Bad Reichenhall: Kein Friedwald in Aussicht

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Die Chancen für einen Friedwald in Bad Reichenhall sehen derzeit eher schlecht aus. Auch am Fuße des Hochstaufens - dort könnte sich SPD-Stadtrat Dr. Wolf Guglhör eine entsprechende Grabstätte vorstellen.
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Bad Reichenhall - In der Kurstadt wird es vorerst keinen Friedwald geben. Das beschloss der Stadtrat. Damit ist das Thema aber noch nicht vom Tisch.

FDP-Stadtrat Gerhard Schröter hatte die Friedwald-Diskussion im letzten Jahr begonnen. Seitdem gehen die Meinungen für einen geeigneten Standort weit auseinander. Während sich SPD-Fraktionssprecher Dr. Wolf Guglhör Bestattungsstätten am Staufen oder Müllner Berg durchaus vorstellen kann und darin sogar "touristisches Potenzial" sieht, streitet Hubert Graßl von der CSU vehement ab, dass ein Friedwald am Fuße des Hochstaufens, in der Nähe der Padinger Alm oder in einem anderen Wald in Stadtbesitz in irgendeiner Form vorstellbar ist.

Friedwald birgt mittlerweile Kulturcharakter

Auch FWG-Sprecher Gerhard Fuchs sieht keinen geeigneten Platz in und um die Kurstadt, um einen Friedwald zu errichten, möchte das Thema deshalb aber nicht gänzlich streichen: "Das hat durchaus Kulturcharakter". Er schlug vor, staatliche Flächen zu prüfen - "womöglich kann hier ein Friedwald entstehen". Vehementer argumentiert Gerhard Schröter, für den dieser Tagesordnungspunkt ein großes Anliegen ist: "Die Bürgerinnen und Bürger wollen einen Friedwald, das weiß ich aus vielen Gesprächen".

In einem Friedwald können Verstorbene in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt werden.

Stefanie Ederer von den Grünen machte darauf aufmerksam, dass die gesetzlich vorgeschriebene Einfriedung eines Friedwaldes "schwammige Grenzen" habe. Es gebe mehrere Möglichkeiten, es müsse nicht zwangsläufig eine Mauer oder ein Zaun sein. Ederers Grünen-Fraktion und auch die Gremiumsvertreter der CSU appellierten, dass Alternativen zu den stadteigenen Waldgebieten geprüft werden sollten.

Alle Möglichkeiten ungeeignet

Bei einem Friedwald handelt es sich um eine alternative Form der Bestattung. Die Asche Verstorbener wird in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt, mitten in der Natur, an den Wurzeln eines Baumes. Die Stadtverwaltung hatte alle Möglichkeiten in den Stadtwald-Regionen geprüft und für negativ befunden. Der Wald der Stadt Bad Reichenhall hat aktuell eine Gesamtfläche von 472,6 Hektar und ist in neun Distrikte aufgeteilt: Müllner Berg, Hochstaufen, Schwarzbach, Grabenbachau, Marzoll (Schloßwald), Voglsangau, Schießstätte, Nonn und Listsee. Dazu kommt noch eine 1,8 Hektar große Fläche in der Grabenbachau (Froschham).

In Bad Reichenhall wünschen sich einige Bürgerinnen und Bürger einen Friedwald.

Die Gründe für die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung liegen unter anderem in der topographischen Lage der Standorte, im Wasser- oder Straßenschutz, in der landwirtschaftlichen Nutzung sowie der teils schlechten Erreichbarkeit. Stadtkämmerer Gerhard Fuchs machte darauf aufmerksam, dass die Waldumwandlung in einen Friedwald in Bayern genehmigungspflichtig sei. Dazu sei die jagdliche Nutzung, die grundsätzlich in jedem Wald möglich ist, vor der Einleitung des Genehmigungsverfahrens zu regeln.

Vorerst kein Reichenhaller Friedwald

Mit drei Gegenstimmen der SPD-Fraktion wurde der Beschlussvorschlag, die Ausführungen der Verwaltung zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, mehrheitlich angenommen. In einem weiteren Stadtratsbeschluss kam das Gremium im Anschluss zum klaren Ergebnis, keinen eigenen Friedwald errichten zu wollen. Lediglich Gerhard Schröter (FDP) stimmte dagegen.

Hans-Joachim Bittner

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