Thumsee: Stadt kann und will ihn sich nicht leisten

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Das Thumseebad gehört dem Reichenhaller Arzt Thomas Guillery. Die Stadt hat die Freizeiteinrichtung gepachtet. 
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Bad Reichenhall - Als null und nichtig stellte sich der Antrag der SPD-Fraktion bezüglich des Thumsee-Vorkaufsrechts der Stadt Bad Reichenhall heraus.

Denn der Stadtrat habe sich bereits im Januar einstimmig gegen - sein ohnehin nicht unmittelbares - Vorkaufsrecht ausgesprochen. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner: "Wir könnten ein Stadt-Interesse am Vorkaufsrecht des Thumsees lediglich ans Landratsamt weiterleiten, damit der Landkreis dieses für uns wahrnimmt. Doch darauf haben wir bereits vorab verzichtet". Die Frist lief vergangene Nacht, 0 Uhr, ab.

Bad und Wiese ohnehin in privater Hand

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Für die Stadt Bad Reichenhall wäre vor allem das Thumsee-Bad sowie die Madlbauerwiese interessant gewesen. Beides befindet sich seit langer Zeit ohnehin in privater Hand. "Wir haben zudem gar kein unmittelbares Vorkaufsrecht", so Stadtkämmerer Gerhard Fuchs.

Das Bad gehört dem Reichenhaller Arzt Thomas Guillery, der den See mit Bootshaus, den Seerosenteich, das Fischereirecht und den Seewirt vor gut zwei Jahren aus privaten und beruflichen Gründen zum Verkauf anbot. Ende 2011 erwarb daraufhin der Münchner Investor Thomas Schmid das Gasthaus Seewirt, das er derzeit aufwändig saniert. Über die restlichen Veräußerungen konnte bislang keine Einigung erzielt werden.

Die Stadt hat das Thumsee-Bad gepachtet. Die Madlbauerwiese gehört dem Madlbauern, auch diese hat Bad Reichenhall gepachtet, um das Erholungs- und Freizeitgelände langfristig für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten.

Kein Hotel, keine Thumsee-"Sperre"

Im BGLand24-Video hat Diplom-Betriebswirt Thomas Schmid kürzlich bekanntgegeben, was er mit dem Seewirt vorhat und warum er auch die Wasserfläche selbst erwerben will. Der weit verbreiteten Meinung, er würde dort oben ein Hotel anstreben und den See für die Öffentlichkeit unzugänglich machen, erteilte er eine strikte Absage: "Das kann ich gar nicht und das will ich auch gar nicht. Alles soll so bleiben wie es ist, und der Seewirt wieder ein Schmuckkästchen werden - so wie es früher einmal war", so der 46-Jährige.

Stadt und Landkreis hegten zwischenzeitlich die Hoffnung, aus der BGL-Stiftung sowie dem Bayerischen Naturschutzfonds Förderungen für den Erwerb des Thumsees zu erhalten. 150.000 Euro waren aus der Stiftung angedacht, aus dem Fonds dagegen nichts zu erwarten. "Wir können uns den Thumsee schlichtweg nicht leisten", so der Tenor im Stadtrat.

Antrag zurückgezogen

Reichenhalls SPD-Fraktionssprecher Dr. Wolf Guglhör nahm seinen Antrag auf Prüfung des Thumsee-Vorkaufsrechts der Stadt nach einer lebhaften Diskussion im Gremium zurück. Er hatte sich mit seinen Kollegen vor allem eine bessere Regelung durch die Allgemeinheit und damit verbunden eine Verwaltungsvereinfachung sowie Kosteneinsparungen erhofft. Mit einem neuen Thumsee-Eigentümer - so die Befürchtung - könne eine gleichwertige Zusammenarbeit nicht automatisch weitergeführt werden, so Guglhör in seinem Antrag. Seit langem werden bessere Lösungen bezüglich der Parkplatzsituation sowie der Gewässerbelastung am Reichenhaller Badesee angestrebt.

Fotos vom Umbau des Seewirts:

Wer kauft den Thumsee?

Hans-Joachim Bittner

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