Hofwirt: Hotel oder Klinik - keine Wohnungen

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Mittels Infoabend wurden die Reichenhallerinnen und Reichenhaller bezüglich der Hofwirt-Vorhaben informiert.

Bad Reichenhall – Hotel oder Klinik, auf gar keinen Fall Wohnungen - das ist der Wille der Stadt bezüglich Hofwirt und der Streuobstwiese dahinter.

„Neue Wege der Bürgerbeteiligung“, nennt Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner das, was am Mittwochabend im sanierten „Haus der Jugend“ stattfand: Eine Infoveranstaltung zum Thema "Hofwirt" – rechtzeitig, mehr als rechtzeitig, eben vor allen Planungen und Beschlüssen. Bei den Bürgerinnen und Bürgern kam diese Geste der Stadt gut an, die gleich mit mehreren Mitarbeitern Rede und Antwort stand.

Fotos vom Infoabend:

Hofwirt bleibt Hofwirt

Der unter Denkmalschutz stehende Hofwirt musste im Herbst geschlossen werden, da unter anderem die Brandschutz-Auflagen nicht mehr erfüllt werden konnten. Eine Sanierung würde mehrere hunderttausend Euro kosten und mindestens sechs Monate, womöglich sogar wesentlich mehr in Anspruch nehmen, da etliche Maßnahmen erst während der Arbeiten selbst festgestellt werden können. Der Pachtvertrag mit der Gastronomen-Familie Hofmann - Johannes und Marianne - wurde gekündigt.

Verkauf: So rasch wie möglich

Freilich: Die Verantwortlichen aus dem Rathaus wollen alle drei Flurnummern des „Hofwirt“-Areals mit einem Gesamtvolumen von rund 12.000 Quadratmetern an der Salzburger Straße an einen finanzkräftigen Investor verkaufen, so rasch wie möglich. Erfüllt dieser das ausgelobte Mindestgebot für das Sondernutzungsgebiet, bekommt er die Vorgabe: Hotel oder Klinik, und das mächtige Hofwirt-Gebäude als Gaststätte erhalten. Das sichert allein schon die Grunddienstbarkeit ab“, so Liegenschaftsbeauftragter Hans-Werner Zauner.

Neuer Wohnraum ausgeschlossen

Neuem Wohnraum auf der Streuobstwiese hinter dem denkmalgeschützten Fünf-Etagen-Komplex, der letztlich lukrativer wäre und weit mehr Geld in die schuldenbelastete Kasse der Stadt spülen würde, schob man frühzeitig einen Riegel vor. Grund: „Wir wollen die touristische Entwicklung Reichenhalls vorantreiben“, so OB Lackner, der die Unterstütung von Kurdirektorin Gabriella Squarra und Mike Rupin, Vorsitzender des Gewerbevereins Bad Reichenhall und Umgebung erhielt. Squarra: „Uns fehlen Hotels in gehobener Kategorie“. Berchtesgaden hätte es mit dem Hotel Edelweiß gegen alle Proteste letztlich positiv vorgemacht. So, wie auch andere, benachbarte Regionen, weiß Squarra.

Fotos vom Hofwirt und dem Areal:

Was wird aus dem Hofwirt?

Proteste - vorrangig bezüglich des Bebaus der grünen Wiese - gab es in erster Linie von direkten Nachbarn des Hofwirt-Geländes: Sie fürchten um ihre schöne Aussicht - woraufhin Stadtbaumeister Thomas Knaus den Anwohnern „einfach nur Glück in den vergangenen Jahrzehnten“ zusprach: Denn das Grundstück hätte schon längst bebaut werden können. Ein Zuhörer warnte: Man müsse sich in Bad Reichenhall erst einmal klar werden, in welche Richtung man gehen wolle - "sich langfristig als Tourismusstandort etablieren oder zur Klinik-Stadt avancieren". Gegen ein Hotel spräche die sinkende Nachfrage, so der Wortmelder.

Topmann oder Scharlatan

Die Stadt versicherte während der Veranstaltung, sich die möglichen Investoren ganz genau anzuschauen: „Wir werden sie unter die Lupe nehmen und haarklein aussortieren, wer Topmann, wer Scharlatan ist“, so Hans-Werner Zauner.

Acht Punkte arbeitete der Moderator des Abends, Diplom-Ingenieur Wolf Steinert vom gleichnamigen Landschafts- und Ortsplanungsbüro aus Übersee zielstrebig ab. Die Stadt hat das Grundstück samt Hofwirt geerbt, das Baurecht stammt aus dem Jahre 1840. Die Verantwortlichen konnten die Ängste der Bürgerinnen und Bürger im Saal mildern: „Wir wollen ja auch keinen fünfstöckigen Kasten“, so Knaus, „sondern ein Gebäude, dass sich harmonisch einfügt“.

Seniorenheim möglich?

Ein älterer Bürger erkundigte sich nach Alternativen: "Kommt nicht auch ein Seniorenheim für gehobene Ansprüche infrage?" Er befürchte, aus der Kurstadt wegziehen zu müssen, wenn er pflegebedürftig werden sollte. Die Stadt wolle Alternativen in ihre Überlegungen miteinbeziehen, hieß es, allerdings seien Lösungen außerhalb der Hotel- oder Kllinik-Gedanken nicht vorgesehen.

Öffentlichkeit wird gewahrt

Die Bürgerinnen und Bürger sollen weiterhin beteiligt werden: "In Sachen Hofwirt wird auch künftig alles öffentlich gemacht", verspricht Hans-Werner Zauner. Ausschreibungen etc. werden in den Medien veröffentlicht. Und: Die Stadt verteilte einen Fragebogen: Bis 3. Dezember können darauf Sorgen und Bedenken bezüglich der Vorhaben zu Papier gebracht werden.

Letztlich wird noch viel Wasser die Saalach bereichern, ehe es wirklich mit einem Projekt konkret werden kann. Derweil müssen – wie immer bei derartigen Vorhaben – viele Hürden gemeistert werden. Allerdings: Oberbürgermeister Lackner sieht einem Baubeginn im Sommer 2014 optimistisch entgegen, wenn „alles planmäßig und rasch erledigt werden kann“.

bit

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