Neun "alte Hasen" geehrt

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Ehrung

Bad Reichenhall - In der Jahreshauptversammlung der Reichenhaller Bergwacht wurden neun "alte Hasen" mit einer Treueurkunde geehrt.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Reichenhaller Bergwacht haben Landrat-Stellvertreter Rudi Schaupp, Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, Bereitschaftsleiter Dr. Klaus Burger und sein bisheriger Stellvertreter Christian Schieder neun besonders verdiente Bergretter ausgezeichnet und die vom Vorsitzenden der Bergwacht Bayern, Alois Glück, unterzeichneten Treueurkunden mit Abzeichen verliehen. Dr. Burger hatte die Leistungen und Geschichten mit Unterstützung der Bergwacht-Chronisten Manfred Halter und Dr. Bernhard Lauber recherchiert und konnte sie gut gewürzt mit kabarettistischem Humor im würdigen Rahmen zum Besten geben. Dr. Lackner sagte anerkennend: „Es wird sehr deutlich, mit wie viel persönlichem Einsatz und individuellem Können die Freiwilligen ihre Rettungsorganisation über Jahrzehnte hinweg aufgebaut und bereichert haben.“

Manfred Hasenknopf (25 Jahre Bergwachtmann) ist engagierter Einsatzleiter und Ausbilder, ein hervorragender IT-Spezialist, Flugrettungsausbilder der Bergwacht Bayern und hierfür Verantwortlicher der Bergwacht Chiemgau, ehemaliger Ausbildungsleiter der Bergwacht- Region Chiemgau und nach zwei Katzenrettungs-Einsätzen im März und April 2012 konkurrenzloser Protagonist des Kleintierschutzes in unwegsamem Geäst. Als Ausbilder im Flug-Simulationszentrum Bad Tölz ist Hasenknopf mittlerweile ebenso heimisch wie in seinem Wohnort Piding.

Thomas Häusl (25 Jahre Bergwachtmann) ist als aktive Einsatzkraft mit vielen Einsätzen als guter, bescheidener, aber professioneller Kamerad sehr beliebt, gilt als hervorragender Skifahrer und Alpinist und ist ein unentbehrlicher Handwerker, der unter anderem für die Logos an der Hauswand der neuen Bergrettungswache verantwortlich zeichnet. „Er kommt zudem aus gutem Hause, denn sein Vater ist König, emeritierter König des Reichenhaller Alpenvereins“, so Burger.

Marcel Häusler (25 Jahre Bergwachtmann) ist langjähriger aktiver Bergretter und zuverlässiger Stüberlwirt, „in unserem Organigramm jetzt Food- und Drink-Manager mit immer mehr und anspruchsvolleren Verpflichtungen, logistisch wie auch zeitlich“, erklärte Burger. „Er ist zuständig für das Belegungsmanagement des neuen Hauses und vielen als professioneller FIS-Zeitmesser bekannt, der weiterhin vergeblich versucht mich zu überzeugen, dass wir auch noch alle Skirennen in Bischofswiesen sanitätsdienstlich betreuen sollen.“

Jörg Titze (25 Jahre Bergwachtmann) ist als lehrgangsbester Heeresbergführer und langjährige aktive Rettungskraft in der Bereitschaft sehr geschätzt. Er war lange Zeit Ausbilder und hat nun die Ausbildungsleitung Sommer mit übernommen. „Als unermüdlicher Handwerker konnte er sich mit ausgefeilten und hervorragenden Schreinerarbeiten in der neuen Bergrettungswache verewigen. Jörg ist ein wichtiger, sehr ausgleichender Part in unserer Gemeinschaft, auf dessen Rat man gerne hört“, lobte Burger.

Martin Weber (25 Jahre Bergwachtmann) ist aktive Einsatzkraft und Flugretter und absolviert gerade die bayernweite Ausbildung zum Einsatzleiter. Vor der neuen Bergrettungswache wächst gerade ein Kletter- und Übungsfelsen in den Himmel. „Martin ist als Steinmetzmeister Ideengeber und Erbauer dieses noch unvollendeten Weberturms, und hat auch den wunderschönen Steinboden in der Rettungswache verlegt, ohne den wir wohl nicht unfallfrei hierhergelangt wären. Sofern der Kletterturm nicht zusammenbricht, hat er eine große Zukunft in der Bergrettung vor sich“, meinte Burger humorvoll.

„Wir nähern uns nun den Dinosauriern in der Bergwacht“, fuhr Burger fort.

Otto Zach (40 Jahre Bergwachtmann) war von 1978 bis 1997 neben seiner Tätigkeit als aktive Einsatzkraft „rühriger Hüttenwart der Törlschneid- Diensthütte im Lattengebirge“ und einer der ersten Bergwachtmänner, die an Ausbildungen der Naturschutzakademie Laufen teilgenommen haben. Mit dem Schwerpunkt Lattengebirge und Reiter Alpe absolvierte er unzählige Naturschutzstreifen und betreute die Spendenbüchsen der Bergwacht auf den umliegenden Hütten und in den Geschäften. Dabei wurden rund 200.000 Blumenkarten und Flyer von ihm initiiert und verteilt, „als unverzichtbare Bausteine der für die Bereitschaft unentbehrlichen Spendeneinnahmen. Auch die Gelder für die Druckkosten hast Du noch in den Geschäften erfochten“, erinnerte Burger an das außergewöhnliche Engagement von Zach. Daneben absolvierte er viele Einsätze, auch im Pistendienst, damals noch auf dem Predigtstuhl.

„Denkt man an Peter Windstoßer (50 Jahre Bergwachtmann), denkt man nicht an Wind und Sturm, sondern an Funk und Telekommunikation in der Bergwacht“, erklärte Burger, „ein sehr arbeitsintensives und kaum wahrgenommenes Tätigkeitsfeld.“ Windstoßer war am Bau der Telefonleitung an der nördlichen Staufenseite zum Reichenhaller Haus maßgeblich beteiligt. Noch mehr machte er sich bei der Errichtung eines störungsfreien Telefons zur Traunsteiner Hütte auf der Reiter Alpe verdient. „Hier musste er erhebliche Widerstände im Amt und nach Hörensagen auch beim Alpenverein Traunstein überwinden“, berichtete Burger. Er schaffte es mit großem Einsatz, dass die richtige Trasse und die richtige Technik gefunden wurden. Beide Telefonanlagen am Staufen und auf der Reiter Alpe haben seither schon vielen Bergsteigern geholfen und damit Leben gerettet. Windstoßer gilt auch als Funk-Pionier, da er das erste Funkgerät in ein Bergwachtauto eingebaut hatte. Als guter und sehr hilfsbereiter Kamerad und mit einer Vielzahl von Einsätzen ist er in der Bergwacht ebenso anerkannt wie beliebt, auch erwarb er sich mit sehr großem Arbeitseinsatz beim Neubau hohe Verdienste. Als Betreuer und Gestalter der Internetseite mit über 200.000 Klicks pro Jahr präsentiert er die Arbeit seiner Bergwacht weit über die Grenzen des Landkreises hinaus „in hervorragender Weise.“

„Sepp Ertl (70 Jahre Bergwachtmann) musste für die Ehrung extra einen stationären Krankenhaus-Aufenthalt in einer Hautklinik unterbrechen und seinen Verband unter einer roten Mütze verstecken, die ihm ein verwegenes Nordwand-Aussehen verlieh. Sein behandelnder Arzt stimmte der Bettflucht zu, als er merkte, wie wichtig der Termin für Sepp ist“, sagte Burger. Ertl war am 13. September 1942 mit in einer anderen Seilschaft dabei, als Simmerl Flatscher am Großen Mühlsturzhorn an der Reiter Alpe tödlich abstürzte (wir berichteten). Diese Erfahrung prägte ihn und war auch ein Grund für den damaligen Eintritt in die Bergwacht; kurz darauf musste er in den Krieg ziehen und geriet in Gefangenschaft, die er – als 18- Jähriger – in Arkansas in den USA durchlebte. Nach seiner glücklichen Rückkehr war er sofort in der Bergwacht aktiv, bei den damals vielen Einsätzen auf der Reiter Alpe, wo fast wöchentlich zur Winterzeit Verletzte mit einem schweren, eisernen Lepperdinger-Schlitten ins Tal transportiert und teilweise abgeseilt werden mussten; die leichten Alu-Akjas waren zu dieser Zeit noch nicht erfunden. „So ein mühevoller Einsatz dauerte Stunden, ging teilweise über Nacht und Sepp war meist dabei“, erzählte

Burger. Auch beim längstem Einsatz Mitte der 50er Jahre war er mitten drin: Bergwachtkamerad Hans Voglmeier verletzte sich auf der Großen Reibe rund um den Königssee schwer am Bein, wobei sich Reichenhaller Bergwachtmänner mit der schweren Ausrüstung einen ganzen Tag lang bis zum Ingolstädter Haus plagten. Tags darauf erfolgte der ebenso mühevolle Abtransport nach Weißbach bei Lofer. Am Abend wurden sie dann von Manfred Halters Vater mit einem Lastwagen abgeholt, da kein Bergwachtauto zur Verfügung stand. Zu Bereitschaftsleiter Toni Michls Zeiten folgten noch viele Einsätze. „Sepp legte schon damals Wert auf eine eingehende Nachbesprechung, die hin und da auch länger dauerte“, scherzte Burger. „Sepp war immer dabei, als er gerufen wurde, auch bis vor wenigen Jahren noch beim Vorsorgedienst für den Hinterstoißerlauf auf der Reiter Alpe. Ertl führte auch den Bergwacht-Sport ein, den es bis heute gibt, jedoch mit nachlassender Resonanz. Sein Name ist auch untrennbar mit dem Bau der Törlhütte verbunden. Burger: „Auch mit Deinem Freund und Kameraden Alfred Nürbauer hast Du in der Jugend wohl einiges angestellt, ihr wart ja fesche, knackige Burschen – die Erlebnisse sind aber nicht alle pressefrei! Danke Sepp auch für Deine Hilfe beim Neubau. Du hast jetzt neun Bereitschaftsleiter über Dich ergehen lassen müssen und bist immer noch bei uns dabei: Das ist Charakter, hoher Respekt!“

Bergwacht-Ötzi Alfred Nürbauer (ebenfalls 70 Jahre Bergwachtmann) wurde 2011 zu seinem 90. Geburtstag von seinen Kameraden mit einer großen Feier im Bürgerbräu überrascht und geehrt. Damals charakterisierte ihn Burger folgendermaßen: „Es gibt wohl keinen Busch, keinen Baum, und keinen Borkenkäfer oder Holzwurm im Reichenhaller Talkessel, den der begeisterte Holzhändler Alfred nicht persönlich und mit Vornamen kennt. Auch findet man immer noch keinen noch so abgelegenen Ort im hiesigen Forst, an dem man vor Nürbauer sicher sein könne.“ „Leider schreiten die Jahre voran und wir sind froh, dass Du vor kurzem den Ärzten nochmal entkommen bist und Deine schwere OP gut überstanden hast“, sagte Burger. In seiner Dienstzeit hat Nürbauer viele Einsätze für die Bergwacht absolviert. Es waren noch die Zeiten, als die Frau des Bereitschaftsleiters mit dem Fahrrad in ganz Reichenhall unterwegs war, um die Bergwachtmänner aufzuschrecken, weil sie zum Einsatz mussten. „Ihr habt damals noch alles zu Fuß gemacht, auch die Bergungen“, erzählte Burger anerkennend. Nürbauer meinte dazu, dass damals nicht wenige Einsätze am Berg danach noch ziemlich lustig geworden sind. Der schlimmste Bergwacht-Einsatz war aber jener Moment, als er seinen Sohn Peterl tot am Wandfuß der Schlafenden Hexe suchen und finden musste. „Viele Fälle sind verzeichnet, wo Du Menschenleben retten konntest. Alfred, Du hast Dir Deine heutige Ehrung für die Treue zur Bergwacht redlich verdient. Gratulation!“, lobte Burger, der Nürbauer bereits seit seiner frühen Kindheit als Nachbar kennt.

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz

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