben wollte, ist vollbracht: Die Reichenhaller Bergwacht ist still und heimlich in ihr neues Zuhause an der Reichenbachstraße umgezogen und von dort aus bereits zu den ersten Einsätzen ausgerückt. Am 16. und 17. Juni wird die neue Bergrettungswache eingeweiht, die komplett ehrenamtlich und mit Spendengeldern finanziert, geplant und schließlich gebaut wurde. Hinter den ehrenamtlichen Bergrettern liegt ein enormer und langwieriger Kraftakt, der schließlich wie durch ein kleines Wunder zum lang erhofften Ziel führte.

„Mit viel Mut, Tatkraft und Geschlossenheit unserer Leute sowie mit großartiger, breiter gesellschaftlicher Unterstützung und finanzieller Förderung konnte in einer Rekordzeit von nur sieben Monaten und einer Eigenleistung von über 5.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden die neue Bergrettungswache Bad Reichenhall im Mai 2012 fertig gestellt werden“, freut sich Bergwacht-Bereitschaftsleiter Dr. Klaus „Nik“ Burger. Zur Vorgeschichte: Zum 1. Juli 2009 mussten die Reichenhaller Bergretter aus dem langjährigen Domizil im Rotkreuz-Gebäude in der Riedelstraße wegen Raumnot ausziehen. Das Gebäude platzte aus allen Nähten und war dringend sanierungsbedürftig. In den danach angemieteten Räumen in der Frühlingstraße stand von Anfang an fest: „Hier können wir nicht lange bleiben, die Miete ist auf Dauer zu hoch, die Verkehrsanbindung sehr schlecht, von der Parkplatz- und Ausbildungssituation ganz zu schweigen“, sagte der damalige Bereitschaftsleiter Urs Strozynski.

Einhellig war der Entschluss gefasst, eine eigene Bergrettungswache zu bauen, und so begaben sich die Bergretter auf Grundstücks- und Sponsorensuche, und das neben vielfältigen und zeitraubenden ehrenamtlichen Verpflichtungen, fordernden Einsätzen und zahlreichen Aus- und Fortbildungen, neben der eigenen beruflichen Verpflichtung, neben Familie und auch bergsportlicher Betätigung als Grundlage der Bergrettungstätigkeit. Ein Spagat, der zwei Jahre lang nicht von Erfolg gekrönt war, weshalb sich Strozynski Anfang letzten Jahres gezwungen sah, Konsequenzen zu ziehen und als Bereitschaftsleiter zurückzutreten. Die Einsatzfähigkeit der Reichenhaller Bergwacht war nun auf Dauer nicht mehr gewährleistet.

Das bayernweite Medienecho auf Strozynskis Rücktritt und die verstärkten vielfältigen Aktionen der Bergretter brachten in großartiger Weise die erhoffte Unterstützung und damit die grundsätzliche finanzielle Absicherung des Bauvorhabens. Der Einfallsreichtum der Förderer war und ist unglaublich: Bergwachtlerbrot, Bergwachtsalami, Getränkeverkauf, Zahngoldaktion, Benefizkonzerte und –vorträge bis hin zu Spendensammlungen bei Grillabenden oder Geburtstagsfeiern. Zahlreiche Vereine oder wohltätige Organisationen ließen es sich nicht nehmen, trotz eigenen Finanzbedarfs der Bergrettung finanziell unter die Arme zu greifen. „Diese Unterstützung war und ist ein außergewöhnliches Beispiel gelebter Solidarität in Bad Reichenhall und Umgebung. Herzliches Vergelt’s Gott!“, lobt Dr. Klaus Burger, Ausbilder und Einsatzleiter der Bergwacht Bad Reichenhall, der vor über einem Jahr in besonders turbulenten Zeiten die Leitung der Bereitschaft übernahm. Burger, sein Stellvertreter Christian Schieder, Marcus Goebel als Projektleiter sowie Hans Lohwieser (designierter Bauleiter) setzten sich das unbedingte Ziel, unter Aufrechterhaltung der Dienst- und Einsatzbereitschaft den Neubau so rasch wie möglich zu realisieren: Die Weichen wurden notariell mit der Stadt Bad Reichenhall auf dem Grundstück „Reichenbachstraße 17“ im Mai 2011 gestellt und die Vorgabe „Fertigstellung Neubau Mitte 2012“ festgelegt.

Im September 2011 überreichte Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner persönlich an Burger und Goebel den Baubescheid und Anfang Oktober rollten die Baumaschinen an. Begünstigt durch den einmalig regenfreien Herbst konnte der Rohbau völlig trocken hochgezogen werden: Bereits am 9. Dezember wurde die Hebefeier im Neubau ausgerichtet. Über die Weihnachtsfeiertage bis in den Februar hinein heizten die Bergretter mehrmals täglich mit Hilfe eines Kachelofeneinsatzes kräftig ein. Das hatte zwei Vorteile: Zum einen trocknete der Bau noch schneller und zum anderen konnte mit dem Innenausbau trotz arktischer Außentemperaturen im Januar und Februar begonnen werden. Unter der ständig präsenten und unermüdlichen Leitung von Hans Lohwieser und Walter Aßmann wurden die einzelnen Gewerke nicht nur perfekt aufeinander abgestimmt, es gab auch keine Verzögerungen bei den Bauausführungen. Im Gegenteil, regelmäßig wurden Termine sogar vorgezogen.

Seit Mitte März legten die Bergretter nun in noch größerem Maße selbst Hand an. An manchen Tagen werkelten bis zu 20 Männer und Frauen im Alter von 19 bis 90 Jahren auf der Baustelle. „Das sparte nicht nur enorm viel Geld, sondern förderte auch den Zusammenhalt. So ist die Begeisterung über den Neubau bei allen so groß, dass immer mehr Ehrenamtliche an immer mehr Tagen zum Arbeiten kommen. Jeder will sich einbringen“, freut sich Projektleiter Goebel. Dazu boten die Bergretter vielfältige Handwerkermeister aus den eigenen Reihen auf wie Maurer, Maler, Steinmetz, Bodenleger, Schreiner, Glaser, Elektriker sowie auch Ingenieure, Statiker, Steuerberater und Juristen, die bisweilen erheblichen Urlaub einbrachten, um die Arbeiten und Aufgaben jeweils fristgerecht zu erledigen. Auch Kameraden aus der Bergwacht Teisendorf-Anger halfen immer wieder tatkräftig mit.

Goebel: „Man kann ohne Übertreibung formulieren, dass die Arbeiten an der neuen Bergrettungswache in einer Rekordzeit ausgeführt wurden, denn nach nur sieben Monaten Bauzeit erfolgte am 4. Mai 2012 offiziell der Umzug in die neue Wache.“ Die Inbetriebnahme der Wache sechs Wochen vor der Einweihung zeigt neben der professionellen Arbeit des Bauleiters Hans Lohwieser mit Walter Aßmann sowie des Projektleiters Marcus Goebel das enorme Engagement der gesamten ehrenamtlichen Mannschaft. „In den nächsten Wochen werden noch Feinabstimmungen vorgenommen und es wird nachjustiert werden, aber die Wache läuft, und sie läuft rund“, freut sich Goebel.

Bereits im Januar 2012 wurde der Termin für die offizielle Einweihungsfeier als Dank für geladene, besonders verdiente Unterstützer und Förderer mit hochrangiger Prominenz aus Politik und Gesellschaft auf den 16. Juni 2012 festgelegt. Mit dieser Einweihungsfeier bedankt sich die Bergwacht Bad Reichenhall bei allen Förderern, Sponsoren, Helfern und Baufirmen für ihre Hilfe. Am 17. Juni wird ein großes öffentliches Fest zur Einweihung der neuen Bergrettungswache Bad Reichenhall mit einem Tag der offenen Türe für alle Interessierten stattfinden. „Die Reichenhaller Bergretter werden dann stolz der breiten Öffentlichkeit ihr neues Zuhause präsentieren. Wir laden alle hierzu sehr herzlich ein“, sagt Bergwachtchef Burger. Neben dem Festzeltbetrieb und Musik sowie der Besichtigung der Wache und Kinderprogramm werden die Bergretter auch Vorführungen zu ihrer Arbeit darbieten. Um 10 Uhr beginnt der Festtag mit Weißwurstfrühstück, ab Mittag gibt es Grillhähnchen und Braten. Während des gesamten Festtages können die Gäste Kaffee und selbst gemachte Kuchen genießen, übrigens auch zum Mitnehmen. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Parkplätzen in der Reichenbachstraße bittet die Bergwacht alle Besucher, soweit wie möglich auf das Auto zu verzichten oder die Parkplätze an der Kurfürstenstraße oder im Stadtgebiet zu benutzen.

ml

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