Brillanter Ludwig II. möchte Jesus spielen

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Die beiden Parkkino-Betreiber Josef Loibl (links) und Max Berger (rechts) begrüßten "Ludwig II."-Hauptdarsteller Sabin Tambrea in ihrem frisch sanierten Lichtspielhaus.

Bad Reichenhall - Um das Ende des bayerischen Kinis ranken sich zahlreiche Mythen. Nicht um die Kritik zum neuen Streifen "Ludwig II.": Der kann getrost als Meisterwerk bezeichnet werden.

Sabin Tambrea gibt den nur 40 Jahre alt gewordenen bayerischen Bayernkini mit derart atemberaubender Intensität und leidenschaftlicher Wucht, dass ihn sich der Kinobesucher nur noch exakt so vorstellen möchte und mit nach Hause nimmt - für immer. Dabei steigt der Film erst kurz vor Ludwigs "Amtsantritt" zum weiß-blauen Herrscher, also im März 1864, ein. Und vermittelt ihn von Minute eins an als feinfühligen, hochsensiblen Friedensstifter, der Musik und Kunst liebt und damit sein unvorbereitetes Volk infizieren möchte.

Diese Ziele verfehlt der Monarch letztlich: Er muss sich dem Druck seiner kriegstreibenden Minister beugen, verliert die gewaltschwangeren Auseinandersetzungen mit Preußen und Frankreich - tausende sterben. Daran zerbricht Ludwig II., auch im Film.

Kosten wurden nicht gescheut

Sieben Jahre Vorbereitungszeit gönnte sich das Team um das Regisseuren-Duo Peter Sehr und Marie Noelle für das 16 Millioinen-schwere Epochal-Werk "Ludwig II.". Damit steig die Produktion an Original-Schauplätzen sowie in den Bavaria Filmstudios zu einer der teuersten in der deutschen Filmgeschichte auf. 72 Drehtage verschlangen die aufwändigen Aufnahmen in ausgezeichneter Qualität an 104 verschiedenen Sets.  

Sabin Tambrea setzte sich in einem eineinhalbjährigen Casting gegenüber rund 370 Mitbewerbern durch - trotz seiner Körpergröße von 1,93 Metern. 18 Monate las der 28-Jährige intensiv alles, was ihm zum Thema "bayerischer Kini", Richard Wagner und die königliche Zeit Mitte des vorletzten Jahrhunderts in die Hände kam, hörte die Opern des von Edgar Selge brillant dargestellten Komponisten - und bekam damit langsam ein Gespür für seine bisherige "Rolle des Lebens".

Ehre und Überzeugunskraft

"Ja, es ist schon eine besondere Herausforderung und eine Ehre zugleich, so eine Figur spielen zu dürfen", so der deutsch-rumänische Theater- und jetzt auch Filmschauspieler. Es ist ihm gelungen, langer anerkennender Applaus des Reichenhaller Parkkino-Publikums, das ob der beeindruckenden Überzeugungskraft Tambreas regelrecht in die neuen Kinosessel gepresst wurde, verwischten die Nervosität des Wahl-Berliners, der bislang oft als "zu groß" für derartige Arrangements eingestuft wurde. Mit "Ludwig II." hat er eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen. Ohne Scheu verlieh Sabin Tambrea diesem Werk das Prädikat "besonders wertvoll". Die größtmögliche Geschichtstreue überzeugt ohne Wenn und Aber, mit allen nötigen Storys drumrum.

So, wie die fast ausnahmslos bereits bekannten Künstler am Set: Allen voran Edgar Selge, der sein Können als Richard Wagner demonstrierte und dabei einen "zweiten Frühling" hinlegte. Nicht minder stark: Hannah Herzsprung als "Sisi", Justus von Dohnányi als Johann Freiherr von Lutz, "Jedermann"-Darsteller Peter Simonischek als bayerischer Ministerpräsident oder Uwe Ochsenknecht, der Prinz Luitpold zum Besten gibt. Sie alle bilden den würdigen und gleichfalls nötigen Rahmen: Namen, die Sabin Tambrea auf den ersten Blick erblassen ließen - doch die Professionalität des Teams nahm dem jungen Künstler rasch jegliche Aufgeregheit.

Mythen als Herausforderung

"Es war schon eine spezielle Angelegenheit", verrät er im Gespräch mit BGLand24: "Da sich so viele Mythen um diese Figur ranken. Es ist so viel Ungeklärtes dabei, vor allem um sein Ende. War es Mord? War es Selbstmord". Deshalb sah Sabin Tambrea diese Rolle "stets als große Herausforderung" an - und konnte Gedanken, wie der Film schließlich beim Publikum ankommen wird, komplett ausblenden. "Das hat mich nicht beschäftigt. Zum Glück, denn sonst hätte ich die nötige Konzentration wohl nicht aufrecht erhalten können", so der noch relativ unbekannte Schauspieler, der seit seinem vierten Lebensjahr in Deutschland lebt.

In den finalen Zügen des monumentalen, aber nie zu dick aufgetragenen Werks, spielt Sebastian Schipper den "alten" Kini, jenes Märchenkönigs mit seinen prunkvollen Schlössern, dessen Ende bis heute ein Rätsel ist. Klar ist das Todesdatum: 13. Juni 1886. Die häufigsten Versionen nennen ein Ertrinken im Starnberger See, damals noch Würmsee genannt.

König Ludwig II. bleibt auch gut 125 Jahre nach seinem Tod "ein ewig Rätsel": Ein Satz, den Sabin Tambrea während des Streifens in Überlänge - jede Sekunde ist ein Genuss - einmal aussprechen "darf". Der Szenen-Blick in seinen Augen verrät dabei die verinnerlichte Liebe zur Figur - mit einer Intensität gespielt, die das Tor für künftige große Rollen weit aufgestoßen hat. Einen Wunsch schiebt Tambrea am Ende seines Besuchs in der Kurstadt schon mal vorsorglich nach: "Ich würde gern Jesus spielen".

Hans-Joachim Bittner

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